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Heiko Maas im Interview:"Wir fangen mit dem Sparen oben an"

Es ist seine letzte Chance: Heiko Maas will im dritten Versuch endlich Ministerpräsident des Saarlandes werden. Im SZ-Interview spricht der Spitzenkandidat der SPD über sein schwieriges Verhältnis zu Oskar Lafontaine, erklärt, warum er eine große Koalition will und trotzdem die Union kritisiert - und was er den Piraten zutraut.

Heiko Maas, 45, steht der wichtigste Tag in seiner Karriere bevor: Am kommenden Sonntag entscheidet sich, ob er im Saarland regieren wird. Der Jurist ist seit 2000 Vorsitzender der Saar-SPD und bereits zum dritten Mal Spitzenkandidat. Die Wahl gilt als seine letzte Chance, Ministerpräsident zu werden.

SZ: Herr Maas, erinnern Sie sich, wie Sie vom Bruch der Jamaika-Koalition im Saarland erfahren haben?

Heiko Maas: Ich saß mit Mitarbeitern im Büro, als mich die Nachricht erreichte. Ich hatte mich etwas legerer angezogen an diesem Tag und musste dann recht schnell nach Hause, um das zu ändern. Es war ja klar, dass ein Pressekonferenz-Marathon folgen würde.

SZ: Waren Sie überrascht?

Maas: Der Zeitpunkt an sich war überraschend, das Ergebnis selbst nicht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Jamaika enden musste. Wir waren davon ausgegangen, dass es einige Tage später krachen würde, wenn sich die Regierungsfraktionen im Koalitionsausschuss begegnet wären.

SZ: Sie treten zum dritten Mal als Spitzenkandidat an. Es ist vermutlich Ihre letzte Chance, Ministerpräsident zu werden. Spüren Sie einen besonderen Druck?

Maas: Es ist diesmal vor allem ein besonders guter Wahlkampf. Ich habe ja den Vergleich aus zwei vorherigen und kann sagen, dass ich noch keinen erlebt habe, in dem die Mobilisierung in und um die SPD herum so hoch gewesen ist.

SZ: Sie haben sich auf eine große Koalition festgelegt. Ist das auch eine persönliche Konsequenz aus den gescheiterten Versuchen 2004 und 2009?

Maas: Nein, das ist die Konsequenz aus dem, was in der Sache möglich ist und was nicht. Wer im Saarland regiert, steht vor der enorm großen Herausforderung, in einem Land mit extremer Haushaltnotlage die Schuldenbremse einzuhalten. Das macht viele unangenehme Maßnahmen notwendig. Die sind nur mit Partnern möglich, die sich dieser Herausforderung nicht verweigern. Genau das tun aber die Linken, die sagen, man könne weiter Schulden machen. Das betrachte ich nicht als eine Basis, auf der man gemeinsam vernünftige Politik machen kann.

SZ: "Sparen, aber gerecht", ist Ihr Motto. Wie soll das gehen?

Maas: Die Jamaika-Koalition hat Regierung und Apparate aufgeblasen. Mit zwei Ministern mehr, inklusive zwei Staatssekretären in den Ministerien. Gleichzeitig hat die Koalition den Leuten erzählt, sie müssten jetzt alle sparen. So funktioniert das nicht. Deshalb werden wir beim Sparen oben anfangen: Wir werden mit weniger Ministern auskommen und ihre Versorgung überprüfen. Es wird keine Doppelbesetzung von Staatssekretären mehr geben. Auch muss man in einem Land, in dem 2030 laut Prognosen nur noch 800.000 Einwohner leben, mit einem schlankeren und effizienteren öffentlichen Dienst auskommen.