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Präsidentschaftskandidat Rand Paul:Viele Herausforderungen auf dem Weg ins Weiße Haus

Eine Präsidentschaftskandidatur in den USA ist schier endlos, und auf alle Kandidaten warten große Herausforderungen. Auf Rand Paul wartet die heikle Aufgabe, das Verhältnis zu seinem Vater zu klären. Dieser hat ihn zum Politiker gemacht, Rand engagierte sich in dessen Wahlkämpfen, und er setzt auf die Fans der libertären Ikone Ron Paul. Doch zugleich lassen sich die radikalen Polit-Ansichten des Vaters (Notenbank abschaffen, Goldstandard wieder einführen, alle Soldaten zurückholen, alle Drogen freigeben) von den Gegnern gut instrumentalisieren - zumal sich dieser in den neunziger Jahren eindeutig rassistisch geäußert hat.

Auch wenn Paul vor der Kongresswahl sehr erfolgreich in 30 Staaten Wahlkampf für andere Republikaner machte und viele Spenden sammelt, hält ihn etwa der Economist für einen eher undisziplinierten Politiker, der sich um Kopf und Kragen (und um die Präsidentschaftskandidatur) reden werde. Dass er Abtreibungen in keinem Fall zulassen will (auch nicht bei Vergewaltigung und Inzest), macht ihn zwar bei der evangelikalen Basis populär, doch es dürfte viele parteiungebundene Wählerinnen in den Vororten abschrecken, ohne deren Unterstützung niemand US-Präsident wird. Bis zum Wahltag hat Rand Paul noch genug Zeit, möglichst viele Amerikaner zu überzeugen - oder seine Meinung anzupassen.

Vor allem in seiner Wahlheimat Kentucky warnen Beobachter davor, Paul zu unterschätzen. So habe dieser sein Verhältnis zu Mitch McConnell, dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, schnell geklärt, erklärt John Dyche im Gespräch mit SZ.de: "Ihre enge Beziehung ist nun für beide von Vorteil".

Dyche arbeitet als Jurist in Louisville und hat eine offizielle Biographie über McConnell verfasst. Paul unterstützte diesen bei dessen Wahlkampf 2014 und vermittelte ihm gute junge Berater. Im Gegenzug setzte McConnell durch, dass die Republikaner die parteiinternen Regeln so ändern, dass Paul 2016 sowohl für das Amt des Präsidenten antreten darf - und zugleich als Senator wiedergewählt werden kann (Details hier ). Ihm sei stets klar gewesen, dass Kentucky zu klein für Paul sei, sagt Dyche: "Noch bevor er in den Senat gewählt wurde, waren die Themen seiner Reden auf die nationale Bühne ausgerichtet."

Das Video, das zwei Tage vor der offiziellen Ankündigung veröffentlicht wurde, macht deutlich, wie sich der 52-Jährige präsentieren will: Als ein Anführer, der ganz anders ist als viele Mainstream-Republikaner.

Und noch etwas beherrscht Paul schon sehr gut: Er attackiert die demokratische Favoritin Hillary Clinton bei jeder Gelegenheit, und er setzt soziale Medien wie Twitter und Facebook ziemlich virtuos ein. Noch während der Wahlnacht, in der viele von Hillary unterstützte Kandidaten verloren, begann seine entsprechende Online-Kampagne #HillarysLosers, die viele Republikaner begeisterte.

Am 8. November 2016 wird sich dann entscheiden, wer von den beiden gewinnt - oder zumindest den Sieger unterstützt hat.

Linktipps:

  • Ein ebenso ausführliches wie lesenswertes Porträt über Rand Paul erschien im Oktober im New Yorker und diskutiert vor allem das Verhältnis zu seinem Vater Ron.
  • NSA-Reform, Militärbudget, Umgang mit Iran und Israel: Politico beschreibt in diesem Artikel recht anschaulich, auf welchen Politikfeldern sich Rand Paul vom republikanischen Mainstream unterscheidet
  • "Hyperkapitalismus, sei umarmt": SZ.de-Korrespondent Johannes Kuhn war dabei, als Rand Paul im Silicon Valley um Stimmen der dort zahlreich vertretenen Libertären warb.
  • Einen kleinen Rückschlag muss die Kampagne schon am Tag der Bekanntgabe der Bewerbung hinnehmen. Die ins Netz gestellte Homepage sollte auf einer US-Karte zeigen, wer Paul mit einer Spende unterstützt. Die Fotos der Unterstützer waren allerdings Stockfotos. Von Models aus Deutschland, wie Buzzfeed zeigt.
© SZ.de/joku/mane
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