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US-Stadt Portland:Polizei erschießt Antifa-Aktivisten bei versuchter Festnahme

Suspect In Portland Shooting Killed By Law Enforcement

Eine Ermittlerin sammelt Spuren am Tatort der Erschießung von Michael Forest Reinoehl.

(Foto: AFP)

Der Mann soll bei den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt einen Rechtsradikalen getötet haben. In einem Interview wenige Stunden vor seinem Tod sagte er, es habe sich um Notwehr gehandelt.

Michael Forest Reinoehl, ein mutmaßlicher Tatverdächtiger im Fall der Erschießung eines Rechtsradikalen in Portland, Oregon, ist tot. Mehreren US-Medienberichten zufolge wurde er am Donnerstag (Ortszeit) beim Versuch der Polizei, ihn festzunehmen, getötet. Der New York Times zufolge versuchte der 48-Jährige, vor der Polizei zu fliehen, woraufhin diese ihn erschoss.

In den USA werden jedes Jahr etwa 1000 Menschen von Polizisten getötet, überproportional viele von ihnen sind People of Color. Nach dem gewaltsamen Tod zahlreicher unbewaffneter Afroamerikaner protestieren seit Monaten Bürger unter dem Motto "Black Lives Matter". In Portland kommt es seit drei Monaten jeden Tag zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Dabei hat es auch immer wieder gewaltsame Ausschreitungen gegeben.

In der Nacht zum Sonntag wurde der Rechtsradikale Aaron Danielson in der Innenstadt erschossen, der ein Anhänger von US-Präsident Donald Trumps gewesen sein soll. Als Verdächtiger in dem Fall galt Michael Forest Reinoehl, der sich selbst als Antifa bezeichnete und ebenfalls bei den Protesten gegen rassistische Polizeigewalt auf die Straße ging.

In einem Interview mit Vice, das wenige Stunden vor Reinoehls Tod erschien, erklärte dieser, er habe in Notwehr gehandelt. "Ich hatte keine Wahl. Ich meine, ich hatte eine Wahl. Ich hätte dasitzen können und zuschauen, wie eine Person of Color erstochen wird, mit der ich befreundet bin. Aber das habe ich nicht", so Reinoehl.

Vier Polizisten sollen auf Reinoehl geschossen haben

Neben dem rechten Aktivisten Danielson waren in den vergangenen Tagen auch zwei linke Protestierende in Kenosha, Wisconsin, von einem offenbar rechten Teenager erschossen worden.

Über Reinoehls Tod sagte Ray Brady vom Sheriffs-Büro in einem Interview, ein Team von Einsatzkräften habe "einen Verdächtigen in einem Tötungsdelikt" gesucht, der in ein Auto gestiegen sei. "Als sie versuchten, ihn festzunehmen, gab es Schüsse", führte Brady aus. Vier Beamte hätten abgedrückt. Sein Büro habe gehört, dass der Verdächtige eine Waffe mitgeführt habe, aber ob diese existiere und abgefeuert wurde, sei noch unklar.

© SZ.de/jsa/odg
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