Österreichischer Rechtspopulist Strache liebt alle - Österreicher

Empörung, Übertreibungen, Hetze

Manches, was Populisten so von sich geben, wäre ziemlich fade, wenn sie es vom Blatt ablesen würden. Zum Beispiel Wirtschaftsdaten, Statistiken über Kriminalität und Zuwanderung. Damit die Aufmerksamkeit der Zuhörer nicht flöten geht, verwendet Strache die banalen Mittel der Aufstachelung: Er empört sich über Dinge, die ohnehin verdammenswert sind ("Ehrenmorde", "Beschneidungen"), nur tut er so, als ob er der Einzige wäre, der dies anprangert. Er übertreibt Probleme ("90 Prozent" der Kinder aus türkischen Familien können kein Wort Deutsch bei der Einschulung). Teilweise hetzt Strache offen. Zum Beispiel, wenn er von "Asylbetrug" redet. Er sagt "Die betrügen uns" - also jeden einzelnen Österreicher. Es gebe eine "Asylindustrie". Die Regierenden und ihre verlängerten Arme in Ämtern und Nichtregierungsorganisationen würden jeden Antrag annehmen.

Hetze zwischen den Zeilen

Strache deutet manches nur an. Die Zuhörer können sich dann den Rest denken. Zum Beispiel wenn er die in Griechenland geborene Wiener Vize-Bürgermeisterin und Grünen-Politikerin Maria Vassilakou erwähnt. Der SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl habe "der Vassilakou" das Regieren längst überlassen. Und dass sie besser in Griechenland Politikerin geworden wäre. Er wettert auch gegen die Regierung, die "Nächstenliebe mit Bankenspekulanten in Brüssel" praktiziere.

Abkupfern bei anderen

Strache bedient sich ungeniert bei anderen Politikern demokratischer Parteien, vor allem bei der FDP: Er spricht davon, dass es mehr "Netto vom Brutto" geben müsse und dass die Grünen eine "Verbotspartei" sei. Von der Kirche hat er sich das Motto seiner Kampagne abgekupfert das da lautet: "Nächstenliebe". Strache bezieht "Liebe deine Nächsten" allerdings nicht auf alle Menschen - sondern nur auf "unsere Österreicher". Mit der rechtsextremen NPD hat Straches FPÖ übrigens den Slogan "Die soziale Heimatpartei" gemeinsam.

Alle stecken unter einer Decke

Verschwörungstheorien sind bei Demagogen eine prima Erklärung, warum es so viel Widerspruch gibt. Bei Strache sind es vor allem die Medien die Dinge über ihn und seine Partei "verdrehen" und "in ein falsches Licht" rückten. Im Laufe seiner Rede erwähnt er auch noch Meinungsforscher, Verbände und - natürlich - die Parteien SPÖ, ÖVP und die Grünen. Alle stecken laut Strache unter einer Decke. Selbst die Kirchen kritisiert Strache, sie sollten sich mit politischen Äußerungen zurückhalten. Strache erwähnt als Beweis für die konspirative Anti-FPÖ-Mache den Wirbel um junge Männer, die bei einem Strache-Auftritt in Graz den rechten Arm reckten (Süddeutsche.de berichtete darüber). Der SPÖ-Nachwuchs hatte Fotos von einer Gruppe gemacht, die offenbar der rechten Szene angehört. Strache sieht den Verdacht, sie hätten den Hitlergruß gezeigt, als widerlegt an. Denn die Polizei hat die Ermittlungen eingestellt nach nur einem Tag.