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Regierungsbildung in Österreich:Kanzlermacher Strache

Mit Kurz und den Konservativen? Oder doch mit den Sozialdemokraten? Der FPÖ-Chef sieht sich auf dem Sprung ins österreichische Innenministerium.

Partystimmung herrscht bei der FPÖ, der Jubel auf der mit Österreich-Fahnen dekorierten Wahlfeier ist groß. Der FPÖ-Vize und frühere Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer grinst breit, nachdem die ersten Hochrechnungen bekannt gegeben werden. Sie zeigen einen deutlichen Zuwachs für die Rechtspopulisten: "Ich glaube, dass der Gewinner heute die Demokratie ist", sagt Hofer. Nur unter dem früheren Parteichef Jörg Haider waren sie erfolgreicher: 1999 erhielten sie 26,9 Prozent. Diesmal sind es 26 Prozent. Parteichef Heinz-Christian Strache kann nun den Kanzlermacher spielen. Er ist sichtlich zufrieden: "Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wir haben die Themenführerschaft."

Weder ÖVP noch SPÖ haben eine Koalition mit ihm ausgeschlossen. Es wäre seine erste Regierungsbeteiligung. Strache hat klargemacht, dass er diesmal einer Regierung angehören möchte. Im Wahlkampf sagte er der Süddeutschen Zeitung: "Man kann uns verzögern, aber nicht aufhalten."

Der 48-jährige Strache ist seit zwölf Jahren Chef der FPÖ und kann eine Vergangenheit in der Neonazi-Szene vorweisen, die im Wahlkampf aber überhaupt kein Thema war. Er präsentierte sich vielmehr über weite Strecken von seiner sanften Seite, gab sich staatstragend. Um im Becken der Sozialdemokraten erfolgreich Wähler zu fischen, stilisierte sich Strache aber auch als Verteidiger des "kleinen Mannes". Das Motto der Kampagne war "Fairness". Erst im Endspurt setzte er wieder auf die bekannten Themen Islam und Einwanderung.

Heinz-Christian Strache Die Akte Strache
FPÖ-Chef und Neonazi-Szene

Die Akte Strache

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war als junger Mann in der Neonazi-Szene unterwegs. Wie tief steckte er wirklich drin? Eine Rekonstruktion.

Jahrelang hatte Strache auch deshalb punkten können, weil er jünger und "fescher" als seine politischen Rivalen wahrgenommen wurde. Diese Rolle hat er nun an ÖVP-Chef Sebastian Kurz verloren, seinen möglichen künftigen Regierungspartner. Ein Vizekanzler Strache hätte nahezu ebenso viel Macht wie der Regierungschef, egal ob der nun von der ÖVP oder von der SPÖ gestellt wird. Denn in Österreich gibt es keine Richtlinienkompetenz des Kanzlers, was das Regieren der Vorgänger-Koalitionen deutlich erschwert hat.

Dass er gerne Innenminister werden würde und Norbert Hofer auf die Position des Außenministers hieven möchte, ist bekannt. Verhindern könnte einen Innenminister Strache noch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Der frühere Grünen-Chef hatte vor Amtsantritt gesagt, er würde einen Kanzler Strache nicht akzeptieren, später schwächte Van der Bellen seine Aussage ab. Am Wahlabend betonte Van der Bellen das "Recht des Bundespräsidenten", einzelne Personen als Minister abzulehnen, hielt sich aber mit weiteren Aussagen zurück.

Strache hatte sich auch im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung zuversichtlich gezeigt, dass Van der Bellen seine Berufung annehmen würde. "Wenn der Bundespräsident demokratisch gewählte Personen einfach so ablehnt, stellt er sich selbst außerhalb des Verfassungsrahmens."