Ostukraine OSZE gibt Entwarnung - zweites Team in Sicherheit

+++ Das zweite vermisste OSZE-Team ist wieder in Donezk eingetroffen +++ Ukrainischer Präsident Poroschenko soll auf Einladung Hollandes an den D-Day-Feierlichkeiten in Frankreich teilnehmen +++ Medienberichte: Tschetschenen unter prorussischen Kämpfern - Kadyrow widerspricht +++

  • OSZE gibt Entwarnung bei zweitem vermissten Team
  • Frankreich lädt den neuen Präsidenten der Ukraine ein, den 70. Jahrestag der Alliierten-Landung in der Normandie zu feiern - auch Putin soll kommen
  • Unter den prorussischen Separatisten sollen sich Kämpfer aus Tschetschenien befinden

OSZE stellt Kontakt zu zweitem Team wieder her: Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat am Mittwoch vorübergehend den Kontakt zu einem weiteren Beobachterteam im Osten der Ukraine verloren. Gegen Mittag sei die Verbindung zu elf Mitarbeitern abgebrochen, die von Donezk nach Dnjepropetrowsk unterwegs gewesen seien, teilt die OSZE in Wien mit. Am Abend traf das Team aber wieder in Donezk ein. Schon zuvor hatte die Organisation den Kontakt zu einer anderen Gruppe mit vier ihrer Mitarbeiter verloren und einen Abzug erwogen. Nach Angaben des deutschen OSZE-Sondergesandten Wolfgang Ischinger gibt es noch keine neuen Anhaltspunkte, wo die vier Männer sind. "Wir wissen nicht genau, wo sie stecken. Sie sind nach allem, was man vermuten kann, in den Händen einer der Separatistengruppen", sagt Ischinger im ZDF. Sollte es für die Beobachter dauerhaft zu gefährlich in dem Land werden, müsste man über einen Abzug nachdenken. Für die Organisation sind derzeit 282 Beobachter in der Ukraine im Einsatz und sammeln Fakten zur Sicherheitslage. Ende April waren internationale Militärbeobachter, darunter vier Deutsche, von Separatisten in Slawjansk tagelang als Geiseln festgehalten worden.

Hollande lädt Poroschenko zu D-Day-Feierlichkeiten ein: Frankreichs Staatschef François Hollande hat den neuen Präsidenten der Ukraine, Petro Poroschenko, zu den Feiern zum 70. Jahrestag der Alliierten-Landung in der Normandie eingeladen. Hollande habe die Einladung für den 6. Juni in einem Telefonat ausgesprochen, teilt der Elysée-Palast mit. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin wird erwartet. Zuvor hatte Poroschenko den Zustand in der Ostukraine als "Krieg" bezeichnet. "Die Anti-Terror-Operation hat endlich richtig begonnen", sagte er der Bild-Zeitung. "Wir werden diesen Schrecken beenden, hier wird echter Krieg gegen unser Land geführt." Er sehe es als seine vorrangige Aufgabe an, die Ukraine zu retten. Eines der Ziele des Einsatzes der Regierungstruppen im Osten sei, die Separatistenführer festnehmen zu lassen. "Aber klar ist auch: Wenn schwer bewaffnete Kämpfer auf unsere Soldaten schießen, dann muss sich unser Militär wehren." Poroschenko kündigte einem Bericht der Kyiv-Post zufolge an, dass er es zu einer der obersten Prioritäten seiner Präsidentschaft machen werde, die ukrainische Armee zu stärken.

Ukraine im Umbruch Die Regierung schlägt zurück
Ukraine-Konflikt

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Nahe Donezk haben ukrainische Soldaten den prorussischen Separatisten die Kontrolle des strategisch wichtigen Flughafens wieder entrissen. Doch die Aufständischen besetzen weiterhin Zufahrtswege und Gebäude. Die Schlacht geht weiter.   Eine Reportage von Florian Hassel

Möglicherweise Kämpfer aus Tschetschenien in Ostukraine: Nach den Kämpfen vom Montag in Donezk mehren sich Berichte, dass sich unter den prorussischen Kämpfern auch Ausländer befinden. So seien unter den Getöteten Serben sowie Russen aus der Konfliktregion im Nordkaukasus, etwa aus dem früheren Kriegsgebiet Tschetschenien, identifiziert worden, sagt der Militärexperte Dmitrij Tymtschuk. Korrespondenten von CNN, Financial Times und New York Times sprachen mit Kämpfern, die von sich selbst sagen, aus Tschetschenien zu kommen. "Unser Präsident hat uns den Befehl gegeben. Sie haben uns gerufen und wir sind gekommen", wird einer von ihnen zitiert. Präsident Ramsan Kadyrow widerspricht jedoch: Jeder Tschetschene in der Ukraine sei aus persönlichen Gründen dort.

ARD und ZDF ziehen Teams ab: Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ziehen vorerst ihre Teams aus Donezk ab, weil sich die Sicherheitslage in der Ostukraine "enorm verschlechtert" habe. Die Berichterstattung bleibe aber von anderen Orten aus gewährleistet, teilten WDR und ZDF mit. Laut Auswärtigem Amt seien Medienvertreter besonders gefährdet, von separatistischen Kräften festgehalten zu werden. Vergangene Woche war ein italienischer Journalist getötet worden.

Keine Hinweise auf amerikanische Söldner: Der Bundesregierung zufolge gibt es in der Ostukraine "keine Anhaltspunkte für Tätigkeiten" der privaten US-Sicherheitsfirma Academi, ehemals Blackwater, "oder anderer privater amerikanischer Sicherheitskräfte". Das heißt es in einer vertraulichen Mitteilung. Anfang Mai hatte der Bundesnachrichtendienst im Kanzleramt vorgetragen, auf Seiten der ukrainischen Armee und der Polizei agierten angeblich Hunderte Kämpfer von Academi.

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