US-Präsident in Großbritannien Trump nennt sein Brexit-Interview "Fake-News"

May und Trump auf dem britischen Landsitz Chequers.

(Foto: AFP)
  • US-Präsident Trump hat seine harsche Kritik an der Brexit-Strategie der britischen Premierministerin May relativiert und sein Interview mit der Sun als "Fake-News" bezeichnet. Dabei existieren Audioaufnahmen seiner Antworten.
  • Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz lobt er May und betont die enge Bindung beider Länder.
  • Großbritannien und die USA streben nach den Worten Mays ein groß angelegtes Freihandelsabkommen an.

Zuerst teilt er in einem Presseinterview aus, nach einem Gespräch auf dem Landsitz Chequers bei London hingegen gibt sich der US-Präsident wieder zahm. Donald Trump bedankt sich bei der britischen Premierministerin Theresa May für die Gastfreundschaft. Die Bande zwischen Großbritannien und den USA seien besonders eng, die gemeinsamen Werte würden für immer verbinden, so Trump.

In der Sun hatte der US-Präsident ein Handelsabkommen der beiden Länder in Zweifel gezogen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Die USA und Großbritannien streben nach den Worten Mays weiterhin ein "ambitioniertes" Handelsabkommen an. "Donald und ich haben uns auf einen anspruchsvollen Vertrag geeinigt."

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Der Brexit sei nicht seine Sache, betont Trump. Er sei "einverstanden" mit Mays Strategie. Zuvor hatte er sie deutlich für ihre Brexit-Pläne kritisiert - was er beim gemeinsamen Auftritt nun verneint. "Ich habe die Premierministerin nicht kritisiert", sagt Trump. Das Interview sei "Fake News" gewesen.

In dem am Donnerstagabend veröffentlichten Gespräch mit der Sun drohte er der angeschlagenen Premierministerin mit dem Scheitern eines möglichen Handelsabkommens, sollte Großbritannien nach dem Brexit zu enge Anbindungen an die EU behalten. Außerdem lobte er ihren Rivalen Boris Johnson. Davon hat die Boulevardzeitung auch Audiomaterial veröffentlicht.

Nun betont Trump hingegen in Richtung May: "Was auch immer Sie machen, ist für mich in Ordnung. Stellen Sie nur sicher, dass wir zusammen Handel treiben können."

Trump lobt Großbritannien außerdem dafür, zu der "Handvoll" Länder zu gehören, die das Nato-Ziel bei den Militärausgaben erreichen. Trump nennt als Ziel "ein Minimum von zwei Prozent" der Wirtschaftsleistung. Auch in Sicherheitsfragen wollen beide ihre Kooperation vertiefen.

Trump: Deutschland stark von Merkel geprägt

Der US-Präsident nennt die Einwanderung in Europa zudem "sehr negativ". "Die Einwanderung ändert die Kultur Europas." Der Kontinent solle besser auf sich aufpassen. "Schaut euch an, was mit den Ländern passiert." Er habe eine großartige Beziehung zu Kanzlerin Angela Merkel, aber das aktuelle Deutschland sei sehr stark von ihr geprägt, sagt Trump.

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