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CDU:Wolfgang Schäuble will 2021 erneut kandidieren

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble im Deutschen Bundestag

Schäuble wird im Falle seiner Wiederwahl wohl auch in der nächsten Legislaturperiode Bundestagspräsident.

(Foto: dpa)

Der Bundestagspräsident will "in Zeiten vielfältigen Umbruchs einen stabilisierenden Beitrag leisten" - und deshalb weitermachen. Er sitzt bereits seit 1972 im Parlament.

Von Robert Roßmann, Berlin

Er hat lange darüber nachgedacht, aber jetzt hat er sich entschieden: Wolfgang Schäuble will noch einmal für den Bundestag kandidieren. Der Bundestagspräsident wird am Freitag 78 Jahre alt, er ist schon jetzt mit großem Vorsprung der dienstälteste Abgeordnete der deutschen Parlamentsgeschichte. Seit 1972 sitzt er ununterbrochen im Bundestag, jetzt dürften vier weitere Jahre dazukommen.

"Ich habe mir die Entscheidung, auch im Hinblick auf mein Alter, nicht leicht gemacht, denke aber, dass ich mit meinen Erfahrungen in diesen Zeiten vielfältigen Umbruchs einen stabilisierenden Beitrag leisten kann", erklärte Schäuble am Mittwoch. Er will deshalb erneut als Direktkandidat im Wahlkreis Offenburg antreten.

Der Termin für die Nominierungsversammlung steht zwar noch nicht fest. Und theoretisch können die Delegierten natürlich auch jemand anderen wählen. Doch dazu dürfte es nicht kommen. Der örtliche CDU-Kreisvorsitzende begrüßte Schäubles Ankündigung jedenfalls umgehend - er sprach davon, dass der Bundestagspräsident "für die Union bundesweit und im Wahlkreis ein Zugpferd" sei. Und weil der Wahlkreis Offenburg schon seit 1949 fest in den Händen der CDU ist - das letzte Mal gewann Schäuble ihn mit 30 Prozentpunkten Vorsprung - steht seiner Wiederwahl nichts mehr entgegen.

Fünf Bundestagsabgeordnete sind älter als Schäuble

Damit hat Schäuble gute Chancen, auch Präsident des nächsten Bundestags zu werden. Den Posten darf traditionell die größte Fraktion besetzen, die Union steht in den Umfragen weit vor der Konkurrenz, und es dürfte in der CDU nur schwer vermittelbar sein, einen amtierenden Präsidenten aus dem Amt zu entfernen - erst recht, wenn er eine politische Biografie wie Schäuble hat. Der Bundestagspräsident war bereits Minister unter Bundeskanzler Helmut Kohl. Er war CDU-Chef und Vorsitzender der Unionsfraktion. Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel war er Innen- und Finanzminister. Und 1990 hat er maßgeblich den deutschen Einigungsvertrag ausgehandelt.

Schäuble ist aber immer noch nicht der älteste Abgeordnete im Bundestag. In dieser Rangliste liegen vier Parlamentarier der AfD - unter ihnen Fraktionschef Alexander Gauland - sowie der frühere Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms (FDP) vor ihm.

© SZ vom 17.09.2020/bix
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