bedeckt München 19°

Russland-Affäre:Trumps Anwälte knüpfen Bedingungen an eine Aussage

Trump behauptet, die Republikaner im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses hätten festgestellt, dass es keine Kollaboration zwischen seiner Kampagne und den Russen gegeben habe. Was ist damit?

Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Republikaner haben lediglich festgestellt, sie hätten keine Beweise für eine solche Zusammenarbeit finden können. Die Demokraten lehnen solche Festlegungen als für deutlich zu früh ab.

Trumps Anwälte haben jetzt neue Dokumente an das Mueller-Team übergeben, in denen es um die Entlassung von FBI-Chef Comey gehen soll. Was versprechen sie sich davon?

Offenbar zeigen sich zumindest die Anwälte von Trump gegenüber Mueller so kooperativ, wie es nur geht, um vor allem eines zu verhindern: dass Trump in einer langen Befragung Mueller gegenübersitzen muss. Angeblich sind den Anwälten die Schwächen Trumps nur zu klar: Er lässt sich leicht provozieren und sagt oft Dinge, die - vorsichtig ausgedrückt - missverstanden werden können. Mit anderen Worten: Seine Juristen wollen vermeiden, dass sich ihr Chef in so einem Treffen versehentlich selbst belastet. Je mehr Akten sie Mueller bereitstellen, desto weniger Fragen dürften offen bleiben, lautet das Kalkül.

Wird denn Trump vor Mueller aussagen?

Schwer zu sagen. Trump selbst tut so, als könne er es gar nicht erwarten. Seine Anwälte sind da deutlich vorsichtiger. Sie knüpfen angeblich Bedingungen an so ein Treffen. Etwa, dass Mueller nach einer Befragung von Trump die Ermittlungen innerhalb von 60 Tagen einstellt. Das scheint inzwischen eines der wichtigsten Ziele der Trump-Anwälte und wohl auch von ihm selbst zu sein: dem Ganzen ein schnelles Ende setzen.

Am Samstag erst hat sich Trump-Anwalt John Dowd die Blöße gegeben, dies öffentlich zuzugestehen. In einem Interview mit CNN sagt er, er "bete", dass der stellvertretende Justizminister Rosenstein den Russland-Ermittlungen bald ein Ende setze. So wie am Tag zuvor Justizminister Sessions den stellvertretenden FBI-Chef McCabe gefeuert habe. Das sei "brillant und mutig" gewesen. Zunächst hatte Dowd gesagt, er spreche auch im Namen des Präsidenten. Später nahm er das zurück.

Die Angriffe von Trump und seinen Anwälten richten sich vor allem gegen sein eigenes Justizministerium. Wie passt das zusammen?

Das Wichtigste für Trump ist absolute Loyalität. Justizminister Sessions dürfte in dieser Hinsicht eine einzige Enttäuschung sein. Sessions hätte Trump eigentlich vor dem FBI und einem etwaigen Sonderermittler frühzeitig schützen sollen. Sessions aber hat sich im vergangenen Frühjahr selbst unangenehme Fragen wegen seiner Kontakte zu russischen Regierungsvertretern gefallen lassen müssen. Schließlich zog er sich aus der Aufsicht über die Ermittlungen zurück und überließ alles seinem frisch installierten Stellvertreter Rod Rosenstein.

Als es Trump aber Ende April 2017 einfiel, FBI-Chef Comey zu feuern, benutzten er und Sessions ein von Rosenstein erstelltes Memorandum über Comey, um auf dieser Grundlage dessen Entlassung durchzuziehen. Die Vermutung liegt nahe, dass Rosenstein damit nicht einverstanden gewesen sein kann.

Trump hatte wohl nicht damit gerechnet, dass dieser danach mit dem Ex-FBI-Chef Robert Mueller einen der härtesten Ermittler für den Posten des Sonderermittlers gewinnen konnte. Mueller gilt als hochgradig zielgerichtet und unerbittlich.

Trump müsste schon Sessions feuern und dann Rosenstein gleich mit, um mehr Kontrolle über das Justizministerium zu bekommen. Sessions aber ist wegen seines harten Anti-Migranten-Kurses nahezu unantastbar. Trumps rechte Wählerbasis würde so einen Schritt nicht verstehen. Zumal dann nicht, wenn stimmt, was der Präsident über sich sagt: dass er selbst völlig unschuldig ist.

Wenn Trump unschuldig ist, warum dann überhaupt dieses Herumgeeiere?

Das kommt sogar manchen Republikanern verdächtig vorsichtig vor. Trey Gowdy, Abgeordneter aus South Carolina, appellierte etwa auf Fox News an die Trump-Anwälte: "Wenn Ihr Mandant unschuldig ist, dann sollten Sie sich auch so verhalten!" Und an den Präsidenten gerichtet sagte er: "Wenn Sie nichts falsch gemacht haben, dann sollten Sie dafür sein, dass die Ermittlungen so umfassend und gründlich wie irgend möglich weitergehen."

© SZ.de/fued/mati

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite