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SPD-Kandidat:Die Sache mit der Verantwortung

Interessieren dürften ihn solche und ähnliche Vorbehalte wenig. Dafür ist er zu sehr von sich überzeugt. Er will seinen Wahlkampf nicht "überheblich, aber selbstbewusst" führen, sagt er selbst. Gemurmel unter den Journalisten. Was Steinbrück unter selbstbewusst versteht, das grenzt eben manchmal an Überheblichkeit.

SPD-Parteivorstandssitzung

Der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, Peer Steinbrück (links), und der Vorsitzende der Partei, Sigmar Gabriel in Berlin: Vom Herzschlag der Partei und Rechtfertigungen vor Journalisten.

(Foto: dpa)

"Können Sie sich einen Kanzlerkandidaten der SPD vorstellen, der nicht die Macht will?", fragt er da ins Rund. "Ja, Rudolf Scharping", frotzelt einer. Für einen Moment scheint Steinbrück doch etwas überrascht. Er fängt sich schnell. "Da erleben Sie jetzt einen gewissen Wandel in der Kandidatenaufstellung der SPD." Scharping in Schutz zu nehmen, das fällt ihm nicht ein.

Er will noch etwas sagen zu den bezahlten Aufsichtsratsposten und Vorträgen, mit denen er ganz gut Geld verdient hat in der vergangenen Jahren. In zwei Aufsichtsräten sitze er, ein Mandat werde er sofort abgeben, das bei ThyssenKrupp. Das andere behalte er, nämlich das bei Borussia Dortmund. Und die Vorträge bei Banken und Versicherungen? Er werde keine bezahlten Reden mehr halten. Wer übrigens glaube, er habe bei solchen Gelegenheiten anstelle seiner Überzeugungen "die Logik der Banken übernommen", der irre gewaltig. Sein jüngst vorgestelltes Bankenpapier lässt daran tatsächlich keine Zweifel aufkommen.

Trotzdem wird er gefragt, ob es grundsätzlich eine gute Idee sei, wenn sich Abgeordnete für Vorträge bezahlen ließen. Steinbrück wirkt genervt. Bei solchen Veranstaltungen gebe es auch Journalisten, die Honorare bekämen, raunzt er zurück. Gabriel funkt mühsam heiter dazwischen, dass für Journalistenbeschimpfungen immer noch er zuständig sei.

Gabriel reagiert bissig

Dazu hat Gabriel jetzt ausgiebig Gelegenheit. Es geht um den Vorwurf der Lüge. Am 23. September hat Gabriel in der ARD gesagt, es gebe keine Vorfestlegung auf einen Kandidaten. Das war ein hartes Dementi einer sehr gut recherchierten Geschichte im Magazin Cicero. Zu dem Zeitpunkt war Gabriel - wie auch offenbar dem Cicero - längst bekannt, dass Fraktionschef Steinmeier nicht antreten will. Und er selbst wollte auch längst nicht mehr.

Drei minus zwei ergibt Steinbrück - an sich eine einfache Rechnung. Wenn das keine Vorfestlegung ist. Jetzt redet sich Gabriel heraus, er habe aus Verantwortung gegenüber der Partei immer auch sehr bewusst von möglichen Kandidatinnen gesprochen. Als wenn es je ernsthaft eine solche Kandidatin gegeben hätte.

Auf Fragen reagiert er bissig: "Sie sind nicht diejenigen, vor denen ich mich zu rechtfertigen habe", blafft er. "Ich habe Verantwortung gegenüber meiner Partei, nicht gegenüber einzelnen Journalisten."

© Süddeutsche.de/joku/rus
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