Prozess gegen Zschäpe Beate Zschäpes Rolle

Nach menschlichem Ermessen, so die Bundesanwaltschaft, habe das im Untergrund lebende Trio die Mordanschläge im Einzelnen vorher abgesprochen - in die Planungen sei also auch Beate Zschäpe einbezogen worden. Einen regelrechten Anführer habe es nicht gegeben. Um die Verbrechen über all die Jahre begehen zu können, sei das abgeschottete Trio vollständig aufeinander angewiesen gewesen. Angeblich habe Zschäpe bei jedem der Verbrechen einen gleichwertigen Beitrag leisten wollen.

Sie habe vor allem die Aufgabe gehabt, die Abwesenheit der Männer zu verschleiern, wenn diese unterwegs waren. Das bei Raubüberfällen erbeutete Geld habe sie verwaltet. Zwar sei Zschäpe bei der Ausführung der Morde nicht dabei gewesen. Doch sie habe in jedem Einzelfall den Erfolg gewollt, meinen die Ankläger. Zschäpes Aufgabe sei es gewesen, den NSU zu tarnen und dem Umfeld ein normales Leben vorzugaukeln. Sie sei technisch versiert genug gewesen, um auch an der Erstellung des Bekennervideos, das sie später verschickt haben soll, beteiligt gewesen zu sein. In der letzten Wohnung in Zwickau lagerten geladene Waffen, Minikameras überwachten die Eingänge. Für den Keller soll der NSU ein eigenes Alarmsystem entwickelt haben.

Zschäpe habe mit Böhnhardt und Mundlos über eine Handynummer Kontakt aufnehmen können, wenn diese an Tatorten waren. Die Handynummer war auf einem Zettel notiert, auf dem das Wort "Aktion" stand, das als Synonym für Mordanschläge verwendet worden sei. Beim Mord in Nürnberg 2005 will eine Zeugin Beate Zschäpe kurz in direkter Nähe zum Tatort in einem Supermarkt gesehen haben. Beim Polizistenmord in Heilbronn existiert ein Video aus dem Bahnhof, auf dem manche Zschäpe zu erkennen glauben. Die Ankläger haben daran aber Zweifel.

Strategie des NSU

Der NSU habe sich als eine elitäre Avantgarde verstanden. Die Bundesanwaltschaft nimmt an, dass er zeitweilig die Bildung weiterer Terrorzellen angestrebt habe. Beleg dafür sei ein Brief, den der NSU mindestens in zwei Fällen samt Bargeld-Spende an die Neonazi-Zeitschriften "Der Weisse Wolf" und "Fahnenträger" geschickt habe. Die Ankläger zeigen sich aber überzeugt, dass der NSU zu keiner Zeit ein Netzwerk mehrerer Zellen gewesen sei. Sie sehen Übereinstimmungen zu den Strategiepapieren eines Norwegers, der unter dem Pseudonym Max Hammer einen "führerlosen Widerstand" und die Bildung militanter Kleinzellen propagiert hat. In einer Schrift verweist Hammer auf den "Lasermann", einen Schweden, der Anfang der Neunziger Jahre Mordanschläge auf Einwanderer verübte. Dessen Vorgehen gleiche dem des NSU, finden die Ankläger.

Vergleich mit der RAF

Hat der rechte NSU auch die linke RAF nachgeahmt? Im Bekennervideo thematisiert er die RAF: Eine Comicfigur trägt das RAF-Zeichen; ein Sprecher sagt, sie friste ein jämmerliches Dasein und sei scheußlich anzusehen. Die Ankläger erkennen, abgesehen vom ideologischen Gegensatz, Unterschiede im Vorgehen des NSU zur RAF: Während die Linksterroristen Sonderkommandos gehabt hätten, die anschlagsbezogen aus der Schar der Mitglieder ausgewählt worden seien, sei der NSU ein auf Dauer agierendes, einheitliches Tötungskommando gewesen; eine aufeinander eingeschworene Gruppe. Jede einzelne Tat sei abhängig gewesen vom Willen eines jeden Mitglieds dieser Gruppe.