Die Ära Kurz (Teil 1):Herz Bube

27-year-old to become new Austrian Foreign Minister; Die Ära Kurz - Teil 1

2013 ist Sebastian Kurz 27 Jahre alt, Staatssekretär - und auf dem Sprung ins Ministeramt.

(Foto: Georg Hochmuth /APA/dpa, Bearbeitung: SZ)

"Verarschung", "Denkfehler", "PR-Gag": Sebastian Kurz war eine Lachnummer in Österreichs Politik. Entgegen aller Prognosen gelang ihm dennoch ein steiler Aufstieg. Start der SZ-Serie "Die Ära Kurz".

Von Cathrin Kahlweit

Wir blicken auf die Karriere von Sebastian Kurz - mit Originaltexten von 2013 bis heute. Lesen Sie hier Teil eins der SZ-Serie "Die Ära Kurz", mit einem Text, der am 28./29. September 2013 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist.

Es war einmal ein junger Mann, der auszog, das Fürchten zu lernen. "Ach, wenn es mich nur gruselte", rief er, "ach, wenn es mich nur gruselte." Er überlebte viele Abenteuer, fürchtete weder Tod noch Teufel und errang zum Schluss die Königstochter. Was ihm fehlte in diesem Märchen der Brüder Grimm? Die Vorstellung davon, was schiefgehen könnte. Er spielte, der Einsatz war hoch. Und er gewann.

Als Sebastian Kurz auszog, das Fürchten zu lernen, war er 24 und gerade über Nacht zum Staatssekretär der Republik Österreich geworden. Der damalige Vizekanzler in der großen Koalition und ÖVP-Parteichef, Josef Pröll, hatte nach einer Lungenembolie sein Amt abgeben müssen, Außenminister Michael Spindelegger, der jetzige Kanzlerkandidat der Konservativen, übernahm - und steckte Kurz in ein Amt, das es zuvor noch nicht gegeben hatte: Integrations-Staatssekretär.

"Ich wusste, wenn das schiefgeht, wird nie wieder ein Junger irgendwas", sagt Kurz heute.

Um es vorwegzunehmen: "Das" ging nicht schief. Sebastian Kurz ist jetzt der Jungstar, den jeder mag, den auch die Alten machen lassen. Die Partei schickt ihn vor, um sich ein lässiges Image zu geben und um junge Leute anzulocken. Und: Nach der Nationalratswahl an diesem Sonntag könnte Kurz der jüngste Minister der Republik sein, wenn die ÖVP in der Regierung bleibt, wovon Meinungsforscher ausgehen. Dem Mann wird viel zugetraut, mancher hält ihn in absehbarer Zeit gar für kanzlerfähig. Dabei ist er gerade 27 geworden. Ganz schön viele Vorschusslorbeeren. Wie macht er das?

Einst machte er Wahlkampf mit dem Slogan: "Schwarz macht geil". Das Echo war gigantisch

Während draußen der Wahlkampf tobt, sitzt Sebastian Kurz in seinem Büro im Innenministerium am Minoritenplatz. Er wirkt nett, aufgeräumt und ausgeruht. Auf dem Weg hinein hat er jede Sekretärin einzeln begrüßt und die türkische Putzfrau, die er am Aufzug traf, nach ihrem Wohlergehen gefragt. Hier kommt einer, soll das zeigen, der lebt, was er ist: charmant, frei von Arroganz, einer zum Anfassen und Duzen. Gern erzählt Kurz von seinem Werdegang, die alten Gruselgeschichten hören alle gern. Aber: "Ich möchte nicht auf meine Anfänge reduziert werden. Das ist vorbei." Er ist jetzt erwachsen.

