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Umstrittene Entscheidung im Fall Breonna Taylor:Zwei Polizisten bei Protesten angeschossen

Zuvor hatte ein Grand Jury in Kentucky entschieden, dass keine direkte Anklage gegen die Beamten erhoben wird, die in den Polizeieinsatz verwickelt waren, der zum Tod der jungen Schwarzen geführt hatte.

Im US-Bundesstaat Kentucky sind bei Protesten gegen eine umstrittene Justizentscheidung im Fall Breonna Taylor zwei Polizisten angeschossen worden. Die Verletzungen seien nicht lebensgefährlich, sagte der amtierende Polizeichef Robert Schroeder vor Journalisten in Louisville. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden. Die beiden verletzten Polizisten würden im Krankenhaus behandelt. Neben Louisville gab es weitere Proteste in New York, Washington, Atlanta und Chicago.

Eine Grand Jury hatte sich am Mittwoch gegen eine direkte Anklage der an dem tödlichen Einsatz gegen Taylor beteiligten Beamten entschieden. Die junge Afroamerikanerin war im März in Louisville in ihrer eigenen Wohnung erschossen worden, als Polizisten das Appartement im Rahmen einer Drogenrazzia stürmten. Der Name von Breonna Taylor wurde in der Folge zu einem Symbol der Black-Lives-Matter Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt.

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Die Grand Jury stellte fest, dass der Schusswaffeneinsatz von zwei in den Vorfall verwickelten Beamten aus Selbstschutz gerechtfertigt gewesen sei. Ein dritter Beamter wurde am Mittwoch angeklagt - weil er andere Bewohner in dem Mehrfamilienhaus gefährdet habe.

32 Schüsse auf Breonna Taylor, fünf trafen die Unbewaffnete

Die Polizisten waren mitten in der Nacht mit einem Durchsuchungsbefehl an Taylors Wohnung eingetroffen. Der Untersuchung zufolge klopften sie an der Tür und gaben sich als Polizei zu erkennen. Dafür gebe es einen Zeugen, erklärte der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Kentucky, Daniel Cameron. Als sie keine Antwort erhielten, hätten sie die Tür aufgebrochen. In der Wohnung hätten sie einen Mann und eine Frau angetroffen.

Der Mann - Taylors Freund - habe als Erster geschossen und einen der Beamten am Bein verletzt. Daraufhin hätten die Polizisten das Feuer eröffnet und 32 Schüsse abgegeben. Sie trafen die unbewaffnete Breonna Taylor mindestens fünf Mal, ihren Freund nicht. Von den Kugeln, die die 26-jährige Rettungssanitäterin trafen, sei eine tödlich gewesen.

Einer der Polizisten habe zehn Mal von außerhalb der Wohnung geschossen und einige seiner Kugeln hätten die Nachbar-Apartments getroffen, sagte Cameron. Der Beamte wurde wegen "mutwilliger Gefährdung" in drei Fällen angeklagt. Dafür drohen ihm dreimal bis zu fünf Jahre Haft.

Zugleich bleiben Fragen rund um den Fall. So werden die Umstände rund um die Ausstellung des Durchsuchungsbefehls weiterhin untersucht. Es ging dabei um eine Person, die sich nicht in der Wohnung aufhielt. Auch gab Taylors Freund an, dass er zwar ein Klopfen an der Tür gehört habe - aber nicht, dass es sich dabei um die Polizei gehandelt habe. Er sei von Einbrechern ausgegangen.

Enttäuschung und Wut nach der Anklage-Entscheidung

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden und seine Vizekandidatin Kamala Harris sprachen sich nach der Entscheidung für eine Reform der Polizei aus. Die Justizentscheidung beantworte die Frage nach Gerechtigkeit nicht, teilte Biden mit. Der Einsatz von exzessiver Gewalt und Würgegriffen durch die Polizei sowie Haftbefehle und das Eindringen ohne zu klopfen oder zu klingeln - an diesen Stellen müsste die Polizei reformiert werden. Auch Harris sprach sich auf Twitter dafür aus, den Einsatz sogenannter no-knock-warrants zu überarbeiten.

Die Stadt Louisville hatte sich vergangene Woche in einem Zivilverfahren mit Taylors Familie auf eine ungewöhnlich hohe Vergleichszahlung von zwölf Millionen Dollar geeinigt. Zugleich stellte sie Reformen bei der Polizei in Aussicht.

Er verstehe den Schmerz durch den Tod Taylors, sagte der Generalstaatsanwalt, der selbst schwarz ist. "Aber Strafgesetze sind nicht dazu gemacht, auf jeden Schmerz und Verlust einzugehen." Er rief dazu auf, nur friedlich zu protestieren.

Schon zur Verkündung der Entscheidung hatten sich Demonstranten in der Innenstadt von Louisville versammelt. Die Anklage-Entscheidung wurde mit Enttäuschung und Wut aufgenommen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. In der Stadt formierten sich Protestmärsche, nach ersten Zusammenstößen mit der Polizei wurden mehrere Demonstranten festgenommen. Die Behörden hatten aus Angst vor Ausschreitungen bereits vorsorglich die Nationalgarde nach Louisville beordert und Sperren errichtet.

© SZ/AP/dpa/Reuters/jobr/jsa
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