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Ralph Brinkhaus:"Irgendwann ist es zu viel für einen Menschen"

Bundestag

Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von CDU und CSU.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)
  • Der Unionsfraktionschef sagt, Kramp-Karrenbauer hätte innerhalb der CDU "mehr Loyalität verdient gehabt".
  • Wenn man nicht lerne, mit Politikern anständig umzugehen, werde das zum Problem werden, findet Brinkhaus im Interview mit der SZ.
  • Er fordert außerdem ein Mitspracherecht seiner Fraktion bei der Auswahl des nächsten CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus verlangt einen neuen Politikstil und beklagt, dass die CDU nicht loyal genug zu ihrer Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer gestanden habe. Brinkhaus sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, "rational betrachtet" sei es ein Fehler Kramp-Karrenbauers gewesen, ihren Rückzug bereits jetzt bekannt zu geben. Ihr Nachfolger werde deshalb bis zur Bundestagswahl 2021 sehr lange im Fokus der politischen Konkurrenz stehen. "Aber wir unterschätzen oft, dass Politiker auch Menschen sind - und dass man manchmal für sich persönlich einen Punkt erreicht, an dem man sagt, es geht nicht mehr." Das habe man auch bei Andrea Nahles und deren Rücktritt vom SPD-Vorsitz gesehen, "irgendwann ist es einfach zu viel für einen Menschen". Deshalb müsse man sich - "bei allen Fehlern, die sicherlich gemacht werden" - überlegen: "Wie gehen wir mit unseren Führungskräften um?"

Brinkhaus sagte, es sei immer eine große Stärke der CDU gewesen, "dass sie zu 95 Prozent loyal war mit denen, die an der Spitze standen". Das sei jetzt aber nicht mehr so gewesen. Kramp-Karrenbauer hätte "intern mehr Loyalität verdient gehabt". Politik werde leider "oft nicht differenziert, sondern mit der Holzhammermethode betrieben". Wenn man das nicht ändere, "werden wir irgendwann keine guten Leute mehr kriegen".

Es würden sich "dann nur noch Leute für solche Ämter bewerben, von denen wir als Demokraten sagen, die wollen wir eigentlich nicht haben". Bereits jetzt erlebe man "schon auf kommunaler Ebene, dass es immer schwieriger wird, gute Kandidaten zu finden", sagte Brinkhaus. "Wenn wir nicht lernen, mit Politikern anständig umzugehen, bekommen wir ein Problem."

Brinkhaus lobt seinen Vorgänger Kauder

Der Unionsfraktionschef lobte in diesem Zusammenhang seinen Vorgänger Volker Kauder. Brinkhaus hatte im Jahr 2018 knapp gegen Kauder gewonnen, genauso wie Kramp-Karrenbauer gegen Friedrich Merz bei deren Wahl zur CDU-Vorsitzenden. "Ich habe auch Fehler gemacht", sagte Brinkhaus. Aber seine Fraktion habe ihm Zeit gegeben, in seine Aufgabe hineinzuwachsen. Das habe er auch "Kauder und seinen Unterstützern zu verdanken - sie haben akzeptiert, dass ich gewonnen habe und sich nie illoyal verhalten". Dafür sei er sehr dankbar. Friedrich Merz hat nach seiner Niederlage gegen Kramp-Karrenbauer dagegen nicht aufgehört, weiter nach oben zu streben. Dazu sagte Brinkhaus: "Man kann um Personalentscheidungen ringen. Aber wenn sie gefallen sind, dann sollten alle loyal dahinterstehen."

Brinkhaus forderte außerdem ein Mitspracherecht seiner Fraktion bei der Auswahl des nächsten CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten. Er beteilige sich zwar nicht an der öffentlichen Debatte, was für welchen Kandidaten spreche, sagte der Fraktionschef. Eines sei aber klar: "Die Fraktion wird bei diesen Machtfragen mitreden." Es könne "nicht sein, dass außerhalb des Bundestages festgelegt wird, wie der Rest der Legislaturperiode auszusehen hat". Das werde er "als Fraktionsvorsitzender sicherlich nicht mitmachen".

Der Fraktionschef widerspricht Spekulationen, auch er wolle CDU-Chef werden

Spekulationen, er erwäge selbst für den CDU-Vorsitz zu kandidieren, wies Brinkhaus zurück. Auf die Frage, ob er sich um die Kramp-Karrenbauer-Nachfolge bewerben werde, sagte er: "Nein." Ähnlich deutlich antwortete er auf die Frage, ob er sich ein Ministeramt vorstellen könne, um den Fraktionsvorsitz - etwa für Jens Spahn - freizumachen. Brinkhaus sagte: "Als Ostwestfale bin ich konservativ: Wenn ich etwas angefangen habe, führe ich das auch zu Ende" - und er sei bis zum Ende der Legislaturperiode gewählt. Deshalb mache er sich auch keine Sorgen, dass er aus seinem Amt gedrängt werden könnte, er sei "da sehr entspannt".

Auf die Frage, was er von den bisherigen Interessenten Armin Laschet, Jens Spahn, Friedrich Merz und Norbert Röttgen halte, sagte Brinkhaus: "Mit den Eigenschaften, die sie zusammen haben, sind sie gut." Deshalb sei der Teamgedanke, über den gerade gesprochen werde, "ja auch nicht so schlecht". Aber Team bedeute "eben auch, zusammenzuarbeiten - da muss man nicht unbedingt immer selber den Hut aufhaben". Auf die Nachfrage, ob die vier Kandidaten zu einer derartigen Teamarbeit in der Lage wären, antwortete Brinkhaus nur: "Ich setze da auf menschliche Einsicht und Lernfähigkeit."

© SZ.de/lalse
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