bedeckt München
vgwortpixel

Raketentest in Nordkorea:Diktator Kim kann die Gesetze der Physik nicht aufheben

  • Nordkorea hat in der Nacht zum Mittwoch nach einer Testpause von 75 Tagen erneut eine Rakete abgefeuert.
  • Die Hwasong-15, die erstmals getestet wurde, ist eine verbesserte Version der Hwasong-14.
  • Mit einem flacher verlaufenden Abschusswinkel könnte eine Rakete, die fast 4500 Kilometer hoch steigt, mehr als 10 000 Kilometer weit fliegen. Allerdings nicht mit einer schweren Nutzlast.

75 Tage machte Nordkorea eine Testpause. Nun hat das Land wieder eine Rakete abgeschossen, einer Erklärung des Regimes zufolge heißt sie Hwasong-15. Pjöngjang behauptet, diese Rakete könne das ganze Festland der USA erreichen - und dies mit einer großen Nutzlast. Wie amerikanische Armee-Quellen bestätigten, stieg die Rakete auf eine Höhe von 4475 Kilometer und stürzte 950 Kilometer östlich von ihrem Startplatz bei Pjöngjang nach 53 Minuten ins Meer vor Japan.

Die Hwasong-15, die erstmals getestet wurde, ist eine verbesserte Version der Hwasong-14. Sie besteht ebenfalls aus zwei Raketenstufen. Bei Raketen mit mehr als einer Stufe werden leere Treibstofftanks und nicht mehr benötigte Triebwerke abgeworfen, damit sie nicht zusammen mit der Nutzlast weiter beschleunigt werden müssen.

Mit einem flacher verlaufenden Abschusswinkel könnte eine Rakete, die fast 4500 Kilometer hoch steigt, mehr als 10 000 Kilometer weit fliegen. Allerdings nicht mit einer schweren Nutzlast. Das ist mit zwei Stufen nach Einschätzung von Raketenexperten nicht möglich, die Gesetze der Physik kann auch Diktator Kim Jong-un nicht aufheben. Deshalb dürften die USA weiterhin außerhalb der Reichweite nordkoreanischer Atomsprengköpfe liegen - ganz sicher weiß man es aber nicht, da bislang unbekannt ist, wie schwer die Nutzlast beim jüngsten Test war.

Nordkorea hat bisher weder demonstriert, dass es den Wiedereintritt einer Rakete in die Atmosphäre kontrollieren kann, noch, dass seine Raketen ein Ziel treffen können. "Bisher haben die Nordkoreaner nur gezeigt, dass sie den Pazifik treffen können", sagte der amerikanische Raketenexperte Lance Gatling jüngst in Tokio.

Südkorea reagierte auf den Test Pjöngjangs innerhalb von fünf Minuten, indem es seinerseits drei Raketen auf ein vorbestimmtes Ziel abschoss. Die Politik in Seoul, Tokio und Washington dagegen gab sich nur gemäßigt empört. Trump sagte: "Wir kümmern uns darum."

Politik Nordkorea Angst vor dem nuklearen Schwarzmarkt
Nordkorea

Angst vor dem nuklearen Schwarzmarkt

Die USA befürchten, dass Nordkorea seine Atom- und Raketentechnologie nicht nur einsetzen, sondern auch verkaufen könnte. Schon früher war das Land in brisante Geschäfte verwickelt.   Von Georg Mascolo

Pjöngjang öffnet sich eine Hintertür für ein Ende der Starts und Gespräche

Mit dem jüngsten Test war seit Beginn der Woche gerechnet worden, die japanische Aufklärung hatte entsprechende Signale aufgefangen. Zudem hatte US-Präsident Donald Trump Nordkorea auf die Liste der Staaten gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Das tut Pjöngjang kaum.

Obwohl Trumps Maßnahme vor allem symbolischen Charakter hatte, war zu erwarten, dass Kim mit einer Provokation antwortet. Der nordkoreanische Diktator kann es nicht zulassen, dass die Amerikaner behaupten, er teste nicht mehr, weil die Sanktionen Wirkung zeigten.

Interessanter als der Raketenstart ist die Erklärung dazu, die das Regime anschließend im Staatsfernsehen verlesen lies. Darin hieß es, mit der Hwasong-15 sei das nordkoreanische Atomprogramm abgeschlossen. Damit öffnet Pjöngjang sich eine Hintertür für ein Ende der Starts und den Beginn von Gesprächen. Wenn sein Atom- und Raketenprogramm zur Abschreckung nun komplett ist, müsste das Regime von Kim Jong-un ja nicht weiter testen.

Politik USA Trump fordert Nordkorea zu einem "Deal" auf

US-Präsident auf Asienreise

Trump fordert Nordkorea zu einem "Deal" auf

Bei seinem Besuch in Seoul verzichtet der US-Präsident auf Provokationen und stellt sogar eine Lösung der Nordkorea-Krise in Aussicht. Am Mittwoch fliegt er weiter zum Höhepunkt seiner Asienreise.   Von Christoph Neidhart und Kai Strittmatter