bedeckt München 27°

Übergabe des Brexit-Antrags:Freunde werden zu Gegnern

Der Brexit-Antrag ist übergeben, jetzt beginnen die Austrittsgespräche. Briten und Europäer sind dabei sehr ungleiche Verhandler. London muss sich auf unangenehme zwei Jahre einstellen.

An diesem Mittwoch ist Donald Tusk, dem Ratspräsidenten der Europäischen Union, ein sechs Seiten langer Brief der britischen Premierministerin Theresa May übergeben worden. Er hat ihn freundlich in Empfang genommen. Nun beginnt die Schlacht.

Vielleicht wären Briten und Unions-Europäer wirklich gerne nett zueinander. Womöglich nehmen sie sich vor, Freunde zu bleiben. In dem, was jetzt kommt, aber können sie nur Gegner sein. So unglaublich komplex die Verhandlungen auch sein werden, so banal ist die Sache im Kern.

Brexit Mays Brexit-Brief an die EU
Dokumentation

Mays Brexit-Brief an die EU

Mit diesem Schreiben an EU-Ratspräsident Donald Tusk hat die britische Premierministerin den Brexit eingeleitet.

Während Großbritannien versuchen muss, die Kosten des Brexit - nicht nur die finanziellen - gering zu halten, wird die EU sie in die Höhe treiben. In diesen Verhandlungen kann das Königreich auf vielerlei Weise verlieren. Die Union eigentlich nur auf eine: wenn sie zulässt, dass ein Austritt sich lohnt.

Unter anderem aus diesem Grund werden dies keine Verhandlungen auf Augenhöhe sein. Das beginnt mit den im EU-Vertrag gesetzten Regeln. Der Artikel 50 erlaubt zwar den Austritt, aber er ist nicht darauf ausgerichtet, es dem Austretenden angenehm zu machen. Die Begrenzung der Verhandlungen auf zwei Jahre zwingt die britischen Unterhändler zu einer fast unmöglichen Mission.

Gibt es in dieser Frist keine Einigung, fällt die britische Volkswirtschaft ohne Übergangsfristen und ohne die Perspektive eines Freihandelsabkommens mit der EU in ein schwarzes Loch. Die Drohung Mays, kein Deal sei besser als ein schlechter, ist hohl. Großbritannien kann sich ein Scheitern weit weniger leisten als die 27er-EU.

Briten und EU sind mehr als ungleiche Verhandler

In der Theorie bieten sich den Briten nun 27 Einfallstore, um die EU zu spalten. In der Praxis wird ihnen auch das wenig nützen. Großbritanniens versierte Diplomaten haben in den vergangenen Monaten mit bescheidenem Ertrag ausgelotet, wer mit Sonderkonditionen und Spezialversprechen zu locken sein könnte. In der einen oder anderen Hauptstadt mag das auf Interesse gestoßen sein, doch der Verhandlungsrahmen lässt für Extratouren wenig Raum.

Selbst wenn es der Regierung in London gelingen würde, die Europäer gegeneinander auszuspielen, hätte sie selbst am wenigsten davon. Denn: Damit es einen Deal mit Großbritannien gibt, müssen vor Ablauf von zwei Jahren alle 27 EU-Staaten zustimmen.