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Prism-Informant Snowden auf der Flucht:Snowden enttarnt das System, nicht dessen Ergebnisse

Tatsächlich enthalten die veröffentlichten Dateien - anders als bei Manning - keine Informationen, die auf direkte Operationen und Einzelfälle hindeuten. Wenn man so mag, hat Snowden das System enttarnt, nicht dessen Ergebnisse. Das Ausmaß der digitalen Überwachungsmöglichkeiten genügt, um so unterschiedliche politische Lager zu beunruhigen, wie sie Dokumentarfilmer Moore und Rechtsaußen-Sprachrohr Beck vertreten.

Barack Obama, Prism, Internet-Überwachung

Barack Obama an Bord von Marine One, dem Hubschrauber des US-Präsidenten

(Foto: The White House)

Dass die Dokumente niemandem einen direkten Schaden zufügen, ändert für Snowden nichts daran, dass er damit rechnen muss, strafrechtlich verfolgt zu werden: Die von ihm weitergegeben Dokumente unterliegen der Geheimhaltung.

Es gehört zum Schicksal von Whistleblowern, dass sie gegen die Anordnungen verstoßen, die ihnen gegeben wurden und dadurch alles aufs Spiel setzen - auch, weil sie in ihrer eigenen Organisation zuvor kein Gehör fanden. Der 29-jährige Snowden, der einst für die Bush-Regierung in den Irakkrieg ziehen wollte, um das Land von Saddam Hussein zu befreien, skizzierte im Interview einen Prozess der schleichenden Desillusionierung: "Je mehr ich darüber gesprochen habe, desto stärker wurde ich ignoriert."

"Wir dienen nicht, um für die Mächtigen zu manipulieren"

Von einer solchen Erfahrung berichten auch viele andere Whistleblower. Warum sie sich dann dazu entschließen, gegen die Regeln zu verstoßen und ihre Informationen weiterzugeben, erklärte der ehemalige NSA-Mitarbeiter Thomas Drake einmal so:

"Diejenigen, die wie ich die Wahrheit sagen, machen nur ihre Arbeit und befolgen ihren Eid, ihrer Nation unter den Gesetzen ihres Landes zu dienen. Wir dienen ihr nicht, um für die Mächtigen zu manipulieren oder ungesetzliche oder peinliche Geheimnisse von der Öffentlichkeit zu verstecken. Weil es die Wahrheit ist, die zählt. Sie mag unbequem sein, für Verlegenheit sorgen und die Mächtigen und ihre gesetzlosen Aktivitäten bedrohen. Aber sie ist immer noch die Wahrheit."

Drake hatte Informationen über den Kauf einer überbordenden Abhör-Software weitergegeben und sprach die Worte anlässlich des Erhalts eines Bürgerrechts-Preises 2011. Weil er keine Geheimdokumente weitergegeben hatte, war er von einem Gericht freigesprochen worden. Seine Rede ist eine Art Whistleblower-Manifest.

Edward Snowden hat, wenn man so will, sein Manifest im Gespräch mit dem Guardian skizziert. "Ich will nicht, dass die Geschichte sich um mich dreht. Es soll darum gehen, was die US-Regierung tut", sagte er,

Die öffentlichen Reaktionen auf die Enthüllungen hätten ihm Mut gemacht. "Ich habe Hoffnung, dass - was auch immer mit mir passiert - der Ausgang positiv für die USA sein wird."