Österreichischer Rechtspopulist Strache schmäht seine Gegner

Geheuchelte Liberalität und Toleranz

Zu Straches Repertoire gehört auch die Vortäuschung von Toleranz. Bei Ihm hört sich das an diesem Abend so an: "Wir lehnen linken und rechten Extremismus ab". Der Beifall ist verhalten, aber darum geht es nicht. Er hat den Satz gesagt. Wenige Minuten später wettert er gegen "die Islamisierung", die dem Land drohe. Strache behauptet, er habe nichts gegen Ausländer, die in Österreich leben wollen. Wenn sie sich integrierten, die Sprache lernten, Steuern zahlten und erst nach vielen Jahren Sozialleistungen in Anspruch nehmen würden. Er entwertet selbst diese Aussage mit einem platten Angstmacherspruch: "Bevor die (die Regierung, Anmerkung der Redaktion) die Bevölkerung austauschen, tauschen wir die Politiker aus." Er sagt, sexuelle Orientierung sei Privatsache. Und entlarvt seine Toleranz-Sätze als bloßes Gerede, weil er gleich hinterherschiebt: "Ich oute mich als hetero". Und: "Das ist schon ein Minoritätenprogramm" in diesen Zeiten. Ein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben könne es nicht geben. Kinder bräuchten Vater und Mutter.

Verächtlichmachung von Gegnern

Strache schmäht wie sein politischer Ziehvater Jörg Haider gerne seine Gegner. Die Grüne Spitzenkandidatin Eva Glawischnig sei "hasserfüllt gegen die eigene Heimat", ÖVP-Frontmann Michael Spindelegger lüge, weil er ihm - Strache - nicht in die Augen schauen könne. Und Bundeskanzler Werner Faymann habe "alle Versprechen gebrochen" und "verraten". Strache ahmt Faymann als kreischendes Gegenüber nach. Rote, Schwarze und Grüne seien dem Euro hörig, wie "eine Sekte". Die SPÖ sei eine "Islamismuspartei geworden". Strache macht seine politischen Mitbewerber herunter, er ist enthemmt.

Personenkult und Retterimage

So wie einst die FPÖ Jörg Haider in den Mittelpunkt gestellt hat, fröhnt die Partei nun dem HC-Personenkult. Alles ist auf Strache ausgerichtet, den "starken Mann". Vor der Bühne recken die Anhänger zuvor verteilte Plastikschals mit HC-Aufdruck in die Höhe und tragen entsprechende Käppis. Er lässt sich besingen, posiert anfangs auf einem Podest wie ein Pop-Star. Hinter ihm blinkt ab und zu eine Leinwand mit platten Parolen auf, ansonsten ist zu sehen: HC Strache.

In seiner Rede kommen keine anderen Parteifreunde namentlich vor, er sagt mehrmals "ich und meine Partei". Ein Anführer muss reichen. Er verspricht, dass er "voran schreitet". Ein bisschen theatralisch wird er auch: Strache sagt, er wolle sich am Sterbebett von seinen Kindern nicht vorwerfen müssen, sie seien "Minderheit in der eigenen Heimat" geworden.

Strache kommt zum Ende. Er, der Chef der "blauen" FPÖ, bittet um Wählerstimmen. Regieren will niemand mit ihm, Straches FPÖ steht in Umfragen bei 20 Prozent. Trotzdem: Strache beschwört "ein blaues Wunder" am Wahltag.

Dann ist er fertig mit seinem rot-weiß-roten Angstprogramm. Strache hat sein Land schlecht geredet. Jetzt lacht er wieder. Fahnen werden verteilt, ein paar weitere Vertreter seiner Partei stehen auf der Bühne. Immerhin dürfen sie Fahnenschwenken. Otti stimmt noch einmal seine Ode an Strache an. Es folgt ein Konfettiregen, die Zuhörer drehen sich um, denn es dringen Protestrufe zu ihnen.

Einen Steinwurf weiter, hinter Absperrgittern und einer stattlichen Anzahl von Polizisten, steht eine Gruppe junger Menschen und ruft "Nazis raus". Es sind nicht viele, aber ihr Lärm hallt schon seit Beginn von Straches Auftritt von den hohen Mauern des Stephansdoms wider.