US-Kongresswahl So haben die Republikaner gewonnen

  • Weiße, ältere Männer bescheren den Republikaner ihren Sieg, zeigen erste Umfragen. In manchen Staaten gewinnen sie wohl auch schwarze Wähler hinzu.
  • Obama ist unter Wählern fast so unbeliebt wie George W. Bush zwei Jahre, bevor er abtrat.
  • Die Demokraten gewinnen unter Frauen wieder hinzu, aber das rettet sie nicht.
Von Jannis Brühl

Jetzt ist die Mehrheit auch im Senat weg. Die Ausgangsposition der Demokraten vor der US-Kongresswahl war schlecht. Eine wirksame Strategie, um ihre Unbeliebtheit auszugleichen, konnten sie nicht finden. Wen haben sie erreicht und an die Urnen gebracht, wen die Republikaner?

Aufschluss geben die vorläufigen Ergebnisse des National Exit Polls, der großangelegten Umfrage unter Wählern, die Wahllokale verlassen, durch Edison Research. Verschiedene US-Medien wie Washington Post und NBC haben sie in der Nacht veröffentlicht (auch die New York Times hat die Wähler übersichtlich aufgeschlüsselt).

Obama und die Demokraten hofften insbesondere auf eine Koalition der Minderheiten: Unter Afroamerikanern, Latinos, jüdischen Amerikanern und Homosexuellen schneiden der Präsident und seine Partei üblicherweise besonders gut ab. Diese Bevölkerungsgruppen könnten den Demokraten 2016 auch wieder das Weiße Haus sichern. Doch in Kongresswahlen sieht es anders aus. Diese Koalition in so vielen Wahlbezirken zu erreichen, ist beinahe unmöglich. Hinzu kommt, dass viele der umkämpften Sitze dieser Mid-Term-Wahlen in der Mitte des Landes liegen, wo die Bevölkerungsmehrheit eher weiß und weniger urban ist. Die wichtigsten Trends der Wahl im Überblick.

Wer die Republikaner wählte

Alt, weiß, männlich, gut verdienend - die Republikaner können besonders ihre Kernwählergruppe mobilisieren. Sie gewinnen 55 Prozent der Männer, mehr als die Hälfte in den Altersgruppen über 45 und 59 Prozent der Weißen. Bei Amerikanern mit College-Abschluss (ohne Doktortitel) verliert die Partei anteilsmäßig deutlich, erhält aber dennoch wieder die Mehrheit der Stimmen. Themen, die Republikaner besonders an die Urne trieben, waren vor allem die wirtschaftliche Lage, Außenpolitik (hier bot Obamas widersprüchliche Reaktion auf den Erfolg der Terrormiliz "Islamischer Staat" Angriffsfläche) und vor allem illegale Einwanderung. 73 Prozent der Wähler, die dieses Thema als größte Herausforderung für das Land ansahen, wählten republikanisch.

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Schwarze Stimmen für die Republikaner

Traditionell können die Demokraten auf die Stimmen von mehr als 90 Prozent der Afroamerikaner bauen, doch in wichtigen Staaten holten die Republikaner auf. Das zeigen Umfragen aus zwei Staaten mit einem relativ hohen Anteil an schwarzen Einwohnern. In Georgia und North Carolina wählt zwar nach wie vor nur ein einstelliger Prozentsatz der Schwarzen die Republikaner, ihr Anteil ist aber in beiden Staaten um mehrere Prozentpunkte gestiegen. In Georgia etwa von vier auf sieben Prozent. (Mehr zur Wahl in den beiden Staaten hier; allerdings tendieren manche Exit Polls dazu, die Zahl der Stimmen von Minderheiten zu überschätzen.) Mit dem Republikaner Tim Scott aus South Carolina wurde zudem erstmals seit dem 19. Jahrhundert ein schwarzer Senator aus den Südstaaten gewählt. Scott sitzt schon seit 2013 im Senat, war dorthin aber als Nachrücker gekommen und musste sich nun erstmals einer Senatswahl stellen.

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55 Prozent der Wähler sagen, Obama mache keinen guten Job. Der Wert liegt nahe an den miserablen 57 Prozent, die dasselbe 2006 über George W. Bush sagten, der zu diesem Zeitpunkt viel Kredit verspielt hatte. Die Enttäuschung über den Präsidenten heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass der Kongress, sein künftiger Gegenspieler, besonders beliebt wäre. Im Gegenteil: 78 Prozent der Wähler stellen dem Kongress ein schlechtes Zeugnis aus.

Der unsichtbare Präsident

Auch wenn der Präsident unbeliebter geworden ist - glaubt man den Aussagen der Wähler nach dem Besuch der Wahllokale, war das vielen egal, zumindest mehr Wählern vor vier Jahren. Damals stimmten nur 38 Prozent der Aussage zu: "Barack Obama war kein Faktor, dass ich an der Wahl zum Repräsentantenhaus teilnehme." An diesem Dienstag waren es 46 Prozent. Das Verhältnis zum Präsidenten ist distanzierter geworden. Statt 23 Prozent wie in der vorhergehenden Wahl sagten nur noch 20 Prozent, sie hätten gewählt, um ihn zu unterstützen. Obama hatte sich im Wahlkampf bewusst zurückgehalten, oder Kandidaten der Demokraten hatten bewusst Abstand zu ihm gehalten.

Demokraten gewinnen Frauen zurück

Weil die Strategie, Minderheiten zu umwerben, in den betroffenen Staaten nur begrenzt wirken kann, weil die Staaten demografisch homogener sind, zielten die Demokraten insbesondere auf Frauen - Single-Frauen mit College-Abschluss, um genau zu sein. Denn sind Frauen verheiratet oder weniger gebildet, steigt statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass sie republikanisch wählen. Die Demokraten haben es geschafft, sich die Mehrheit unter den Frauen zurückzuerobern, die sie 2010 verloren hatten. 53 Prozent der Frauen wählten demokratisch, verglichen mit 48 Prozent in der vergangenen Wahl. Das liegt wohl auch an ihrem Wahlkampf, der bestimmte Frauen direkt ansprechen sollte. Frauenrechte, Geburtenkontrolle und der Slogan, die Republikaner würden einen "Krieg gegen die Frauen" führen, aktivierten viele Frauen für die Demokraten. Nur hat das wohl nicht gereicht: Bei weißen Männern mit und ohne College-Abschluss liegen die Republikaner nach wie vor deutlich vorn. Und die haben diese Wahl entschieden.

Eine weitere Säule des Erfolgs der Obama-Demokraten waren junge Wähler, die nach der Jahrtausendwende erwachsen geworden sind. Abzuwarten bleibt, inwieweit diese Säule gebröckelt ist. Vor der Wahl hatte eine Studie der Universtität Harvard gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Jungen, die wählen gehen wollten, sich einen republikanisch dominierten Kongress wünscht. Vor vier Jahren war eine Mehrheit noch für eine demokratische Übermacht.