Rede in El Paso Trump im Rumpelstilzchen-Modus

Donald Trump lässt seine Fans jetzt "Finish the Wall" rufen. Dabei hat der Bau der Mauer noch gar nicht begonnen.

(Foto: REUTERS)
  • In der texanischen Grenzstadt El Paso hält Trump seine wahre Rede zur Lage der Nation: spalterisch und aufwiegelnd. Denn "das macht mehr Spaß".
  • Kurz zuvor haben sich Demokraten und Republikaner auf eine Lösung im Streit um Geld für Trumps Mauer zu Mexiko geeinigt. Das kann Trump eigentlich kaum gefallen.
  • Seinen Fans verspricht er lieber, eine Mauer fertigzustellen, die noch gar nicht existiert.
Von Thorsten Denkler, New York

Im Publikum des "El Paso County Coliseum" haben einige die neue Botschaft offenbar noch nicht mitbekommen. Am Anfang der Rede von Donald Trump kommen Sprechchöre auf: "Build the Wall! Build the Wall! Build the Wall!" - Baut die Mauer! Auf den großen Schildern rechts und links der einige Meter über das Rednerpult gespannten US-Flagge aber steht Trumps neueste Mauer-Botschaft: "Finish the wall." Als wäre die Mauer schon so gut wie fertig. Was natürlich Quatsch ist. Bisher wurden lediglich bestehende Befestigungsanlagen renoviert oder aufgerüstet. Aber was macht das schon, das ist eine Trump-Veranstaltung. Fakten interessieren nicht.

Trump unterbricht die Sprechchöre: "Was ihr wirklich meint, ist 'Finish the wall'. Wir haben schon eine Menge Mauer gebaut. Also 'Finish the wall'!"

Es ist Trumps erste Wahlkampfrede seit den Zwischenwahlen am 8. November vergangenen Jahres. Und eine, in der er Dampf ablassen kann. Vergangene Woche noch, in seiner Rede zur Lage der Nation, da hat er - dem Anlass entsprechend - versucht, irgendwie versöhnlich zu klingen. Er sei bereit, mit allen zusammenzuarbeiten, hatte er gesagt. Nicht als zwei Parteien, sondern "als eine Nation". Und dass die Politiker des Landes jetzt "das grenzenlose Potenzial von Kooperation, Kompromiss und dem Gemeinwohl umarmen" müssten.

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Nichts, was er hier wiederholen möchte. "So sanft, das hätte hier nicht funktioniert, oder?" Jubel. "Das hier macht mehr Spaß."

Trump spielt sein übliches Programm ab

Jetzt hält er also seine wahre Rede zur Lage der Nation. Er peitscht die Leute auf, prügelt auf die Medien ein, die ihn ja ach so schlecht behandeln.

Er kramt angeblich tolle Umfragewerte heraus, die mit der Realität wenig gemein haben. Verurteilt mal wieder die Russland-Ermittlungen als Hexenjagd gegen ihn. Und behauptet, dass vor der Halle Zehntausende Menschen vergeblich auf Einlass gehofft hätten. Und in der Halle 4000 Menschen mehr seien als von der Feuerwehr erlaubt. Was ihm eben wichtig ist. Der übliche Mix.

Faktenchecker dürften wieder kaum hinterherkommen, Trumps Falschbehauptungen kenntlich zu machen, die im Dutzend über seine Lippen kommen. Aber das sind ja, wie Trump sagt, die "unehrlichsten Leute in den Medien".

Neu ist, dass er seinen Fans hier seine Agenda als eine "Mainstream-Agenda" verkauft, als "eine Agenda des gesunden Menschenverstandes". Zumindest wenn es um die Mauer geht, liegt er falsch. Die Mauer wird von einer stabilen Mehrheit der Amerikaner abgelehnt.

Für die Mauer will Trump dennoch 5,7 Milliarden Dollar Anfangsfinanzierung, die der Kongress freigeben muss. Die Demokraten aber haben jetzt die Mehrheit im Repräsentantenhaus, einer der beiden Kongress-Kammern. Und sie wollen dem Präsidenten auf gar keinen Fall etwas spendieren, das Trump dann "Mauer" nennen kann. Über den Budgetstreit hat es Trump kurz vor Weihnachten zum Stillstand der Regierung kommen lassen. 35 Tage lang hat der Shutdown das Land gelähmt.

Am Freitag läuft ein weiteres Ultimatum ab. Wenn dann kein Kompromiss da ist, könnte es zum nächsten Shutdown kommen. Am späten Montagabend aber haben Demokraten und Republikaner im Kongress offenbar eine Lösung gefunden, die einen weiteren Shutdown verhindern soll. Die Washington Post schreibt, dass die Lösung etwa 1,4 Milliarden Dollar für "Barrieren" entlang der Grenze vorsieht. Und auf einer Strecke von etwa 90 Kilometern Barrieren, wo es bisher noch keine gibt. Das ist deutlich weniger, als Trump gefordert hatte. Am Mittwoch soll das Paket dem Kongress vorgelegt werden.