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Trump-Sieg bei der US-Wahl:President Ego

Donald Trump verspricht jetzt, das Land zu einen - was für eine Botschaft nach diesem Wahlkampf: Kann der Mann, der mit Provokationen und "Postfaktischem" berüchtigt wurde, überhaupt noch Präsident aller Amerikaner werden?

Es gibt nur Gewinner und Verlierer in der Welt von Donald Trump. Und er ist ein Gewinner. Dabei bleibt es auch nach dem 8. November 2016. Die Menschen rufen "USA, USA!", 2.48 Uhr New Yorker Zeit, da betritt Donald Trump als gewählter Präsident der USA die Bühne seiner Wahlparty.

Er klatscht, er lächelt, aber nur ein wenig. Seine Rede beginnt er mit den Worten: "Ich habe gerade einen Anruf von Hillary Clinton bekommen." Jubel brandet auf. Sie habe ihm und seinen Wählern gratuliert. Und dann gratuliert er selbst seiner Gegnerin. Er wählt versöhnliche Worte, er lobt Clinton für die Verdienste ums Land.

Donald Trump ist jetzt Präsident. Donald Trump ist kein Wahlkämpfer mehr. Er kann sich wandeln, das will er mit dieser Rede signalisieren.

"Es ist Zeit für uns, zusammenzukommen, als eine Nation", sagt er. Der erhobene Zeigefinder, den er so oft im Wahlkampf gezeigt hat, ist kaum zu sehen. "Ich verspreche, dass ich Präsident für alle Amerikaner sein werde." Donald Trump ist eine Larger-than-life-Figur. Einer, der nur in den USA so weit kommen konnte, einem Land, in dem der amerikanische Traum immer noch das Denken bestimmt. Der Traum, durch eigene Leistung, ganz nach oben zu kommen. Ein Traum, der im Land der Ungleichheit zwar mittlerweile jeder Grundlage entbehrt, der aber tief in der psychischen Struktur des Landes verankert ist.

Trump spricht in ruhigem, konzentriertem, ja, warmem Ton darüber, den amerikanischen Traum zu erneuern. Er spricht über eine bessere Zukunft. Und gibt noch einmal einen kurzen Abriss über sein Wahlprogramm. Kein Triumphgeheul, wie es vielleicht viele erwartet hatten. Stattdessen bedankt er sich bei seiner Familie, bei seinem Wahlkampfteam. Minutenlang geht das so. Keine Beleidigung, keine Ausfälle. Die Arbeit an dieser, seiner Bewegung, die "wird jetzt erst beginnen".

Wird Donald Trump an diesem Abend zum Politiker? Er hat einen sensationellen Sieg geschafft, den kein Analyst oder Prognostiker vorher erwartet hatte - diese Wahlnacht des 8. November hat sehr viele Menschen überrascht, und wenn er wirklich Präsident der USA und nicht nur Präsident seiner Bewegung werden will, dann muss er nun einige Wunden heilen, die allen voran er selbst im Wahlkampf aufgerissen hat.

Die Statistiken zeigen, dass Trump Präsident wird, weil er die meisten Wahlmänner der US-Bundesstaaten auf sich vereint. Die meisten Stimmen insgesamt aber hat den Prognosen der Wahlnacht zufolge wohl Clinton gewonnen. Trump ist Präsident, aber ohne eine Mehrheit des Volkes im Rücken: So kann man das Ergebnis dieses Abends auch lesen. Es macht klar, wie viel Überzeugungsarbeit er noch leisten muss und wie er das Land in den vergangenen Monaten polarisiert hat.

So einer darf Menschen beleidigen, wie es ihm passt - oder?

Von den Amerikanern ist er in diesem Wahlkampf alles andere als präsidial wahrgenommen worden. Er war die vergangenen eineinhalb Jahre eine Art TV-Star, eine Showgröße, ein stinkreicher Geschäftsmann, der das politische Geschäft aufmischen will. Jemand, von dem man gewohnt ist, dass er sich hin und wieder danebenbenimmt. So einer darf Menschen beleidigen, wie es ihm passt, darf vulgär sein. Er ist eine Projektionsfläche für das Unkonventionelle im klassischen Politikbetrieb: endlich einer, der sich nicht verstellt, der erfrischend ist, auf die Kacke haut!