Im Frühjahr 2011 hätte kaum jemand darauf gewettet, dass Kurz seine politischen Abenteuer überlebt. Er war Jurastudent und Chef der Jugendorganisation Junge ÖVP. Er wollte - ohne Titel, akademischen Grad und echte Hausmacht - mitreden in einer von Bauern, Beamten und Wirtschaftsbossen dominierten Partei. Er sollte einen Job ausfüllen, der im Innenministerium angesiedelt ist, bei der Hardlinerin in Ausländerfragen, Johanna Mikl-Leitner. Er sollte den Aufklärer geben, Fremdenhass bekämpfen und dem rechten Rand, der in Österreich sehr stark ist, den Wind aus den Segeln nehmen.

Nicht lange zuvor hatte er noch mit seiner Parteijugend Wahlkampf gemacht - mit dem Slogan "Schwarz macht geil" und einem Geilomobil. Das kam ungefähr so gut an wie einst das Guidomobil der FDP in Deutschland. Eine Lachnummer, unseriös. Also zurück auf Anfang. Neustart.

Dazu braucht es entweder viel Chuzpe. Oder man muss bereit sein, sich benutzen zu lassen: als buntes Aushängeschild für eine Hierarchentruppe und als Blutspender für eine anämische Volkspartei.

Die ersten Reaktionen damals waren jedenfalls gigantisch. Gigantisch negativ. In Zeitungs-Kommentaren war die Rede von "Verarschung", "Denkfehler", "PR-Gag". Auf der Beliebtheitsskala aller Politiker stand Kurz in den ersten Wochen ganz rechts außen, da, wo die Popularitätskurve in tiefste Minus-Werte umschlägt. Spindelegger habe die Sache wohl damals auch unterschätzt, sagt heute Kurz lakonisch. "Ich war fertig. Aber ich habe nicht mehr zurückkönnen." Tagelang hätten die Boulevardmedien ihn durch den Kakao gezogen. "So viele Schlagzeilen hintereinander hatte nicht mal Fukushima."

Die Causa Kurz hat - vorerst - ein gutes Ende genommen. Er ist mittlerweile einer der beliebtesten Politiker, gleich nach dem Bundespräsidenten und der Parlamentspräsidentin. Und, Ironie des Schicksals, vor Michael Spindelegger. Der Kommentator, der einst von Verarschung sprach, hat Abbitte geleistet. "Die letzte Hoffnung des bürgerlichen Wien" schreibt die Presse heute, da die ÖVP vor der Wahl irgendwo zwischen 22 und 26 Prozent pendelt. Der Student aus Wien, der schon mit 16 lieber in einer Partei mitmischen als in einer Schülervertretung mitreden wollte, hat sich als politisches Naturtalent erwiesen. Und er spielt seine Rolle als Jungstar irritierend perfekt.

Das ist im Wahlkampf täglich zu besichtigen. Der politische Wettkampf wird in Österreich eher grob ausgetragen, Säbel statt Florett. Die ÖVP ist, in der einen oder anderen Formation, seit drei Jahrzehnten an der Macht, viele Rechnungen sind offen, neue Ideen Mangelware. Die gerupfte Volkspartei schielt blass vor Neid nach Deutschland. Daheim ist ihr Konkurrenz erwachsen: die liberalen Neos, die dem Land ein paar Reformen abtrotzen wollen, und das Team Stronach mit dem alten Milliardär Frank Stronach, der wahllos in allen Lagern fischt. An beide wird man Stimmen abgeben. Es sieht nicht gut aus.

Also muss Kurz ran, er kommt im Fernsehen und bei Talkshows gut rüber. Die große Bühne meidet er in der Regel, die Rampensau im Bierzelt passt nicht zu seinem smarten Image. Aber beim Wahlkampfauftakt der ÖVP Anfang September - Messehalle, Blasmusik, aufgesetzte Zuversicht - hat die Parteitagsregie dafür gesorgt, dass er direkt vor der Bühne sitzt. Bei jedem Kameraschwenk über den Saal ist er zu sehen. Später wird er auf der Bühne als Warm-up für den Kanzlerbewerber eingesetzt. Die Partei zeigt Kurz gern vor, und der macht, wie immer, eine gute Figur. Lässig, die Hand in der Hosentasche, ein Lächeln auf den Lippen. Hier steht einer, der seinen Wert und seine Wirkung kennt. Angeborene Selbstsicherheit. Eleganter Anzug, spitze Schuhe, offenes Hemd, die Haare ein wenig schnöselhaft nach hinten gekämmt, er lacht sein jungenhaftes Lachen und sagt, was er immer sagt: dass Spindelegger Mut bewiesen habe, als er ihn, den 24-Jährigen, zum Staatssekretär gemacht habe, und dass er ihm dankbar sei. Das kommt an, der Kandidat als Visionär und Mentor, sein Protegé als dankbarer Eleve. "Unser schönstes Regierungsmitglied", wispert eine Frau im Publikum.

