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Pakistanisches Mädchen verhaftet:Bei Gotteslästerung droht die Todesstrafe

Tatsächlich ist es in Pakistan in jüngerer Vergangenheit bei Vorwürfen der Gotteslästerung häufig zur Lynchjustiz gekommen: Im Juli holte eine Menschenmenge einen Mann, der wegen eines mutmaßlichen Blasphemie-Vergehens von den Sicherheitskräften verhört wurde, aus einer Polizeistation, prügelte ihn zu Tode und verbrannte seinen Körper. Im vergangenen Jahr wurde der Gouverneur der Provinz Punjab von seinem eigenen Leibwächter erschossen, weil er für eine Reform des Blasphemie-Gesetzes eingetreten war. Der christliche Minister für Minderheiten wurde vor seinem Haus ermordet - er hatte sich für eine Frau eingesetzt, die nach Blasphemie-Vorwürfen in Haft gekommen war. Und auch die inzwischen als pakistanische Botschafterin in den USA tätige Politikerin Sherry Rehman war in ihrer Heimat bedroht worden, weil sie sich gegen das drakonische Gesetz aufgelehnt hatte.

Die Blasphemie-Gesetze in Pakistan hatte Militärdiktator Zia ul-Haq in den Achtzigerjahren verschärft. Wer sich der Gotteslästerung schuldig macht, kann sogar hingerichtet werden - auf dem Rechtsweg ist dies allerdings noch nie geschehen.

Rimshas Fall wirft eine Reihe von Fragen auf. So hatten die Sicherheitskräfte zunächst erklärt, das Mädchen sei 16 Jahre alt und damit auch schuldfähig, falls ihm die Tat nachgewiesen werden könne. Laut anderen Polizeiquellen soll es erst elf Jahre alt sein, in pakistanischen Medien hieß es, es leide unter dem Down-Syndrom. Rimshas Anwalt Tahir Naveed Chaudhry wiederum sagte, es sei 14 Jahre alt und habe einen verminderten Intelligenzquotienten. In Pakistan ist es nicht ungewöhnlich, dass Kinder keine Geburtsurkunde haben. Wenn der Fall überhaupt vor Gericht verhandelt werden müsse, gehöre er vor ein Jugendgericht, sagte Chaudhry.

Auch Rimshas Vater Misrek Masih hatte über den Vorfall in dem Kampagnen-Netzwerk Avaaz berichtet. Ein wütender Mob habe seine Tochter "bei lebendigem Leib verbrennen" wollen. Sie sei noch minderjährig und leide "an einer geistigen Behinderung". Die gesamte Familie fürchte nun um ihr Leben: "Wir sind eine arme christliche Familie und sind aufgrund dieses Vorfalls Racheakten ausgesetzt", erklärte er.

© SZ vom 04.09.2012/mkoh

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