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Rede bei Vereinten Nationen:Trump droht Nordkorea mit vollständiger Zerstörung

  • In seiner ersten Rede vor der UN-Vollversammlung fordert US-Präsident Trump ein kompromissloses Vorgehen gegen Nordkorea und Iran.
  • Dem Regime in Pjöngjang droht er mit völliger Vernichtung.
  • UN-Generalsekretär António Guterres warnte hingegen in seiner Eröffnungsrede vor "Wutreden". Diese könnten zu "tödlichen Missverständnissen" führen.

Von Thorsten Denkler, New York

In seiner ersten Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York hat US-Präsident Donald Trump sich mit ungewöhnlich scharfen Worten zu Konflikten in der Welt geäußert. Die USA stünden bereit, Nordkorea "vollständig zu zerstören", sagte er. "Die USA sind bereit, willens und fähig - aber hoffentlich wird es nicht notwendig sein", sagte er.

Trump nannte Regimeführer Kim Jong-un in seiner Rede nur den "Rocket Man", den Raketenmann. Der habe sich seinen möglicherweise bevorstehenden Untergang selbst zuzuschreiben. Nordkorea hat in den vergangenen Monaten mehr als ein Dutzend Raketentests vorgenommen. Und zuletzt angeblich eine Wasserstoffbombe gezündet.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte wiederholt Sanktionen gegen Nordkorea ausgesprochen. Zuletzt die schärfsten, die je gegen das Land verhängt wurden. Trump dankte Staaten wie Russland und China, die als ständige Mitglieder des Sicherheitsrates die Sanktionen unterstützt haben. Das sei aber nicht genug, sagte Trump. Jetzt müsste mehr getan werden. Die Staaten würden sich zu "Randfiguren der Geschichte" machen, wenn sie nicht gegen diese Bedrohung vorgingen.

Als weitere Gefahr für die Welt machte Trump Iran aus. Dessen einziges Exportgut sei Gewalt. Die Vereinten Nationen könnten dem "Mörderregime" in Teheran nicht erlauben, so weiterzumachen wie bisher. Wie schon zuvor verurteilte Trump das Atomabkommen mit Iran scharf, das unter seinem Vorgänger Barack Obama getroffen worden war. Das Abkommen sei beschämend für die USA. Der Vollversammlung versprach er, dass dies nicht das Letzte gewesen sei, was sie von ihm dazu gehört hätten. "Glauben Sie mir."

Trump legte in seiner Rede überdies dar, wie er sich die Rolle der USA in den Vereinten Nationen und die Zusammenarbeit mit den anderen Staaten künftig vorstelle. Der Erfolg der UN basiere auf einer "Koalition starker und unabhängiger Nationen". Die USA beabsichtigten nicht, ihre Art zu leben anderen Ländern aufzudrücken.

Im Einklang mit einem seiner wichtigsten Wahlversprechen betonte Trump, dass seine "America first"-Doktrin unvermindert gelte. "Ich werde Amerika immer an die erste Stelle setzen", sagte er, "genau wie Sie ihre Länder an die erste Stelle setzen." Trump forderte die Vereinten Nationen zudem zu umfassenden Reformen auf. Die USA zahlten mit Abstand die höchsten Beiträge an die Organisationen. Es könne nicht sein, dass sie dafür "nichts zurückbekommen".

Am Montag erst hatte Trump die Vereinten Nationen zu Reformen aufgerufen. Das Ziel müsse sein, das verwendete Geld effizienter einzusetzen. Die Investitionen der vergangenen Jahre in mehr Mitarbeiter und ein höheres Budget für die Vereinten Nationen hätten sich "bisher nicht ausgezahlt", sagte er auf einer von den USA organisierten Konferenz. Er lobte dort den neuen UN-Generalsekretär Antonio Guterres für seine Reform-Ansätze. Guterres sei "fantastisch". In früheren Reden hatte Trump die Vereinten Nationen noch als "Club von Schwätzern" bezeichnet.

UN-Generalsekretär Guterres warnt vor Wutreden

Trumps Rede stand in starkem Kontrast zu den versöhnlichen Tönen, die UN-Generalsekretär António Guterres kurz vor dem US-Präsidenten anschlug. Auch er sprach erstmals vor der UN-Vollversammlung. Die Welt sei in großen Schwierigkeiten, sagte er. Sie sei "in Stücke geschlagen" und müsse wieder eine Welt des Friedens werden.

Die Angst vor einem Atomkrieg oder vor dem Klimawandel sei nicht abstrakt. Millionen Menschen seien deshalb auf der Flucht. Etwa um der nuklearen Bedrohung zu entkommen, die von Nordkorea ausgehe. Er verurteilte die jüngsten Raketentests in Nordkorea auf das Schärfste. An den Sicherheitsrat appellierte er, in dieser Frage weiter Einigkeit zu demonstrieren. Und warnte vor einer zu harschen Auseinandersetzung.

"Wutreden können zu tödlichen Missverständnissen führen", sagte Guterres. Trump hatte an Nordkorea unter anderem die Drohung gerichtet, das Land mit "Feuer, Wut und Macht" zu überziehen, sollte es die USA ernsthaft bedrohen. Guterres forderte zudem, den Kampf gegen Terrorismus nicht "nur auf dem Schlachtfeld" zu führen. Sondern auch die Ursachen für Radikalisierung anzugehen. Politische und religiöse Führer in aller Welt müssten sich mit aller Macht gegen jede Form von Hass stellen. Guterres forderte, Flüchtlingen mehr Sicherheit auf ihren gefährlichen Reisen zu gewähren. "Sichere Migration kann nicht einer globalen Elite vorbehalten sein."

Trumps wichtigste Ansprechpartner für eine Lösung des Nordkorea-Konfliktes nehmen nicht an der UN-Vollversammlung teil. Der chinesische Präsident Xi Jinping und der russische Präsident Wladimir Putin haben zuletzt 2015 auf einer UN-Generalversammlung gesprochen. Beide Staaten haben wie die USA einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Mit Jinping hatte Trump am Montag lediglich telefonieren können. In dem Gespräch seien beide Seiten übereingekommen, "maximalen Druck" auf Nordkorea ausüben zu wollen. Eine Floskel, die China und den USA genügend Spielraum für unterschiedliche Sichtweisen gibt.

An einer härteren Haltung gegenüber Iran haben jedoch nur einzelne Staaten wie Israel Interesse. Trumps enger Verbündeter, der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, hatte nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten am Montag das Atom-Abkommen als "schrecklich" bezeichnet. Auf die Frage nach der Zukunft des über Jahre mühsam ausgehandelten Abkommens hatte Trump lediglich geantwortet: "Sie werden es sehr bald sehen, sie werden es sehr bald sehen."

© SZ.de/gal

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