Er hält Frauen die Tür auf, fällt seinem Gegner nicht ins Wort und entschuldigt sich gerne und oft

Dann macht Kurz einen Witz über den amtierenden Kanzler, Werner Faymann, und sagt, schon Angela Merkel habe ihre Erfahrungen gemacht mit dem Kollegen aus Wien: "Wenn er zu mir ins Büro kommt, dann hat er meist keine Meinung. Und wenn er hinausgeht, dann hat er meine Meinung" - genau das habe die Deutsche über den Österreicher gesagt.

Das Publikum lacht. Kurz ist eigentlich kein Frecher, er ist ein höflicher Mensch, Typ Sohn aus gutem Hause. Genau da kommt er auch her: Seine Eltern, eine Lehrerin und ein Ingenieur aus dem bürgerlichen Vorort Meidling, seien nett, aber unpolitisch, hatte er zuvor in seinem Büro erzählt; sie hätten ihn zur Toleranz erzogen. "Ich bin kein binärer Typ, der nur 0 und 1 kennt." Also hält er Frauen die Tür auf und lässt in Debatten seinen politischen Gegnern bei Antworten den Vortritt. Er unterbricht nicht, er entschuldigt sich oft. Vielleicht hat ihm auf dem Parteitag jemand den despektierlichen Faymann-Witz in den Mund gelegt. Aber er hat performt.

Er performt immer gut. Sein Job ist die Integration von Migranten. In Österreich war Migration lange ein Synonym für: Probleme. Ausländerhass, Asylbewerber, Parallelgesellschaften, Abschiebungen, Überfremdung. Der Rechtspopulist Jörg Haider hatte hier eine rüde Tonlage gesetzt; auch im aktuellen Wahlkampf versucht die FPÖ, mit fremdenfeindlichen Slogans zu punkten. "Liebe deine Nächsten", ist auf den Plakaten der Freiheitlichen neben dem Kopf von Parteichef Heinz-Christian Strache zu lesen; darunter: "Für mich sind das unsere Österreicher." Seine Lösung für Probleme wie Arbeitslosigkeit und Kriminalität ist: "Minuszuwanderung". Derzeit steht die FPÖ bei 20 Prozent.

Kurz hat schnell den Ton geändert, den Furor rausgenommen und die Ideologie. Integration ist jetzt gut. Erwünscht. In einem politischen Salon im Novomatic-Forum am Naschmarkt, in dem das Wiener Bürgertum über die Frage sinniert, ob "Europa das weltweit größte Friedensprojekt" sei, platziert der Staatssekretär einen Schockeffekt: "1,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Österreich; 140 000 Ausländer kommen jedes Jahr dazu." Das Publikum neigt besorgt die Köpfe. Ganz schön viel, gerechnet auf acht Millionen Inländer. Diese vielen Ausländer, wer soll das bewältigen? Kurz kennt den Effekt, er nutzt ihn: "Die größte Gruppe von ihnen sind Deutsche", ruft er, "60 Prozent kommen aus der EU, gut ausgebildete Leute, die hier arbeiten." Überraschung. So viele fleißige Menschen. "Nicht mal 20 Prozent sind Flüchtlinge", fügt Kurz eilig hinzu. "Und 100 000 verlassen jedes Jahr unser Land." Für den Moment sind auch die Skeptiker auf seiner Seite.

