SZ-Interview mit Steinmeier "Wir haben uns rangekämpft"

Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier über die Aufholjagd der SPD, seine Warnung vor Schwarz-Gelb - und die Schwächen Angela Merkels.

Interview: Nico Fried und Wolfgang Krach

SZ: Herr Steinmeier, welche Erwartung haben Sie an die Wahlaussage der FDP an diesem Wochenende?

"Für Schwarz-Gelb wird es keine Mehrheit geben": Frank-Walter Steinmeier glaubt an sich - und die SPD.

(Foto: Foto: Reuters)

Steinmeier: Ich mache mit großer Freude und Intensität Wahlkampf für die SPD. Da habe ich keine Zeit, mir auch noch Formulierungen für die FDP zu überlegen.

SZ: Wenn Westerwelle eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP ausschließt...

Steinmeier: ...höre ich nicht auf, Wahlkampf zu machen. Ich weiß aus Erfahrung, dass auch die FDP frühestens am 27. September um 18.01 Uhr eine Bewertung des Wahlergebnisses vornehmen kann und wird.

SZ: Es bliebe nur die große Koalition.

Steinmeier: Abwarten. Keine voreiligen Schlüsse. Ich führe Wahlkampf für eine starke SPD.

SZ: Peer Steinbrück steht einer großen Koalition offener gegenüber.

Steinmeier: Peer Steinbrück erlebt das Gleiche wie ich jetzt mit Ihnen, dass wir dauernd etwas ausschließen oder uns auf etwas festlegen sollen. Ich habe klar gesagt, was ich nicht will, nämlich eine Koalition mit der Linken. Ansonsten sage ich nur: Ich will eine Koalition, die die SPD von vorne führt, mit mir als Kanzler. Und Peer Steinbrück will das auch. Diese Debatten würden wir übrigens gar nicht führen, wenn sich nicht jene schwer getäuscht hätten, die glaubten, die Wahl sei schon längst zugunsten von Schwarz-Gelb entschieden. Für Schwarz-Gelb wird es keine Mehrheit geben.

SZ: Noch liegen Union und FDP in Umfragen vorn.

Steinmeier: Man kann ja zusehen, wie der Vorsprung in der milden Herbstsonne schmilzt, wenn Sie die Formulierung gestatten. Wir haben uns rangekämpft. Viele Bürger sind noch nicht entschieden. Ich sehe den Zulauf bei meinen Veranstaltungen, und ich erlebe den wachsenden Zuspruch. Das TV-Duell hat einen riesigen Schub bewirkt. Die aufkommende Brise ist tatsächlich der Rückenwind für die SPD.

SZ: Schon bei den Landtagswahlen hatte man das Gefühl, die SPD malt sich alles sehr viel schöner als es ist.

Steinmeier: Moment mal. Die SPD ist immer realistisch geblieben. Trotz der Umfragen, die nicht schön waren. Etwas anderes ist doch entscheidend: Viele haben so getan, als laufe es in dieser Republik zwangsläufig auf Schwarz-Gelb hinaus, als sei das in Stein gemeißelt. Davon stimmt schon mal nichts mehr. Wenn Schwarz-Gelb nicht kommt...

SZ: ...sind Sie noch nicht Kanzler.

Steinmeier: Das habe ich auch nie behauptet. Politik heißt doch, dass man für Positionen kämpft, wirbt und sich Verbündete sucht. Das tue ich.

SZ: Im TV-Duell haben Sie sich als bessere Alternative zu Merkel dargestellt. Können Sie mal Ihre Stärken nennen?

Steinmeier: Ich finde, andere, auch Journalisten, sind eher berufen, über mich zu urteilen. Ich selbst bin mit Bewertungen lieber zurückhaltend. Aber ganz klar, ich habe mich sehr darüber gefreut, dass fast alle Umfragen mich nach dem Duell vorn gesehen haben und meine persönlichen Werte seitdem deutlich angestiegen sind.

SZ: Dann sagen Sie doch, warum Sie ein guter Kanzler wären.

Steinmeier: Gute Nerven, Krisenerfahrung, Durchsetzungskraft, Blick nach vorne, Vernunft, Realismus und zugleich eine Politik, die an langfristigen Zielen orientiert ist, aber immer auch die Wege beschreibt, um sie zu erreichen.

SZ: Und Merkels Schwächen?

Steinmeier: Aus meiner Sicht handelt sie zu situativ. Zu kurzatmig. Nicht ambitioniert genug.