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Polizeigewalt in den USA:Geschlagen, erschossen, erstickt

USA: Demonstranten fordern Gerechtigkeit für die von Polizisten erschossene Breonna Taylor

Proteste gegen den Gerichtsbeschluss im Fall Breonna Taylor in Chicago.

(Foto: AFP)

Breonna Taylor, George Floyd, Jacob Blake: Immer wieder kommen Schwarze in den USA durch Polizeigewalt zu Tode oder werden schwer verletzt. Ein Überblick über die vergangenen Monate.

Von Markus C. Schulte von Drach und Lilith Volkert

Es ist in den USA tragischerweise nichts Ungewöhnliches, dass Menschen durch Polizeigewalt sterben. Seit 2015 sind jedes Jahr um die 1000 Menschen durch Sicherheitskräfte zu Tode gekommen, hat die Washington Post gezählt. Die meisten von ihnen wurden erschossen. Schwarze sind im Verhältnis häufiger betroffen.

Dass sich die Polizisten für ihr Handeln verantworten müssen, ist allerdings selten. Von den Männern, die für den Tod der Rettungssanitäterin Breonna Taylor verantwortlich sind, wird nur einer überhaupt angeklagt - weil er durch seine nächtlichen Schüsse die Sicherheit der Nachbarn gefährdet habe. Bei den Protesten gegen diese Justizentscheidung wurden am Mittwoch zwei Polizisten angeschossen.

März 2020: Breonna Taylor (Louisville, Kentucky)

Auf der Suche nach Drogen stürmen Polizisten in der Nacht des 13. März die Wohnung der Notfallsanitäterin Breonna Taylor. Nach Angaben der Polizisten schießt Taylors Freund auf die Beamten und verletzt einen davon am Bein. Daraufhin geben die Polizisten 32 Schüsse ab. Die unbewaffnete 26-Jährige wird mindestens fünfmal getroffen und stirbt.

Taylors Freund wird zunächst wegen versuchten Mordes angeklagt, die Staatsanwaltschaft lässt die Vorwürfe dann aber fallen. Am 15. September einigte sich die Stadt Louisville mit Breonna Taylors Mutter auf eine Entschädigungszahlung von 12 Millionen Dollar.

Keiner der Polizisten muss sich für Taylors Tod verantworten. Einer von ihnen wird zwar angeklagt, aber nicht wegen eines Tötungsdelikts, sondern nur wegen mutwilliger Gefährdung der Nachbarn der Getöteten. Diese Nachricht führt am 23. September zu Protesten in mehreren Städten. In Louisville werden bei einer Demonstration zwei Polizisten angeschossen.

März 2020: Daniel Prude (Rochester, New York)

Daniel Prude wird am 23. März nackt und offensichtlich geistig verwirrt in Rochester im US-Bundesstaat New York festgenommen, sein Bruder hat die Beamten wegen Prudes' psychischer Probleme zur Hilfe gerufen. Polizisten ziehen dem 41-Jährigen eine Spuckschutzhaube über den Kopf und drücken seinen Kopf zu Boden. Er verliert wenig später das Bewusstsein und stirbt eine Woche später im Krankenhaus. Die Autopsie kommt zu dem Schluss, dass es sich um ein Tötungsdelikt gehandelt habe.

Der Todesfall wird erst Anfang September durch das Video von der Körperkamera eines Polizisten öffentlich bekannt und löst Anti-Rassismus-Demonstrationen in Rochester und in der Stadt New York aus. Sieben beteiligte Polizisten werden vom Dienst suspendiert, die Polizeiführung von Rochester tritt zurück.

Mai 2020: George Floyd (Minneapolis, Minnesota)

George Floyd wird am 25. Mai wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen. Die Beamten drücken ihn auf der Straße zu Boden. Ein Polizist presst sein Knie etwa acht Minuten lang in Floyds Hals. Der 46-Jährige fleht mehrfach um Luft, verliert dann das Bewusstsein und stirbt an Ort und Stelle, wie die Autopsie ergibt.

Der Tod des unbewaffneten Floyd führte im ganzen Land zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Das Hauptverfahren gegen vier Polizisten, denen die Tötung Floyds zur Last gelegt wird, soll im März kommenden Jahres beginnen.

Juni 2020: Rayshard Brooks (Atlanta, Georgia)

Eine Personenkontrolle auf dem Parkplatz einer Fast-Food-Kette eskaliert, als Rayshard Brooks nach einem Alkoholtest in das Polizeiauto steigen soll. Als sich der 27-Jährige der Festnahme widersetzt, wird er so schwer verletzt, dass er in der Nacht im Krankenhaus stirbt. Die beiden Polizisten werden wegen Mordes beziehungsweise schwerer Körperverletzung angeklagt. Atlantas Polizeichefin tritt zurück.

August 2020: Jacob Blake (Milwaukee, Wisconsin)

Sieben Schüsse gibt der Polizist Rusten Sheskey auf den 29-jährigen Jacob Blake ab, während dieser sich in das Auto beugt, in dem drei seiner Söhne sitzen. Blake überlebt trotz schwerer innerer Verletzungen, ist aber von der Hüfte abwärts gelähmt. Zu den Ereignissen vor den Schüssen gibt es verschiedene, teils verwirrende Angaben. Die Polizei ist dem Notruf einer Frau gefolgt, die meldet, ihr "Freund" (Blake) halte sich verbotenerweise auf ihrem Gelände auf und habe ihr den Autoschlüssel weggenommen. Die Polizisten wissen, dass Blake wegen des Vorwurfs einer Sexualstraftat gegen seine Freundin gesucht wird. Zeugenaussagen zufolge soll sich Blake dagegen bemüht haben, einen Streit zwischen einigen Frauen zu schlichten.

Die Polizisten versuchen, Blake zu überwältigen und setzen dazu vergeblich Elektroschocker ein. Unklar ist, ob Blake ein Messer trägt. Als er zu seinem Auto geht, folgen ihm zwei Polizisten mit gezogener Pistole - und es kommt zu den Schüssen. Die an dem Vorfall beteiligten Polizisten sind mittlerweile vom Dienst beurlaubt. Nach den Schüssen auf Blake kommt es zu Demonstrationen in etlichen Städten wie New York und Los Angeles.

© SZ.de/lalse

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