Kurz redet über Kindergärten und Deutschunterricht, er redet über Ehrenämter und Leistungsbereitschaft, über fleißige Neu-Österreicher. Er hat, mit Rückendeckung von oben, mehr Sprachförderung in Kindergärten durchgesetzt, die leichtere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, schnellere Einbürgerungen.

Asyl, Abschiebungen, tote Flüchtlinge im Mittelmeer - alles nicht sein Thema. Sebastian Kurz hat sich auf die guten Nachrichten verlegt. Jeder mag gute Nachrichten. Vor allem bei schwierigen Themen.

Dafür sind ihm sogar SPÖ und Grüne dankbar. Klar gibt es Kritik, massiv sogar. "Zu kurz gesprungen" sei sein Ansatz, kritisieren Medien und Gegner. Kurz sei vor allem ein "Prinz Gutgelaunt". Seine Erfolge seien - aus Mangel an Mitteln und Kompetenzen - weitgehend symbolisch. Das neue Staatsbürgerschaftsrecht unterstelle, nur ein sehr gut Deutsch sprechender, zivilgesellschaftlich engagierter Migrant könne ein guter Österreicher sein.

Der junge Autor Inan Türkmen hat ein Buch über Türken in Österreich geschrieben, er wütet über den "Show-Man" Kurz: "Der redet über Integration, als hätte er sie erfunden. Der kennt den Alltag nicht. Ich bin qua Pass und im Herzen Österreicher, warum komme ich trotzdem nachts in keinen Klub rein?"

Der Popularität des Integrationsstaatssekretärs schadet das nicht. Und der Sache hat er genützt - das ist viel wert in einem Land, in dem FPÖ-Mann Strache im ORF gegen die "Islamisierung des Landes" wettert und bei Veranstaltungen der FPÖ bisweilen der Hitlergruß gezeigt wird. Die grüne Spitzenkandidatin Eva Glawischnig lobt: Der ÖVP-Kollege habe dazu beigetragen, dass die Debatte sachlicher geführt werde. Die Zeit, in der man gar nicht über die Probleme von Migranten geredet habe, sei ebenso vorbei wie die Zeit der aufgebauschten Ängste.

In der ÖVP hofft man, dass dies vielleicht der Weg ist, wie man junge Leute wieder für Parteipolitik interessieren könnte: weniger Agitation, mehr Pragmatismus. Ein bisschen peppiger werden, aber nicht zu viele Experimente. Anderswo klappt das ja auch: Bei den deutschen Piraten ist die Luft raus. Stattdessen hat sich bei der Bayern- und eine Woche später bei der Bundestagswahl die Mehrheit der Jungwähler für die Union entschieden. Und: In Deutschland hat auch schon manche Jungpolitikerin gezeigt, wie man sich früh gegenüber Patriarchen profiliert. Kohls Mädchen ist heute Mutti - und Kanzlerin.

Auch in Österreich gab es zuletzt ein paar Versuche, Politiknachwuchs ins Rampenlicht zu schieben. Die sind eher schiefgegangen. Nur der U-30-Politiker Kurz hat es geschafft. Das hilft erst mal ihm selbst. Ob aber das Kalkül seiner Partei aufgeht?

Die Hälfte der Zwölf- bis 24-Jährigen fühlt sich laut Umfragen von Österreichs Politikern vernachlässigt. Ein Viertel der unter 30-Jährigen will gar nicht wählen - und von denen, die es tun, fand lange eine Mehrheit die ausländerfeindliche FPÖ gut. Kurz soll das drehen. Wenn nicht heute, dann in Zukunft. "Politik ändern, Zukunft wählen" - mit diesem Spruch wird für ihn geworben. Wenn einem wie ihm so früh Verantwortung übertragen wird, soll das zeigen, dann lohnt es, sich für Politik zu interessieren, ja sogar in die Politik zu gehen.

