bedeckt München 14°
vgwortpixel

Tunesische Aktivistin verlässt Femen:Nackter Verrat

Amina Sbouï verlässt Femen

Amina Sbouï verlässt am 1. August 2013 das Gefängnis in Sousse. Drei Wochen später tritt sie aus der Organisation Femen aus.

(Foto: AFP)

"Bibel, Tora oder Koran, alles der gleiche Mist": Angeblich protestiert Femen gegen alle Religionen. Gegenüber dem Islam zeigen die Oben-ohne-Aktivistinnen aber besonders wenig Fingerspitzengefühl. Wofür und wie Musliminnen kämpfen, kümmert sie kaum. Entsprechend beleidigt reagieren sie auf den Austritt ihrer bekanntesten muslimischen Mitstreiterin.

Sorgt Israel allen Ernstes dafür, dass in arabischen Ländern die Hüllen fallen? Genauer: Unterstützt das Land die Organisation Femen, die seit einiger Zeit auch in Tunesien ihre provokanten Oben-ohne-Aktionen startet? Amina Sbouï, die erste und bekannteste Femen-Aktivistin in der arabischen Welt, verlässt die Organisation wieder. Der Grund: Sie konnte, wie sie der Huffington Post sagte, nicht in Erfahrung bringen, wie sich Femen finanziert. "Ich will nicht in einer Bewegung sein, wo es fragwürdiges Geld gibt. Und wenn es aus Israel stammt? Ich will es wissen."

Sbouï, die sich auch Amina Tyler nennt, hatte sich im Frühjahr jenen Frauen angeschlossen, die ihre kurzen Botschaften fast ausschließlich auf ihren nackten Bäuchen und Brüsten transportieren. "Mein Körper gehört mir, und er ist nicht Quelle von irgendjemandes Ehre" war auf einem online veröffentlichten Foto auf der Haut der 19-Jährigen zu lesen. Weil sie das Wort "Femen" auf die Mauer neben einem Friedhof geschrieben hatte, wurde sie wenig später festgenommen. Anfang August kam Sbouï nach zwei Monaten im Gefängnis und massiven Protesten - auch von drei barbusigen westlichen Frauen in Tunis - frei.

"Amina hat Tausende Frauen verraten"

Femen reagiert sarkastisch auf den Verschwörungsverdacht. "Nach langem gespannten Warten nun die Enthüllung: Nein, Femen wird nicht von Israel finanziert!", heißt es auf Twitter. Mit dem Austritt ihrer prominentesten arabischen Mitstreiterin geht Femen weniger souverän um, die Reaktion klingt eher beleidigt.

"Das ist schon ok, sie ist nicht die Einzige, die aufgegeben hat. Aber es ist nicht schön, dass sie Lügen über ihre Mitstreiter verbreitet", schreibt die ukrainische Aktivistin Inna Schewtschenko, die in Frankreich politisches Asyl gefunden hat. Amina habe nicht Femen verraten, sondern Tausende Frauen, die sich für die Kampagne "Free Amina" eingesetzt haben - dank derer sie jetzt frei sei.

Letzteres bestreitet die Tunesierin. Ganz im Gegenteil: Manche Aktionen hätten ihre Situation verschlimmert, Femen hätte sich vorher bei ihren Anwälten erkundigen sollen, sagt sie. Dass Demonstrantinnen etwa vor der tunesischen Botschaft in Paris "Amina Akbar, Femen Akbar" ("Amina ist groß, Femen ist groß") gerufen haben, habe ihr gar nicht gefallen. "Das verletzt viele Muslime und viele Menschen, die mir nahe stehen", sagte Sbouï - die Rufe waren eine Anspielung auf die Lobpreisung "Allahu akbar" ("Gott ist groß"). Sie wolle nicht mit einer islamfeindlichen Bewegung in Verbindung gebracht werden, so Sbouï.

Ist Femen tatsächlich islamfeindlich? Die 2008 in der Ukraine gegründete Bewegung kämpft eigenen Angaben zufolge gegen Zwangsprostitution, Diktaturen jeder Art und die Unterdrückung von Frauen durch Religion. Sie lehnt sowohl Islam als auch Christen- und Judentum ab, "weil alle Religionen Frauen erniedrigen". Dementsprechend keilt sie auch gegen alle: Femen veröffentlicht Bilder halbnackter Frauen in bekannter Brust-Raus-Pose mit dem Kommentar "Bibel, Tora oder Koran, alles der gleiche Mist".

Zur SZ-Startseite