Russland-Kontakte Trumps Verhalten grenzt an Verrat

Trump und Putin beim denkwürdigen Gipfeltreffen im Juli dieses Jahres in Helsinki, als der russische Präsident nach den Kriterien fühlbarer Macht klar der Herr im Haus war

(Foto: AFP)

Donald Trump verhandelte noch als Geschäftsmann mit den Russen, als er bereits Präsidentschaftskandidat war. Das war politisch desaströs und machte ihn erpressbar - vielleicht auch heute noch.

Kommentar von Hubert Wetzel, Washington

Selbstverständlich wollte Donald Trump einen Trump Tower in Moskau bauen. Er wusste, wie beliebt seine Luxuswohnungen bei reichen Russen waren. Nichts lag da näher als die Idee, auch in Russlands Hauptstadt so einen blattvergoldeten Turm hinzustellen. Damit bei den Genehmigungen alles klappt, hatten Trump und seine Leute sich überlegt, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich das Penthouse zu schenken. Eine kleine Aufmerksamkeit im Wert von 50 Millionen Dollar.

Das alles wäre nicht der Rede wert, hätten die Gespräche über den Bau des Wohnturms in Moskau irgendwann in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren stattgefunden. Donald Trump war früher ein Immobilienentwickler und Fernsehhallodri, seinen Namen an Hochhäuser zu schrauben, war sein Geschäftsmodell.

Es wäre auch kein Problem gewesen, hätten die Verhandlungen über den Turm, wie das Trump-Lager es behauptet hat, nur bis Januar 2016 gedauert und wären dann mangels russischen Interesses abgebrochen worden. Damals war Trump lediglich einer von einem Dutzend Republikanern, die US-Präsident werden wollten. Niemand gab ihm allzu große Chancen, die Vorwahlen zu überstehen.

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Aber diese Behauptung war, wie man jetzt durch das Geständnis von Trumps ehemaligem Anwalt Michael Cohen weiß, eine glatte Lüge. In Wahrheit antwortete der Kreml auf die Avancen, und Trump verhandelte mindestens bis Juni 2016 mit den Russen. Zu jenem Zeitpunkt aber war längst klar, dass Trump für die Republikaner ins Rennen ums Weiße Haus gehen würde. Das bedeutet: Der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei redete mit der Regierung eines rivalisierenden, wenn nicht gar feindlich gesonnenen Landes über ein privates Bauvorhaben, das ihm und seinen Gesprächspartnern Millionen einbringen sollte.

Man braucht also nicht viel Fantasie, um zu verstehen, warum Trump sich in dieser Zeit so wohlwollend über Putin äußerte. Er wollte nicht, dass sein schönes Moskauer Geschäft durch seine Kandidatur daheim gestört wird. Zumal er wohl ohnehin damit rechnete, die Wahl in den USA zu verlieren. "Die Chance, dass ich nicht gewinne, war hoch. Warum hätte ich mir solche Geschäftsmöglichkeiten verbauen sollen?", fragte Trump am Donnerstag voller Unschuld, und vermutlich sagte er da zur Abwechslung mal die Wahrheit.

Aber natürlich ist die Sache damit nicht erledigt. Ob Trump - "Individuum 1", wie er in den Gerichtsdokumenten stets genannt wird - Gesetze gebrochen hat, sei dahingestellt; politisch gesehen war sein Verhalten desaströs und grenzt fast an Verrat. Der heutige Präsident der Vereinigten Staaten hat als Kandidat seine persönlichen Geschäftsinteressen über die Sicherheitsinteressen seines Landes gestellt. Dann hat er versucht, das zu vertuschen: Er hat die Wähler belogen, als er versicherte, keine Geschäfte in Russland zu machen. Und er hat seinen Anwalt das Parlament belügen lassen, als dieser behauptete, die Verhandlungen mit Moskau seien im Januar 2016 beendet worden.

Zudem hat sich Trump als Präsident zwei Jahre lang dem Risiko ausgesetzt, dass der russische Kollege Putin, der die Wahrheit ja kennt, den Schwindel auffliegen lässt. De facto war Trump in dieser Zeit erpressbar. Und es gibt keine Garantie, dass er es nicht immer noch ist.

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