Präsidentschaftsbewerber Trump Make America hate again

Ein Trump-Plakat im New Yorker Stadtteil Chelsea findet Ergänzung mit dem Schriftzug "Hate".

(Foto: Getty Images)

Neue Wähler hat Trump beim TV-Duell nicht gewonnen. Ein Wahlsieg rückt in weite Ferne - doch der von ihm geschürte Hass wird das Land auf Jahre hinaus vergiften.

Kommentar von Hubert Wetzel

Drei Debatten, viereinhalb Stunden Geschrei, Gemotze und Gezeter, und am Ende eine Erkenntnis: Es gab in der modernen Geschichte der Vereinigten Staaten noch keinen Wahlkampf, in dem sich die beiden Kandidaten mit so offener gegenseitiger Verachtung begegnet sind. Das müsste die Amerikaner nicht weiter kümmern, wenn am 8. November alles vorbei wäre. Aber das wird nicht der Fall sein. Der Hass, der sich in den vergangenen Monaten angesammelt hat - und der fleißig genährt wurde -, wird bleiben und er wird das Land auf Jahre hinaus vergiften. Das ist das politische Vermächtnis von Donald Trump: Make America hate again. Dass der republikanische Präsidentschaftskandidat am Mittwochabend ausdrücklich das eigentlich selbstverständliche Versprechen verweigerte, das Wahlergebnis zu akzeptieren, war ein weiterer Hieb gegen Amerikas Demokratie.

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Das Treffen in Las Vegas war das disziplinierteste der drei TV-Duelle

Das Duell in Las Vegas war in gewisser Hinsicht das disziplinierteste der drei Treffen. Es war die Debatte, in der tatsächlich am meisten debattiert wurde, nicht nur beleidigt. Es hat zwar keine neuen Erkenntnisse über die Kandidaten oder deren politische Ansichten gebracht, aber es hat die bestehenden Eindrücke vertieft, die man in den vorangegangenen beiden TV-Duellen gewinnen konnte.

Einer davon: Wäre Trump ein etwas weniger egomanischer Mensch, würde er der Wahrheit etwas mehr Respekt zollen, hätte er ein bisschen mehr Selbstkontrolle (nicht zuletzt im Umgang mit Frauen), dann wäre er ein weitaus gefährlicherer Gegner für Hillary Clinton gewesen. Die Demokratin Clinton ist, das wurde in Las Vegas wieder deutlich, eine sehr verwundbare Kandidatin: ihr E-Mail-Skandal, ihr Gemauschel mit der Familienstiftung, ihre fantastisch gut bezahlten Reden und ihre nicht eben beeindruckende Bilanz als Außenministerin, an allen diesen Flanken ist sie leicht angreifbar. Man versteht nach den drei Debatten sehr gut, warum Clintons Leute sich Trump als Gegenspieler gewünscht hatten - die Hälfte der Arbeit macht Trump selbst.

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Würde man Clinton einen Gebrauchtwagen abkaufen? Eher nicht

So, wie die Dinge derzeit stehen, wird diese dritte Debatte den Wahlkampf nicht mehr drehen. Beide Kandidaten - und Trump noch mehr als Clinton - haben vor allem zu den Wählern gesprochen, deren Stimmen sie ohnehin schon sicher haben. Das reicht bei Clinton wahrscheinlich für den Sieg, bei Trump bestimmt nicht. Der Republikaner bemühte sich nicht einmal, den Wählern, die er dringend noch bräuchte - gebildete Frauen, Minderheiten, junge Menschen - ein Angebot zu machen. Und man muss wohl sagen: zum Glück. Trump hat in diesem Wahlkampf einige außerordentlich gemeine Dinge gesagt, er hat gelogen, was das Zeug hält, und er ist damit weit gekommen. Aber ihm fehlt jede taktische Raffinesse, die es ihm ermöglicht hätte, sich durch Lügen und Gemeinheiten tatsächlich eine Mehrheit zu erschleichen. Dazu ist er zu plump.

Hillary Clinton - nun ja. Würde sie den ultimativen Vertrauenstest bestehen? Würde man ihr einen Gebrauchtwagen abkaufen? Eher nicht. Aber sie wird die Wahl wohl gewinnen. Und sie könnte eine gute, kompetente Präsidentin werden. Und vielleicht reicht das nach dem ganzen Trump-Theater ja auch.

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