Tote Ausländer in Kabul:Selbstmordanschlag als Rache für Mohammed-Film

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In der muslimischen Welt sorgt der Mohammed-Schmähfilm für neue Gewalt. In Afghanistan reißt ein Selbstmordattentäter neun Ausländer mit in den Tod - ein Vergeltungsakt. Im Libanon schürt Hisbollah-Chef Nasrallah die Wut auf die USA. Die pakistanische Regierung will den Aufruhr mit Zensur stoppen: Sie sperrt Youtube.

Als Vergeltung für den islamfeindlichen Film über den Propheten Mohammed haben afghanische Extremisten nach eigenen Angaben einen Selbstmordanschlag verübt. Bei dem Attentat in der Nähe des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul kamen mindestens neun Menschen ums Leben. Andere Quellen berichten, die Bombe habe mindestens neun Ausländer und drei Afghanen mit in den Tod gerissen.

Der Attentäter steuerte seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen in einen Minibus, der ausländische Arbeiter zum Flughafen bringen sollte, wie die Polizei erklärte. Die Explosion sei gewaltig gewesen. Zu der Tat bekannte sich ein Sprecher der Gruppe Hesb-e-Islami, die von dem früheren Warlord Gilbuddin Hekmatjar angeführt wird. Der Sprecher erklärte in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP, eine 22-jährige Frau mit Namen Fatima habe den Anschlag ausgeführt.

Auch in anderen Teilen der islamischen Welt sorgt der Schmäh-Film "Die Unschuld der Muslime" für neue Verwerfungen. Im Libanon rief der Chef der radikalislamischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, vor Zehntausenden Anhängern zu weiteren Protesten auf. "Dies ist der Beginn einer ernsthaften Bewegung, die zur Verteidigung des Propheten Gottes überall in der muslimischen Welt weitergehen muss", sagte Nasrallah am Montag unter dem Jubel der Menschenmenge im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut. "Solange es Blut in uns gibt, werden wir nicht über Beleidigungen gegen unseren Propheten schweigen."

Nasrallah hat sich seit dem Krieg zwischen der Hisbollah und Israel 2006 aus Angst vor Attentaten nur selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Seine Rede bei der Kundgebung am Montag dauerte rund 15 Minuten. Viele seiner Anhänger trugen Kopfbedeckungen in Grün und Gelb, den Farben der Hisbollah. Darauf war zu lesen: "Euch zu Euren Diensten, Prophet Gottes".

Nasrallah forderte, die USA für den Anti-Islam-Film zur Rechenschaft zu ziehen, da der Film dort produziert wurde. Der Film hatte in den vergangenen Tagen zu Angriffen auf westliche Einrichtungen in der muslimischen Welt geführt.

Youtube-Sperre wegen "unanständigen" Materials

Die pakistanische Regierung blockierte wegen der Proteste, die mindestens zwei Todesopfer forderten, den Zugang zur Videoplattform Youtube. Die Sperrung der Internetseite sei von Regierungschef Raja Pervez Ashraf angeordnet worden, erklärte dessen Büro. Youtube habe sich zuvor geweigert, das Video von der Seite zu nehmen. Bei dem Versuch, die Seite anzusteuern, erschien die Mitteilung, Youtube werde wegen "unanständigen" Materials von der Telekommunikationsbehörde blockiert.

Bangladesch ist dem Beispiel Pakistans gefolgt und hat wegen des islamfeindlichen Mohammed-Videos aus den USA ebenfdalls den Zugang zu der Internetplattform blockiert. Die Sperrung sei auf Anweisung der Regierung erfolgt und gelte für "unbestimmte Zeit", teilte die Telekommunikationsbehörde in Dhaka mit.

Der Internetkonzern Google, dem Youtube gehört, sperrte den Zugang zu dem Video in Ägypten, Indien, Indonesien, Libyen und Malaysia, in Afghanistan ordnete die Regierung eine Teilblockade von Youtube an. Auch Russlands Staatsanwaltschaft kündigte an, sie wolle die Verbreitung des Films verbieten lassen.

Familie des mutmaßlichen Regisseurs flüchtet

Einer der Anführer der Proteste in Tunesien floh unterdessen aus einer umstellten Moschee. Hunderte Sicherheitskräfte hatten das Gotteshaus in Tunis am Montag abgeriegelt, in dem sich Seif Allah Ben Hassine aufhielt. Gemeinsam mit Hunderten Anhängern stürmte Hassine mitten durch die Reihen der Polizei und entkam. Ein Polizei-Vertreter sagte, die Gruppe habe die Absperrung nach Verhandlungen mit den Sicherheitskräften passiert.

Zuvor hatte Hassine gesagt, die Demonstration vor der US-Botschaft, bei der am Wochenende vier Menschen getötet worden waren, hätte friedlich verlaufen sollen. Er gab der Polizei die Schuld an der Gewalt. Ermittler vermuten, Hassine habe Verbindungen zu einer islamistischen Gruppe in Libyen, die hinter dem Sturm auf das US-Konsulat in Bengasi stecken soll. Dabei war am Freitag der US-Botschafter getötet worden.

Die Familie des mutmaßlichen Regisseurs des Films verließ über Nacht ihr Haus in Kalifornien. Die Verwandten von Nakoula Basseley Nakoula seien in der Nacht auf Montag (Ortszeit) von Beamten abgeholt und gemeinsam mit Nakoula an einen geheimen Ort gebracht worden, sagte ein Sprecher der Polizei von Los Angeles. Nakoula soll eine Schlüsselfigur hinter dem umstrittenen Film sein.

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