bedeckt München 32°

Pandemie:Portugals Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps

FILE PHOTO: A patient is carried to the COVID-19 Intensive Care Unit (ICU) of Cascais Hospital, amid the coronavirus disease (COVID-19) pandemic in Cascais

Ein Patient wird in Cascais auf die Intensivstation gebracht.

(Foto: Pedro Nunes/REUTERS)

Die hohe Zahl von Corona-Patienten kann in dem südeuropäischen Land kaum noch versorgt werden. Nun kommen Deutschland und Österreich zu Hilfe.

Von Karin Janker, Madrid

Portugals Gesundheitssystem steht angesichts der Corona-Pandemie vor dem Kollaps. Nun erhält das Land Unterstützung von anderen EU-Staaten: Österreich will Intensivpatienten aus Portugal aufnehmen, Deutschland laut Medienberichten Ärzte und Sanitäter schicken. Dem Bundesverteidigungsministerium liege ein offizielles Hilfsersuchen vor, sagte ein Sprecher am Sonntag, man prüfe nun das weitere Vorgehen. In der vorigen Woche war bereits ein medizinisches Team der Bundeswehr nach Portugal gereist, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz teilte am Sonntagmittag per Twitternachricht mit, Intensivpatienten aus Portugal aufnehmen zu wollen. Wie viele Patienten ausgeflogen werden sollen und ob es sich dabei um Covid-Patienten oder um andere schwer Erkrankte handeln soll, war allerdings nicht klar.

Portugals Intensivmedizin ist im internationalen Vergleich besonders schlecht ausgestattet. Laut OECD-Statistik hat das Land mit seinen 10,3 Millionen Einwohnern nur 4,2 Intensivbetten pro 100 000 Einwohner. Deutschland belegt mit 38,2 Betten dagegen einen Spitzenplatz in der Statistik. Aufgrund der Pandemie sind auch zusätzlich geschaffene Intensivpflegeplätze nahezu komplett belegt, das Gesundheitsministerium verzeichnet derzeit 843 Intensivpatienten.

Portugals Gesundheitsministerin Marta Temido bestätigte der Zeitung Publico gegenüber, dass die Regierung angesichts der Situation in den Krankenhäusern auf internationaler Ebene "alle Mechanismen aktiviert", um Covid-Patienten eine möglichst gute Versorgung zu gewährleisten.

Experten rechnen mit einem Höhepunkt erst Mitte Februar

Gleichzeitig hat das Land eine weitgehende Schließung seiner Grenzen angeordnet. In den kommenden zwei Wochen dürfen Portugiesinnen und Portugiesen nur noch ausreisen, wenn sie triftige Gründe vorweisen können. Auch die Einreise soll laut portugiesischem Innenministerium stark begrenzt werden. Von der Einschränkung der Reisefreiheit soll die Landgrenze zu Spanien ebenfalls betroffen sein, wie es aus dem spanischen Außenministerium hieß.

Nachdem Portugal lange einigermaßen glimpflich durch die Pandemie gekommen war, ist es nun eines der am schwersten betroffenen Länder weltweit. Aktuell verzeichnet das Land 849 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Im benachbarten Spanien liegt dieser Wert bei 521, in Deutschland bei 97.

Der portugiesische Ministerpräsident António Costa bezeichnete die Lage als "schrecklich" und sagte im Fernsehen, der schlimmste Moment sei noch nicht vorbei, dieser schlimmste Moment dauere mit Sicherheit noch einige Wochen an. Experten in Portugal erwarten, dass der Höhepunkt der Belastung auf den Intensivstationen erst Mitte Februar erreicht sein könnte.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir die portugiesische Gesundheitsministerin Marta Temido fälschlicherweise ins Amt der Verteidigungsministerin versetzt.

© SZ/cat
Zur SZ-Startseite

Umstrittene Wahl
:Portugals Präsident setzt sich durch

Das Land schließt wegen der Pandemie die Schulen. Die Präsidentschaftswahl aber findet statt. Amtsinhaber Rebelo de Sousa hat laut Prognosen gewonnen.

Von Karin Janker

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB