bedeckt München 13°

Spenden:Welche Hilfe wirklich wirkt

Bei Organisationen mit den entsprechenden Auszeichnungen kann man davon ausgehen, dass sie tatsächlich das tun, was sie versprechen. Aber haben ihre Projekte auch die erhoffte Wirkung? Um eine Antwort auf diese Frage bemüht sich das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus Phineo. Mit speziellen Wirkungsanalyseverfahren überprüfen dessen Experten Organisationen auf eigenen Wunsch dahingehend, ob ihre Projekte tatsächlich ihre Ziele erreichen. Ist dem so, erhalten sie das "Wirkt"-Siegel. Da die Analysen kostenfrei sind, ist das Siegel vor allem für kleinere, weniger bekannte Organisationen attraktiv, die so ihre Seriosität belegen können.

Die bewerteten Projekte sind vielfältig. Jüngst ausgezeichnet wurde etwa das Stipendienprogramm NeuSTART, das Hunderte Zuwanderer- und Flüchtlingskinder auf dem Weg ins Berufsleben oder Studium unterstützt. Phineo zufolge haben Studien belegt, dass die Stipendiaten (bessere) Schulabschlüsse erlangen und zum Teil ein Studium aufnehmen. Ein anderes Beispiel ist die Alzheimer-Angehörigen-Initiative Leipzig, deren Arbeit nachweislich eine positive Wirkung auf Menschen hat, die sich um demente Verwandte kümmern. (Die Beispiele sollen die Arbeit von Phineo illustrieren und stellen keine Spendenempfehlung durch die SZ dar.)

2014 hat Phineo im Auftrag von Spiegel Online auch etliche der größten Spendenorganisationen mit Sitz in Deutschland auf den Prüfstand gestellt. In Bezug auf ausreichend belegte Transparenz hinsichtlich der Wirkung der Projekte schnitten die Deutsche Welthungerhilfe, World Vision Deutschland, das Deutsche Komitee für Unicef, Ärzte ohne Grenzen und Care mit "herausragend" ab. Misereor, Brot für die Welt oder Oxfam - um nur einige zu nennen - kamen auf "sehr gut".

Bringt mein Geld woanders mehr?

Wer sich noch nicht festgelegt hat, für welchen Zweck eine Spende bestimmt sein soll, dem drängt sich möglicherweise eine weitere Frage auf: Wie lässt sich mit einer bestimmten Summe möglichst viel erreichen? Wer darüber nachdenkt, muss wohl eher Spenden an Menschen außerhalb Deutschlands in Erwägung ziehen. Denn Gesundheitsversorgung und Sozialhilfe sind hierzulande bereits auf einem hohen Niveau.

Andernorts lässt sich Geld so investieren, dass deutlich mehr Menschen einen Vorteil haben - mit Gesundheitsprojekten in Entwicklungsländern können sogar Leben gerettet werden. An Malaria zum Beispiel stirbt dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge alle zwei Minuten ein Kind unter fünf Jahren. Als effektiver Schutz vor einer Infektion gelten Moskitonetze. Eine Spende von vier Euro genügt der Organisation, um ein Netz zu kaufen, das vier bis sechs Jahre schützt. Eine Investition von 40 Euro für zehn Netze könnte also im Idealfall für mindestens 40 Jahre vor Malaria schützen. Bei welchem noch so honorigen und effizienten Projekt lässt sich ein ähnlicher Effekt mit einer so geringen Summe in Deutschland bewirken?

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite