Präsidentschaftswahl in Frankreich Je gebildeter, desto eher Macron-Wähler

Es ist auffällig, wie sehr sich die Anhänger von Emmanuel Macron und Marine Le Pen in Alter, Bildung und Einkommen unterscheiden. Daten zur Wahl in Frankreich.

Von Katharina Brunner, Christian Endt (Grafiken) und Markus C. Schulte von Drach (Text)

Das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich entspricht weitgehend den Erwartungen - auch wenn Marine Le Pen vom Front National gute zwei Prozentpunkte hinter dem parteilosen Kandidaten Emmanuel Macron liegt.

Angesichts der Zersplitterung der Linken und der Mitte wäre es keine Überraschung gewesen, wenn die Rechtspopulistin jeweils mehr Stimmen bekommen hätte als ihre aussichtsreichsten Gegner Macron, François Fillon von den Republikanern und der Linke Jean-Luc Mélenchon. Nun wird erwartet, dass die meisten Wählerinnen und Wähler, die diesmal für Fillon, Mélenchon und den Sozialisten Benoît Hamon gestimmt hatten, sich in der Stichwahl eher für Macron entscheiden als für Le Pen.

Seit der französische Präsident vom Volk gewählt wird, hat es immer entweder ein Mitglied der bürgerlichen Rechten oder der Sozialisten in der ersten Runde an die Spitze geschafft. Der Sieg in der jeweils folgenden Stichwahl war damit allerdings noch lange nicht sicher. Mit den Stimmen der Anhänger der zuvor unterlegenen Kandidaten wurde etwa 1974 der zuerst zweitplatzierte Valéry Giscard d'Estaing von der bürgerlichen Rechten doch noch Präsident, 1981 gelang dies dem Sozialisten François Mitterrand, 1995 dem konservativen Jacques Chirac.

Diesmal allerdings haben es weder der Kandidat der Republikaner, noch jener der Sozialisten in die Stichwahl geschafft. Der Ex-Sozialist Emmanuel Macron hat für den Wahlkampf eine eigene Bewegung gegründet: En marche!

Die rechte Partei Front National hat 1974 mit ihrem Gründer und damaligen Parteivorsitzenden Jean-Marie Le Pen erstmals an der Präsidentschaftswahl teilgenommen, aber erst 1988 gelang ihr mit einer Zustimmung von fast 15 Prozent ein Achtungserfolg. 2002 schaffte es Le Pen sogar in die Stichwahl gegen den Konservativen Jacques Chirac - und verlor haushoch, da sogar Linke und Kommunisten lieber Chirac wählten als den Rechtsextremen. 2012 erhielt Marine Le Pen, die Tochter von Jean-Marie Le Pen, immerhin fast 18 Prozent der Stimmen in der ersten Runde. Die Stichwahl gewann jedoch relativ knapp der Sozialist François Hollande vor dem Republikaner Nicolas Sarkozy.

Es fällt auf, dass deutlich mehr Franzosen im Alter zwischen 35 und 59 Jahren Le Pen gewählt haben als Macron. Unter den jüngsten Wählern lag die Rechtspopulistin leicht vor Macron. Dieser konnte allerdings auffällig viele Menschen über 60 für sich gewinnen.

Auffällig sind die Unterschiede beim Bildungsstand und dem Einkommen der Wähler: Hier gilt: Je besser gebildet oder je höher das Monatsgehalt, desto eher Macron-Wähler. Bei Le Pen ist es umgekehrt.

Nicht ganz so eindeutig ist es bei der Frage nach dem Wohnort. Für den Großraum Paris lässt sich feststellen, dass Macron deutlich beliebter ist als Le Pen, auch in weiteren Großstädten lag er weit vor seiner Konkurrentin. In Marseille und Nizza blieb er hinter ihr - wobei sie allerdings hier von Mélenchon und Fillon auf den 2. Platz verwiesen wurde.

Die Wahlbeteiligung war mit 78 Prozent etwas niedriger als 2012, aber insgesamt deutlich schwächer als 2007, als der Republikaner Nicolas Sarkozy und die Sozialistin Ségolène Royal um die Nachfolge des konservativen Jacques Chirac konkurrierten.

Für die Stichwahl deuten die Umfragen das an, was auch die meisten Experten erwarten: Macron wird deutlich mehr Anhänger der gescheiterten Kandidaten aus der ersten Runde für sich gewinnen als Le Pen.

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