Landtagswahlen SPD holt in Niedersachsen auf

Martin Schulz im niedersächsischen Wahlkampf in Cuxhafen: "Wir haben gekämpft wie die Löwen"

(Foto: dpa)
  • SPD-Chef Schulz mischt beim Wahlkampf in Niedersachsen mit.
  • SPD und Union laut letzter Umfrage fast gleichauf.
  • Für Rot-Grün wird es allerdings wohl nicht mehr reichen.
Von Peter Burghardt, Cuxhaven

Im Foyer wurden Postkarten mit Willy Brandt darauf verteilt, als Martin Schulz am Mittwochabend in den Wahlkampf zurückkehrte. Am 8. Oktober steht der 25. Todestag des ewigen Helden der SPD an, da gibt es für Einsender einen Sonderstempel. Martin Schulz ist zwar nicht Bundeskanzler geworden, so wie einst Willy Brandt, doch als Parteichef ist er sein Nachfolger.

Als solcher trat Schulz in der Kugelbake-Halle in Cuxhaven auf die Bühne, draußen tobten Regen und Wind. Es ist ja recht stürmisch geworden um den Rheinländer Schulz nach der Abfuhr kürzlich bei der Bundestagswahl und den drei Niederlagen bei Landtagswahlen zuvor.

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Martin Schulz soll erstmal Parteichef bleiben - zumindest für den Übergang. Doch wenn der Ex-Kanzlerkandidat schon in den entscheidenden Monaten nicht überzeugte, ist das auch dafür zu wenig, kommentiert SZ-Autor Christoph Hickmann.

Vor der nächsten Landtagswahl am 15. Oktober in Niedersachsen trat Brandts aktueller Erbe nun also auf, um dem SPD-Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten Stephan Weil zu helfen - und sich selbst. Es wird höchstwahrscheinlich knapp werden, doch laut der jüngsten Umfrage scheint die ansonsten so schwer gebeutelte SPD aufgeholt und wieder zur CDU aufgeschlossen zu haben.

"Das tut einem gut in schwierigen Zeiten"

Nur zweimal soll Schulz an der Seite von Weil sprechen, sein Herausforderer Bernd Althusmann von der CDU hat fünf Termine mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dies war nun Schulz' erster Auftritt seit dem Debakel vom 24. September, in dem Saal wurde er von ein paar Hundert Gästen mit kräftigem Applaus empfangen. "Vielen Dank für die Zeichen der Solidarität", erwiderte der Beklatschte. "Das tut einem gut in schwierigen Zeiten. Das waren schwierige eineinhalb Wochen für die SPD."

Das kann man so sagen. "Wir haben gekämpft wie die Löwen", sprach Schulz, alles habe er gegeben, "ein Stück mehr als normal". Selten habe er die SPD so entschlossen gesehen.

Fragt sich, wie geschlossen diese SPD ist, über ihren Vorsitzenden Schulz wird seit dem Absturz reichlich debattiert. Kein Wort von ihm dazu, nur so viel: Nicht verbiegen lassen dürfe man sich, "damit uns die Leute abnehmen, dass wir mit dem Bauch und dem Herzen bei ihnen sind."

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CDU, FDP und Grüne sollten sich ruhig über eine Koalition unterhalten, so Schulz, "unsere Rolle ist die Opposition." Eine starke Opposition gegen die Regierung, sagt der Sozialdemokrat, "das ist die staatspolitische Aufgabe, die wir annehmen wollen." Die Konfrontation zwischen demokratischer Linker und Rechter sei das Salz in der Suppe im Parlament.

So ähnlich hatte er das zuletzt bereits gesagt, wenn auch vor seiner kleinen nichtöffentlichen Verschnaufpause deutlich schlechter gelaunt und erschöpfter als bei diesem kurzen Comeback in Cuxhaven.

Neu ist, dass die Kurve der SPD seit einigen Tagen zumindest in Niedersachsen wieder ansteigt. Eine "Ermunterung" nannte Schulz das. Und Stephan Weil hatte eine Idee: "Verloren haben wir zusammen. Jetzt lass' uns gemeinsam gewinnen." Nach dem 15. Oktober wird man mehr wissen, auch über Martin Schulz.

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