Russland und der Ukraine-Konflikt Zarte Lockrufe aus Davos

Moskau und Kiew wollen gar keine Beruhigung der Lage in der Ostukraine. Deutschland hat deshalb als Vermittler schlechte Argumente. Das könnte sich ändern, wenn Russland den Versuchungen einer ökonomischen Kooperation erliegt.

Kommentar von Stefan Kornelius

Da das erste Opfer in einem Krieg bekanntlich die Wahrheit ist, glaubt so gut wie keiner mehr den Versprechungen und Verlautbarungen, die seit einem Jahr aus Moskau kommen. Dass inzwischen auch die ukrainische Regierung einen gewaltigen Sicherheitsabstand zwischen Worte und Taten legt, macht die Sache nicht einfacher.

Präsident Poroschenko mobilisiert Männer und sein Vokabular und verspricht, jeden Flecken des Landes zurückzuholen. Russland lässt zu, dass Freischärler und Panzer gen Westen rollen. Warum sollte man nun also den Außenministern der Länder trauen, wenn sie einen Rückzug schwerer Waffen vereinbaren?

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Ein Signal an Russland: Nach Wirtschaftsminister Gabriel zeigt sich auch Kanzlerin Merkel bereit, mit Putin über einen gemeinsamen Handelsraum zu sprechen - falls der Ukraine-Konflikt gelöst wird.   Von Bastian Brinkmann, Davos

Die Antwort ist: Weil es keine andere Option gibt. Gebetsmühlenartig versucht Deutschland als Vermittler die beiden Parteien zur Raison zu bringen, aber die andere Wahrheit ist auch: Weder Russland noch die Ukraine hat ein Interesse an einer Beruhigung, beide zerstören lieber die Glaubwürdigkeit des Vermittlers Deutschland, der außer warmen Worten momentan wenig zu bieten hat.

Das könnte sich freilich ändern, wenn Wladimir Putin den Verlockungen einer neuen ökonomischen Kooperation erliegt und den zarten Lockrufen etwa aus Davos lauscht. Aber auch hier gilt: Wer will heute über eine Kooperation mit Russland nachdenken, solange die Waffen des Landes im Donbass aufkreuzen? Der Weg zurück zur Wahrheit ist lang und mühsam.