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SPD:Jetzt muss sich Gabriel die K-Frage stellen

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Martin Schulz kommt nach Berlin, doch die K-Frage bleibt ungeklärt. SPD-Chef Sigmar Gabriel (links) hat Martin Schulz' Wechselpläne zunächst begrüßt.

(Foto: imago/foto2press)

Wird Martin Schulz Außenminister? Oder sogar Kanzlerkandidat? In der SPD sind sie sich einig: Jetzt kommt es vor allem auf Sigmar Gabriel an.

Ob sich die beiden abgesprochen haben? Wohl kaum, doch was Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Donnerstagmorgen abliefern, bringt die personelle Lage der SPD ziemlich hübsch auf den Punkt. Während Schulz in Brüssel seinen bevorstehenden Abschied aus der Europapolitik erklärt und damit bestätigt, was in der Nacht zuvor bekannt geworden ist, steht Sigmar Gabriel im Bundestag am Rednerpult. Und beide zeigen noch mal, was sie so draufhaben.

Schulz erklärt für die Kameras, dass er im nächsten Jahr zur Bundestagswahl antreten werde, auf Platz eins der nordrhein-westfälischen Landesliste - dabei spricht er in drei Sprachen, auf Deutsch, Englisch und Französisch. Seht her, so lautet das Signal, das der Präsident des Europäischen Parlaments mit diesem Auftritt aussendet, hier kommt kein künftiger Hinterbänkler nach Berlin, sondern einer, der sich auskennt in der Welt. Und der sich schon deshalb nicht brav hinten anstellen wird.

Zur gleichen Zeit spricht der Vizekanzler und Wirtschaftsminister in der Haushaltsdebatte des Bundestags zum Einzelplan seines Ministeriums - und zeigt sich auf jeden Zwischenruf der Opposition hin so angriffslustig und schlagfertig, wie man das von ihm gewohnt ist. Gabriel, das strahlt sein Auftritt aus, ist hier immer noch der Chef im Ring. Wenn er will.

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Das ist jetzt die Lage bei den Sozialdemokraten, kurz nachdem Angela Merkel erklärt hat, bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr erneut zu kandidieren: Parteichef Gabriel, gestärkt durch seine Erfolge der vergangenen Wochen, könnte jederzeit nach der Kanzlerkandidatur greifen. Für den Fall, dass er nicht zugreift, steht Schulz bereit. Und am Rand lauert weiter Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der in seiner Karriere schon häufiger durch ruhiges Abwarten ans Ziel gekommen ist. Im Grunde genommen ist dies die gleiche Ausgangslage wie vor Schulz' Erklärung. Und doch hat sich einiges verschoben.

Schulz war in der SPD lange Zeit so etwas wie eine angenehme Fantasie. Diejenigen, die Gabriel skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, konnten sich stets mit dem Gedanken behelfen, dass es da ja noch den Martin gebe. Allzu konkret aber wurde das letztlich nie, weil immer klar war, dass erst Schulz' Zukunft in Brüssel geklärt sein müsste - also die Frage, ob die Christdemokraten im Europäischen Parlament ihn entgegen der bisherigen Absprache weiter als Präsidenten des Hauses mittragen würden. Die Frage, ob Schulz wirklich Brüssel verlassen und damit den entscheidenden Teil seines politischen Lebenswerks hinter sich lassen würde, war offen. Nun ist sie geklärt. Und damit ist ein Kanzlerkandidat Schulz plötzlich eine sehr reale Option.

Obendrein hat Schulz es zumindest für den ersten Augenblick geschafft, dass sein Wechsel in die Bundespolitik wie ein freier Entschluss aus einer Position der Stärke heraus wirkt. Statt als abgemeierter Europapolitiker dazustehen, der in Berlin ein neues Auskommen sucht, erklärt er selbstbewusst seinen (zuvor mit den Spitzen der Landespartei abgesprochenen) Anspruch auf den ersten Listenplatz.

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