Terrorwarnung von Interpol:Vorsichtsmaßnahmen gegen Anschläge von Al-Qaida

Terrorwarnung von Interpol: Sicherheitskräfte vor der US-Botschaft in Tokyo.

Sicherheitskräfte vor der US-Botschaft in Tokyo.

(Foto: AFP)

Diesen Sonntag bleiben die US-Botschaften in einer Reihe islamischer Staaten geschlossen. Großbritannien, Frankreich und Deutschland schließen ihre Botschaften im Jemen. Die USA haben angeblich geheime Kommunikation zwischen Al-Qaida-Mitgliedern abgefangen, die Hinweise auf Terrorpläne gibt. Auch Interpol gibt eine weltweite Sicherheitswarnung aus.

Nach der Aufdeckung angeblicher Planungen für Terroranschläge bleiben an diesem Sonntag in islamischen Ländern Botschaften und Konsulate mehrerer westlicher Staaten geschlossen. Allein die USA schließen 21 Vertretungen. Auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich haben sich entschlossen, ihre Vertretungen im Jemen vorübergehend nicht zu öffnen.

Die USA haben angeblich geheime Kommunikationen zwischen hochrangigen Al-Qaida-Mitgliedern abgefangen, in denen es um Terroranschläge auf amerikanische Einrichtungen ging. Das sei der Grund für die weltweite Reisewarnung vom Freitag und die geplante vorübergehende Schließung von US-Vertretungen, berichtete die New York Times.

Der Zeitung zufolge, die sich auf US-Regierungsbeamte berief, diskutierten die Terroristen Attacken gegen Einrichtungen im Nahen Osten und Nordafrika. Es sei sehr ungewöhnlich, dass Kommunikationen zwischen höherrangigen Al-Qaida-Angehörigen über die Planung von Operationen abgefangen würden - sei es durch die Überwachung von E-Mails oder das Abhören von Handy-Gesprächen. Aus diesem Grund hätten Experten des Geheimdienstes CIA, das Außenministerium und das Weiße Haus sofort begriffen, worum es geht. Auch Kongressmitglieder seien informiert worden. "Das war eine Menge mehr als die üblichen Gespräche", zitierte die New York Times einen hochrangigen Washingtoner Regierungsbeamten. Einzelheiten habe er nicht preisgeben wollen.

Massenausbrüche mutmaßlicher Terroristen

Unterdessen gab auch die internationale Polizeibehörde Interpol eine weltweite Sicherheitswarnung heraus. Das Terrornetzwerk al-Qaida werde verdächtigt, in die Flucht von "Hunderten Terroristen und anderen Kriminellen" unter anderem in Libyen, Pakistan und im Irak verwickelt zu sein, erklärte die internationale Polizeiorganisation am Samstag in Lyon.

Interpol forderte die 190 Mitgliedsländer zu erhöhter Wachsamkeit und koordinierten Ermittlungen auf. Nach Angaben von Interpol geht es um den Ausbruch aus Gefängnissen in insgesamt neun Ländern. Sollte ein "Terrorist auf der Flucht" in einem Land gesichtet werden, müssten die jeweiligen Herkunftsländer informiert werden, um mögliche weitere Terrorattacken zu verhindern, erklärte die Polizeiorganisation.

Am vergangenen Wochenende waren mehr als tausend Häftlinge aus einem Gefängnis im libyschen Bengasi geflohen. Im Nordwesten Pakistans griffen schwerbewaffnete Taliban zwei Tage später ein Gefängnis an und befreiten etwa 300 Häftlinge. Interpol verwies in der Erklärung zudem darauf, dass im August zahlreiche Jahrestage "gewalttätiger Terrorangriffe" begangen würden, darunter Anschläge in Indien, Russland und Indonesien. Am 7. August 1998 waren außerdem die US-Botschaften in Kenia und Tansania angegriffen worden; dabei wurden mehr als 200 Menschen getötet.

Sicherheitsberater von US-Präsident Obama kommen zusammen

Geschlossen bleiben am Sonntag 21 Botschaften und Konsulate der USA in muslimischen Ländern von Mauretanien in Afrika bis ins asiatische Bangladesch. Experten zufolge könne die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen. Zudem nähere sich das Datum des 11. September, an dem 2001 bei den Terrorangriffen in New York und Washington etwa 3000 Menschen starben. Vor einem Jahr wurden bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi vier US-Diplomaten getötet.

Das Auswärtige Amt in Berlin veränderte seine Sicherheitshinweise für deutsche Staatsbürger zunächst nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen für die deutschen Botschaften würden permanent der aktuellen Sicherheitslage angepasst, sagte ein Sprecher. "Wir stehen dazu in engem Kontakt zu unseren Verbündeten." Der französische Staatschef François Hollande sagte am Samstag, man habe Informationen darüber, dass die Drohungen sehr ernst zu nehmen seien. Hollande rief gleichzeitig die französischen Staatsbürger im Jemen zur Vorsicht auf.

Am Samstag trafen sich Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama in Washington, um die Lage zu erörtern. Nach Angaben des Weißen Hauses nahmen an dem Gespräch unter anderem Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice, Außenminister John Kerry, Verteidigungsminister Chuck Hagel, Heimatschutzministerin Janet Napolitano und führende Geheimdienstleute teil. Obama war nicht anwesend.

Das Auffangen elektronischer Kommunikation ist eine der Hauptaufgaben des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der New York Times zufolge deuteten einige Analysten und Kongressmitarbeiter am Freitag an, dass die Betonung einer Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt ein guter Weg sei, vom Wirbel um die NSA-Programme abzulenken. Noch besser sei es, wenn zugleich deutlich gemacht werden könne, dass die NSA-Aktivitäten ein mögliches Terrorkomplott aufgedeckt hätten.

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