Trump über Fall Khashoggi "Schlimmes, schlimmes Zeug"

US-Präsident Donald Trump erwägt Konsequenzen in dem Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi.

(Foto: AFP)
  • US-Präsident Trump geht davon aus, dass der mehr als zwei Wochen verschwundene Jornalist Khashoggi tot ist.
  • Sollte Saudi-Arabien etwas damit zu tun haben, würden von den USA "schwerwiegende Konsequenzen" folgen.
  • Die New York Times berichtet unterdessen unter Berufung auf mehrere Quellen, dass die saudische Regierung einen hochrangigen Berater für den Fall veranwortlichen machen will.

Mehr als zwei Wochen nach dem Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi geht US-Präsident Donald Trump vom Tod des Regimekritikers aus. "Es sieht für mich auf jeden Fall danach aus", sagte er am Donnerstag auf einer Luftwaffenbasis bei Washington. "Es ist sehr traurig." Sollte Saudi-Arabien tatsächlich für den Tod des Journalisten verantwortlich sein, drohte Trump mit "sehr schwerwiegenden" Konsequenzen. Gleichzeitig betonte er aber, man müsse das Ergebnis der Untersuchungen in dem Fall abwarten.

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist der Journalist, der zuletzt im US-Exil gelebt hatte, verschwunden. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Das saudische Königshaus streitet ab, etwas mit dem Fall zu tun zu haben.

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Unter Berufung auf drei mit dem Fall vertraute Quellen berichtet die New York Times, die saudische Führung erwäge, einen General und hochrangigen Berater von Kronprinz Mohammed bin Salman für den Tod Khashoggis verantwortlich zu machen. Damit könne von einer Verantwortung des Kronprinzen abgelenkt werden, schrieb die Zeitung. Menschen im Umfeld des Weißen Hauses sei der Name des betroffenen Generals bereits genannt worden.

Um den Fall aufzuklären, hatte Trump US-Außenminister Mike Pompeo zu Gesprächen nach Saudi-Arabien und in die Türkei geschickt. Nach seiner Rückkehr sagte er am Donnerstag, man wolle der Führung in Riad "noch ein paar Tage" einräumen, um ihre Untersuchungen abzuschließen. Der Untersuchungsbericht werde transparent und öffentlich sein, kündigte Pompeo im Anschluss an ein Treffen mit Trump an. Danach könne die US-Regierung über eine Reaktion entscheiden. Pompeo verwies darauf, dass Saudi-Arabien und die USA seit 1932 durch eine strategische Partnerschaft miteinander verbunden seien.

Türkische Regierung streut weitere Informationen zu dem Fall

Die türkische Regierung lancierte am Donnerstag weitere Indizien, die den Verdacht auf das direkte Umfeld des saudischen Kronprinzen lenken. Die regierungsnahe Zeitung Sabah benannte in einem ganzseitigen Artikel den angeblichen "Kopf des Vollstreckungsteams". Der Mann habe Mohammed bin Salman auf seinen Reisen oft begleitet, schrieb das Blatt. Die New York Times hatte den Mann zuvor ebenfalls als häufigen Begleiter des Prinzen identifiziert.

Sabah hat seit dem Verschwinden Khashoggis am 2. Oktober viele angebliche Erkenntnisse der türkischen Sicherheitskräfte veröffentlicht. Den angeblichen Verdächtigen, den die Zeitung auch mit Namen nennt, bezeichnet sie als "Geheimdienstagenten" und zeichnete anhand von Fotos seine Bewegungen in Istanbul nach. Der Mann sei an dem Tag, an dem Khashoggi verschwand, um 3.38 Uhr morgens in Istanbul gelandet. Um 9.55 Uhr sei er im Konsulat gewesen. Die Bilder in dem Beitrag stammen offenbar aus Sicherheitskameras. Sie sollen den Saudi unter anderem beim Betreten des Konsulats, vor der Residenz des Konsuls, in einem Hotel und am Flughafen zeigen.

Die türkischen Behörden verfügen angeblich über Audioaufnahmen, aus denen hervorgehen soll, dass Khashoggi getötet worden sein soll. Woher die türkische Regierung die Aufnahmen haben will, die anonyme Quellen seit Tagen zitieren, hat sie bis heute nicht schlüssig erklärt.

Türkische Behörden geben seit Tagen anonym Informationen an türkische und US-amerikanische Medien, die Saudi-Arabien belasten. Dazu gehört, dass Khashoggi gefoltert und zerstückelt worden sei. "Ich meine, es ist schlimmes, schlimmes Zeug", sagt Trump. "Aber wir werden sehen, was passiert."

Nach tagelanger Unsicherheit sagte US-Finanzminister Steven Mnuchin seine Teilnahme an einer großen Investoren-Konferenz in Saudi-Arabien ab. Der US-Finanzminister reiht sich damit in eine große Zahl von Absagen aus Politik und Wirtschaft für die Konferenz ein, die zu den größten Wirtschaftstreffen der Welt gehört. Unternehmer wie der Brite Richard Branson haben ebenso abgesagt wie die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Auch der niederländische Wirtschaftsminister Wopke Hoekstra, Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire und der britische Handelsminister Liam Fox wollen an der für kommenden Dienstag in der saudischen Hauptstadt Riad geplanten Investorenkonferenz nicht mehr teilnehmen.

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