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Russland und Polen:Putin macht den Polen Angst

Am Jahrestag des Flugzeugabsturzes von Smolensk müht sich Russlands Präsident Medwedjew weiter um bessere Beziehungen zu Polen. Doch Premier Putin bleibt eine negative Figur, und die rechte Opposition in Polen warnt vor einem "Vasallenstaat".

Thomas Urban, Warschau

Genau ein Jahr und einen Tag nach dem Tod seines Vorgängers Lech Kaczynski beim Flugzeugunglück von Smolensk trifft der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski am Montag an der Absturzstelle mit seinem russsichen Amtskollegen Dmitrij Medwedjew zusammen.

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Seltene Geste der Solidarität: Russlands Premierminister Wladimir Putin spricht seinem polnischen Amtskollegen Donald Tusk nach der Tragödie von Smolensk an der Absturzstelle sein Beileid aus. Wenige Tage vorher hatte Putin am 70. Jahrestag des Massakers von Katyn mit seiner Rede Polens Presse gegen sich aufgebracht.

(Foto: AFP)

Von Smolensk aus fahren beide Staatschefs gemeinsam zur Gedenkstätte von Katyn, wo 1940 mehr als 4000 polnische Offiziere und Intellektuelle auf Befehl des Kremls erschossen wurden. Es ist das erste Mal, dass die Staatsoberhäupter beider Ländern an diesem Ort zusammentreffen, der jahrzehntelang beide Gesellschaften voneinander getrennt hatten. Denn Katyn war der verlogene Gründungsmythos der von Moskau abhängigen Volksrepublik Polen, verlogen, weil das Verbrechen von der sowjetischen Führung wider besseres Wissen stets den Deutschen angelastet wurde.

Es ist kein Zufall, dass in den Tagen vor den Gedenkfeiern aus Moskau per Diplomatengepäck mehrere tausend weiterer Kopien aus den sowjetischen Akten zu Katyn eingetroffen sind. An der Weichsel wurde die Sendung als Zeichen des guten Willens bewertet, Medwedjew möchte ganz offenbar die Spannungen überwinden, die die schlechte Zusammenarbeit der Behörden beider Länder bei der Aufklärung des Flugzeugunglücks von Smolensk hervorgerufen hat.

Der russische Präsident knüpft damit an seinen Staatsbesuch in Warschau im Dezember an, der von den polnischen Medien fast durchweg sehr positiv bewertet wurde. Dies liegt zweifellos nicht nur am Inhalt der dabei getroffenen Vereinbarungen, sondern auch an der verbindlichen Art Medwedjews. Dagegen ist Premierminister Wladimir Putin für die überwältigende Mehrheit der Polen weiterhin eine negative Figur, vor deren Absichten und Politik die Nation sich fürchten sollte.

An dem neuen polnisch-russischen Tauwetter möchte allerdings die national-konservative Opposition um den früheren Premierminister Jaroslaw Kaczynski nicht teilhaben. Kaczynski hat dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk wiederholt vorgeworfen, Polen wieder zu einem "russisch-deutschen Vasallenstaat" zu machen. Während Kaczynskis Regierungszeit waren 2006/07 die politischen Beziehungen zwischen Warschau und Moskau nahezu eingefroren; seinen Bruder Lech hatte seine erste Reise in das Nachbarland keineswegs nach Moskau geführt, wie es dem diplomatischen Comment entsprochen hätte, sondern nach Katyn.

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