Smart Home:Nutzlos wie ein Ziegelstein

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Smart Home: Das Smart Home hat sich bislang noch nicht richtig durchgesetzt. Jetzt setzen die Anbieter auf ein neues Argument: Es kann Energie gespart werden.

Das Smart Home hat sich bislang noch nicht richtig durchgesetzt. Jetzt setzen die Anbieter auf ein neues Argument: Es kann Energie gespart werden.

(Foto: Uwe Umstätter/imago images/Westend61)

Das vernetzte, intelligente Heim ist nach wie vor kein Renner - woran die Industrie auch selbst schuld ist.

Von Helmut Martin-Jung

Es funktionierte doch alles so gut. Der nachträglich eingebaute Sensor eines US-Herstellers zeigte verlässlich an, wann die Wäsche im Trockner bereit war für den Schrank - genauer als der Trockner selbst, und er meldete den Stand der Dinge auch an eine App auf dem Smartphone. Doch dann das: Die Firma kündigt plötzlich an, dass das Produkt demnächst nicht mehr unterstützt und der Server abgeschaltet werde. Und weil der Sensor nur online funktioniert, über die Cloud, wird mit der Wolke auch die Funktion weg sein und das Ding nutzlos wie ein Ziegelstein - weshalb man im Englischen auch von bricked spricht, zum Ziegelstein gemacht. Nicht nur kleinere Firmen verfahren mitunter so, auch große wie der von Google übernommene Smart-Home-Spezialist Nest. 2016 machte das Unternehmen Geräte des von ihm aufgekauften Herstellers Revolv zu Ziegelsteinen.

Vielleicht liegt es auch an solchen Entscheidungen, dass es mit dem Smart Home nicht so vorangeht, wie die Industrie das gerne hätte. Seit Jahren trommeln die Elektronikkonzerne unaufhörlich dafür, so auch auf der Ifa, die an diesem Freitag in Berlin ihre Pforten öffnet. Sicherer soll das Smart Home sein und bequemer. Sensoren haben alles unter Kontrolle, Kameras erkennen die Hausbewohner, und Roboterstaubsauger kümmern sich selbsttätig um die Wollmäuse unterm Sofa. Zwar geht die Tendenz schon nach oben, so lassen sich laut einer an diesem Donnerstag präsentierten Umfrage des Digitalverbandes Bitkom bereits 22 Prozent der Deutschen von einem autonomen Staubsauger helfen. Aber nur magere vier Prozent nutzen darüber hinaus die Vernetzungsfunktionen von Haushaltsgeräten wie etwa Waschmaschinen.

Nun aber stellen die Hersteller und mit ihnen der Verband ein neues Argument in den Vordergrund: Die Smart-Home-Geräte sollen helfen, Energie zu sparen. Bei schaltbaren Steckdosen oder programmierbaren Heizkörper-Thermostaten für 20 Euro das Stück geht es los und endet bei teuren Systemen fürs ganze Haus. US-Präsident Joe Biden und die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, warben gar dafür, in der EU bis zum Winter 1,5 Millionen intelligente Thermostate an die Heizkörper zu schrauben.

Doch was brächte das? Unbestritten ist zwar, dass der Gebäudesektor einer der größten Energieverbraucher ist. Die Thermostate, meist batteriebetrieben, nützen aber hauptsächlich dann etwas, wenn sie mit einem Fenstersensor verknüpft sind. Der meldet es dem Thermostat, wenn man vergessen hat, das Fenster zu schließen. Mehr bringt es aber nach Einschätzung von Experten, die Vorlauftemperatur der Heizung um zwei Grad abzusenken.

Noch sind viele Deutsche auch eher skeptisch, was das schlaue Heim angeht. Der Bitkom-Umfrage zufolge fürchten sie besonders Hacker-Angriffe und Datenklau, ein knappes Drittel hält die Technik für zu kompliziert. Was auch daran liegt, dass bis dato viele Hersteller ihr je eigenes Süppchen kochen. Dieses Argument könnte immerhin bald wegfallen, denn bei der Zusammenarbeit der verschiedenen Gerätschaften will es die Industrie künftig besser machen. Dafür haben sich die Großen der Branche zusammengerauft, von Apple, Amazon und Google bis Ikea und Samsung.

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