TV-Debatte:Valls zieht über Politik her, die er bis vor kurzem mitgetragen hat

Valls war bis vor kurzem Favorit bei der Urwahl. Vielen Franzosen gefiel sein tatkräftiges Auftreten, gerade im Gegensatz zu dem oft zaudernden Präsidenten Hollande. Doch dass Valls jetzt über die Politik herzieht, die er bis vor wenigen Wochen zu verantworten hatte, kommt nicht gut an. Er will etwa den Paragraf 49-3 abschaffen, mit dessen Hilfe die Regierung Gesetze verabschieden kann, ohne das Parlament zu befragen. Dass er ihn selbst mehrfach genutzt hat, um umstrittene Gesetze durchzudrücken, sei ihm von der Partei "aufgezwungen" worden, redete er sich in einem Interview raus.

Zudem hat sich Valls mit seiner unternehmerfreundlichen Politik und seinem forschen Auftreten viele Feinde in seiner Partei gemacht. Es ist zu erwarten, dass sich die Genossen vor der Stichwahl gegen ihn verbünden und seinen Konkurrenten unterstützen. Wer immer das auch sein mag.

Der Sieger der Vorwahl hat aus heutiger Sicht nicht den Hauch einer Chance, bei der Präsidentschaftswahl auch nur in die zweite Runde zu kommen. Alle Umfragen sehen den konservativen François Fillon (Les Républicains) und die rechtsextreme Marine Le Pen (Front National) in der Stichwahl. Außerdem gibt es zwei weitere Kandidaten aus dem linken Lager, die nicht an der Vorwahl teilnehmen wollen - und beide bislang bessere Umfragewerte haben als jeder Teilnehmer des TV-Duells:

Emmanuel Macron, mit 39 Jahre der Jüngste, bis letzten Sommer Wirtschaftsminister. Seine neue gegründete Bewegung "En Marche!" hat 130 000 Mitglieder. Macron ist der Einzige, der einen betont europafreundlichen Wahlkampf macht.

Jean-Luc Mélenchon, Europa-Abgeordneter und Vorsitzender der Parti de Gauche, ist einer der beliebtesten Politiker Frankreichs. Sein Youtube-Kanal hat mehr als 150 000 Abonnenten.

Bevor sich die Franzosen entscheiden, welcher Sozialist in dieses aussichtslose Rennen gehen darf, haben Valls und Co. die Gelegenheit, ihre Positionen in weiteren fernsehtauglichen Minuten-Häppchen darzustellen. Bis zum 29. Januar gibt es drei weitere TV-Debatten.

© SZ.de/ghe
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