Nach den Anschlägen In Sri Lanka wächst das Misstrauen

Priester in weißen Kutten stehen in der Kirche St. Sebastian bereit, die Särge zu segnen.

(Foto: Getty Images)
  • Warum konnten so viele koordinierte Attacken geschehen, obwohl schon mindestens zehn Tage zuvor Warnungen zirkulierten?
  • Das gewaltige Ausmaß der Terrorangriffe in Sri Lanka weckt bei vielen den Verdacht, dass sich die Täter hochrangige Verbündete im Sicherheitsapparat erkauft haben.
  • Premier Ranil Wickremesinghe erklärte, er sei von den Gefahren nicht unterrichtet worden, Präsident Maithripala Sirisena ließ bisher offen, ob er von den Geheimdienstinformationen wusste.
Von Arne Perras, Colombo, und Ronen Steinke

Im Pavillon hinter der zerbombten Kirche St. Sebastian haben sie ein großes schwarzes Holzkreuz errichtet und mit einem weißen Trauertuch behängt, gleich daneben wacht ein Soldat, er trägt ein Schnellfeuergewehr und lässt den Blick über die Menge der Betenden kreisen. Im Hof der Kirche warten Trauernde darauf, die Terroropfer vom Sonntag zu beerdigen, Söhne und Töchter, Väter und Mütter, Hunderte Familien haben sich schweigend versammelt. Priester in weißen Kutten stehen bereit, die Särge zu segnen, die nun gleich durch das Tor in den Kirchhof hereingetragen werden sollen. Aber die Särge kommen nicht.

Ein Priester stimmt ein Trauerlied an. "Gott nimm ihre Körper in Gnade auf, wir beten für sie", die Stimmen vereinen sich zu einem melancholischen Singsang. Sie wollen sich in Würde verabschieden von den Opfern, aber selbst das wird ihnen an diesem Tag in Negombo, 38 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo, sehr schwer gemacht. Denn die Särge kommen immer noch nicht.

Schließlich greift ein Geistlicher zum Mikrofon und erklärt, dass die Toten ihren Weg zur Kirche gerade nicht nehmen könnten, die Beerdigung wird auf nachmittags verschoben. Dann bittet er alle, diesen Ort nicht in großen Gruppen zu verlassen, sondern möglichst einzeln und nacheinander. Und schon kriecht wieder die Angst zurück in die Köpfe, nervöse Blicke, einige drängen rasch zum Tor, sie wollen schnell weg.

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Tag zwei nach den Terrorattacken auf Sri Lanka. Der Staat hat nun den Notstand ausgerufen, am Morgen werden zwei weitere Sprengsätze in der Hauptstadt entdeckt und entschärft, am Nachmittag erklären Ermittler, dass sie nach zwei Lastwagen suchen, die angeblich voller Sprengstoff nach Colombo gekommen sind, aber bislang nirgendwo entdeckt werden konnten. Das alles steigert Nervosität und Verzweiflung. Viele haben hier das Gefühl, dass sie den extremistischen Gewalttätern schutzlos ausgeliefert sind und die Regierung die heikle Lage nicht im Griff hat.

Sri Lanka steuert politisch noch unruhigeren Zeiten entgegen

Vor allem kann hier niemand verstehen, warum so viele koordinierte Attacken geschehen konnten, obwohl mindestens zehn Tage zuvor Warnungen vor solchen Anschlägen in den Sicherheitskreisen zirkulierten. Premier Ranil Wickremesinghe erklärte, er sei von den Gefahren nicht unterrichtet worden, auch Präsident Maithripala Sirisena will nichts von den Geheimdienstinformationen gewusst haben.

Am Dienstagabend erklärte Sirisena in einer Fernsehansprache, er werde die Sicherheitskräfte nun komplett umbauen.

Die beiden Männer, einstige Verbündete, haben sich schon vor einiger Zeit zerstritten, im Oktober stürzte der Machtkampf zwischen den Rivalen das Land in eine schwere Staatskrise. Viele glauben, dass die Grabenkämpfe die Politiker so stark abgelenkt haben, dass die Extremisten ideale Bedingungen vorfanden, um ihr Zerstörungswerk ungehindert vorzubereiten.

Zudem nährt das gewaltige Ausmaß der Terrorangriffe bei vielen den Verdacht, dass sich die Täter hochrangige Verbündete im Sicherheitsapparat erkauft haben. Wie sollte es ansonsten möglich sein, einen so großen Terrorplan unentdeckt umzusetzen? Das Misstrauen wächst. So ist damit zu rechnen, dass Sri Lanka politisch noch unruhigeren Zeiten entgegensteuert.