bedeckt München 20°

Anschläge in Sri Lanka:Was Reisende jetzt wissen müssen

Polizisten im Hotel Shangri-La in Colombo - einem der Anschlagsorte.

(Foto: AFP)
  • Das Auswärtige Amt rät Angehörigen, Reisende per SMS zu kontaktieren. Die Telefonnetze sind teils überlastet, Facebook und Whatsapp gesperrt.
  • Flugreisende in Sri Lanka sollen sich vier Stunden vor Abflug am Flughafen bei Colombo einfinden.
  • Für die nächsten Wochen geplante Sri-Lanka-Reisen können bei vielen Veranstaltern umgebucht oder storniert werden.

Nach den Anschlägen in Sri Lanka am Sonntag sollten Touristen mehrere Dinge beachten. Was sie jetzt wissen müssen:

Das empfiehlt das Auswärtige Amt

Das Auswärtige Amt hat seine Hinweise für Sri Lanka aktualisiert und rät inzwischen von nicht notwendigen Reisen dorthin ab. Touristen, die sich auf der südostasiatischen Insel befinden, sollen öffentliche Plätze und insbesondere die Anschlagsorte weiträumig meiden, lokale Medien verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften halten und Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge leisten. Seit Dienstag gilt in dem Land der Notstand. Er gewährt den Sicherheitskräften erweiterte Befugnisse, etwa für Durchsuchungen und zur Festnahme von Personen.

Telefon- und Internetverbindungen in Sri Lanka sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes nach wie vor überlastet. Reisende sollten ihre Angehörigen möglichst per SMS oder konventionellem Telefonanruf wissen lassen, dass sie wohlauf sind. Die Regierung Sri Lankas hat zudem mehrere soziale Medien wie Facebook und Messenger-Dienste wie Whatsapp gesperrt, um Panik und die Verbreitung von Falschinformationen zu verhindern.

Wichtig am Flughafen Bandaranaike

Reisende, die sich auf Sri Lanka befinden und von Bandaranaike bei Colombo aus ihren Heimflug antreten wollen, werden von Sri Lankan Airlines gebeten, sich vier Stunden vor Abflug am Flughafen einzufinden. Die nationale Airline ist für die Abfertigung aller Fluggäste in Bandaranaike zuständig. Die Anfahrt zum Flughafen ist nach Angaben der Fluggesellschaft auch während einer nächtlichen Ausgangssperre möglich, wie sie in den vergangenen Tagen verhängt worden war. Passagiere müssen sich dafür an den Checkpoints mit Flugticket und Pass ausweisen. Bandaranaike ist einer von zwei Flughäfen auf Sri Lanka, die vom internationalen Flugverkehr angeflogen werden. Er befindet sich rund 35 km nördlich von Colombo, wo sich der Großteil der Anschläge ereignet hat.

So reagieren die Reiseveranstalter

Nach offiziellen Angaben sind mehr als 30 Ausländer unter den Opfern der Anschläge, darunter ein Deutsch-Amerikaner. Sri-Lanka-Urlauber der großen deutschen Reiseveranstalter haben die Anschläge unbeschadet überstanden. Die Veranstalter Tui und DERtour teilten am Montag mit, dass die Gäste, die derzeit auf der Tropeninsel Urlaub machen, Entwarnung gegeben hätte. Man habe alle Urlauber erreichen können.

DER Touristik hat derzeit nach eigenen Angaben eine "knappe vierstellige" Zahl von Reisenden auf Sri Lanka. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt hat auch einige Hotels im Angebot, die zum Anschlagsziel wurden. Das Ausflugsprogramm in die Hauptstadt Colombo wurde eingestellt. Reisen durch das Land finden statt. Gästen, die vorzeitig abreisen wollen, helfe man bei der Organisation, sagte eine Sprecherin. Rund 150 Urlauber sind derzeit mit einer Tui-Reise auf der Insel, nach Angaben einer Sprecherin wollten sie alle ihren Urlaub dort fortsetzen. Studiosus nimmt bei Bedarf tagesaktuell Anpassungen im Reiseprogramm vor, teilte der Veranstalter für Studien- und Erlebnisreisen mit. Man beobachte die Entwicklung im Land mit größter Aufmerksamkeit.

Diese Rechte haben Urlauber

Ein Anrecht auf kostenlose Stornierung oder Umbuchung besteht, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliegt - was für Sri Lanka derzeit nicht der Fall ist - oder "höhere Gewalt" beispielsweise in Form von massiven politischen Unruhen die Reise erheblich beeinträchtigt. Ob das in der jeweiligen Situation zutrifft, ist im Reiserecht oft Auslegungssache. Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover sieht zumindest für die kommenden Wochen gute Argumente für eine kostenfreie Kündigung einer schon gebuchten Sri-Lanka-Reise. Angst vor Terror allein sei zwar keine ausreichende Begründung, doch in Sri Lanka kämen nun mehrere Umstände dazu: Die Situation vor Ort sei ungewiss, Notstandsbestimmungen seien eingeführt und Touristen müssten beim Herumreisen im Land und damit bei einem wesentlichen Teil ihres Urlaubserlebnisses mit Einschränkungen rechnen.

Mehrere Reiseveranstalter kündigten bereits einen kulanten Umgang mit Umbuchungs- oder Stornierungswünschen an, zumindest bei zeitnah anstehenden Reisen. Alltours-Kunden können einen Urlaub mit Anreisedatum bis zum 30. April nach Angaben eines Sprechers kostenfrei stornieren. Bei DER Touristik ist das Abreisedatum ausschlaggebend: Urlaube mit Abreise bis zum 6. Mai können kostenfrei umgebucht oder storniert werden. Tui bietet Urlaubern, die bis einschließlich 29. April anreisen, gebührenfreie Stornierungen oder Umbuchungen an, bei FTI gilt diese Möglichkeit für Anreisen bis einschließlich 28. April, teilte eine Sprecherin mit. Für Urlauber, die später anreisen, prüfe man Umbuchungsmöglichkeiten. Reisende mit Thomas Cook können Buchungen mit Anreise bis 2. Mai kostenfrei umbuchen oder stornieren. Auch hier sollen bei späteren Anreisen die Anfragen individuell geprüft werden. Studiosus ermöglicht für Buchungen mit Abreise im April und Mai kostenfreie Umbuchungen oder Stornierungen. Für alle Reisen, die später im Jahr beginnen, bestehe die Möglichkeit aktuell nicht, hieß es. Man gehe nach derzeitigem Kenntnisstand davon aus, dass alle ab Sommer beginnenden Reisen planmäßig durchgeführt werden können.

Terrorismus Die Angst ist zurück

Reportage aus Sri Lanka

Die Angst ist zurück

Sri Lanka erwacht nach einem Osterfest, an dem sich der Terror zurückgemeldet hat. All die Toten, die im Leichenhaus der Polizei liegen, all die traumatisierten Verletzten, die im "National Hospital" behandelt werden - sie erinnern die Menschen an die Unsicherheit, die Sri Lanka Jahrzehnte beherrscht hat.   Von Arne Perras, Colombo