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Streit um Ex-Umweltminister:NRW-CDU kritisiert Merkel wegen Röttgen-Rauswurf

"Der Norbert hat den Shitstorm der Kanzlerin abgekriegt": In Nordrhein-Westfalen wächst der Unmut über die Entlassung des ehemaligen Umweltministers Norbert Röttgen und die Kritik an Kanzlerin Merkel. Schockiert ist man dort über den "Affront gegen die NRW-Landesgruppe".

In der NRW-Landesgruppe der CDU stößt die Entlassung von Umweltminister Norbert Röttgen durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) auf scharfe Kritik. Wie die Rheinische Post unter Berufung auf Teilnehmer berichtet, schilderten CDU-Abgeordnete auf einer Sitzung gestern Abend, die Parteibasis habe "schockiert" auf den Rauswurf Röttgens aus dem Bundeskabinett reagiert. "Der Norbert hat den Shitstorm der Kanzlerin abgekriegt", sagte ein Abgeordneter.

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Wird Röttgen Kanzlerin Merkel zum Verhängnis? Der Unmut über den Rauswurf des ehemaligen Umweltministers wächst.

(Foto: dapd)

"Das ist ein Affront gegen die NRW-Landesgruppe und gegen alle Wahlkämpfer", sagte der Abgeordnete Uwe Schummer dem Bericht zufolge. Der Politiker habe einen "Vertrauensverlust gegenüber Angela Merkel" festgestellt und darauf verwiesen, dass sich insbesondere bürgerliche Wähler für die "Charakterfrage" interessierten, wie Menschen miteinander umgingen. Mehrere Abgeordnete forderten, in die Analyse tiefer einzusteigen. Röttgen sei nicht die alleinige Ursache für das Wahldebakel.

Unterdessen rät CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe von einer öffentlichen Abrechnung ab. Es gehöre auch zum fairen Umfang miteinander, dass unter vier Augen Besprochenes "nicht öffentlich nachbereitet wird, sondern man gemeinsam nach vorne schaut", sagte Gröhe im Deutschlandfunk. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe zu den Gründen für die Entlassung "das Entscheidende gesagt". Die Durchsetzungskraft der Regierungschefin bezeichnete Gröhe trotz der Spannungen in der Union und in der Koalition als "sehr gut". Röttgens Nachfolger Peter Altmaier genieße hohe Akzeptanz und könne die Energiewende voranbringen.

Röttgen, der CDU-Spitzenkandidat bei der NRW-Landtagswahl, war nach dem desaströsen Ergebnis für die Union noch am Wahlabend als Landeschef zurückgetreten. Drei Tage später warf ihn Merkel aus dem Kabinett. Heute überreicht Bundespräsident Joachim Gauck Peter Altmaier als neuem Umweltminister die Ernennungsurkunde. Röttgen erhält seine Entlassungsurkunde. Auch Kanzlerin Merkel wird an der Veranstaltung teilnehmen.

© Süddeutsche.de/dapd/sebi/ehr
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