Drei taktische Botschaften stecken in dieser Karriere: Politik kann jung, gut aussehend und erfolgreich sein. Nicht alles in der Parteien-Demokratie ist Anpassung und Unterwerfung, ist Kompromiss und Ochsentour. Und: Man muss sich nicht nur anbiedern und versuchen, Politik abseits von Parteihierarchien und Parteiprogrammen zu verkaufen. Es geht auch klassisch.

Der Moderator würde ihn gerne provozieren. Aber Kurz zuckt nur unaufgeregt mit den Schultern

Warum Sebastian Kurz der richtige Mann für diese Eigenwerbung der politischen Klasse ist? Weil er öffentlich nie widersprechen würde. Vielleicht ist es das, was viele Menschen zögern lässt, ihn einfach nur toll zu finden. Er ist geschickt, intelligent - und brav. Er begeistert sich für "bürgerliche Werte". Im "Salon Z" über dem schicken Café Landtmann, wo "Next Generation Politics" diskutiert wird, zeigt er dem Publikum, was das heißt: "Ich stehe nicht auf der Straße und demonstriere." Er sei kein Revoluzzer, sondern wolle seine Partei von innen heraus reformieren. Ein individueller Marsch durch die Institution, sozusagen. Der Moderator versucht, ihn zu provozieren, fragt, warum sich ein junges Talent wie er nicht eine Partei mit mehr Sexappeal ausgesucht hätte, eine Frau ruft keck in den Saal: "Er hatte die Wahl zwischen gaga und öd." Kurz zuckt die Schultern, bleibt unaufgeregt. Er versteht nicht, wofür er sich rechtfertigen soll. Er tut doch niemandem weh, oder?

Manch einer im Publikum ist irritiert. Kurz habe seine Pubertät offenbar lieber im Parteiklub als im Jugendklub verbracht, murmelt eine Zuhörerin. Ist der Mann ein Politikjunkie ohne eigenes Leben? Eine Art männliche Kristina Schröder, die Noch-Familienministerin, die schon mit 14 Poster von Helmut Kohl über dem Bett hängen hatte? Hätte man so einen als Sohn, sinnieren zwei Zuhörer, würde man dann nicht sagen: "Mann, Junge, lass mal richtig krachen"?

Kurz lächelt dazu still - und sagt: nichts.

Der Hoffnungsträger macht Politik nicht grundsätzlich anders als andere, das würde die ÖVP auch gar nicht zulassen. Ein "Demokratiepaket" für mehr Bürgerbeteiligung, das er im Auftrag der Parteigranden entwerfen dufte, wurde - wie so viele überfällige Reformen in Österreich - in die Gremien verräumt. Ansonsten hat Kurz Berater, die ihn von Grundsatzdebatten fernhalten; dazu fehlt ihm das Rüstzeug. Er nutzt den Welpeneffekt, der Beißhemmungen beim Gegner auslöst. Auf einer privaten Veranstaltung in der Wiener Villa der Familie Thonet, zwischen den berühmten Stühlen und moderner Kunst, soll er darüber sprechen, ob und wie sich die ÖVP reformieren könne: zu wenig neue Ideen, zu mächtige Vorfeldorganisationen, zu wenig innerparteiliche Demokratie. Der Auftritt ist kein Heimspiel. Aber er weiß, wann Schluss ist: "Ich glaube nicht, dass ich als 27-Jähriger die ÖVP regiere."

Wer auf zu vielen Hochzeiten tanzt und zu viel preisgibt, der steht schnell auf der Abschussliste. Wer hochgeschrieben wird, kann schnell abstürzen. Wer zu viele Ansprüche stellt, wird abgestraft. Kurz setzt auf Demut statt Hybris, demonstrativ. "Mir ist relativ egal, wie viel ich verdiene. Oder welche Funktion ich habe. Ich kann mir gut vorstellen, aus der Politik auszusteigen und mein Arbeitsleben in der Anonymität zu verbringen." Von ihm gibt es keine Homestorys, kaum private Informationen. Keine schrillen Fotos. Seine Freundin - tabu. Seine Ausbildung? Bei einer öffentlichen Veranstaltung merkt er an, er müsse noch zwei Scheine machen für sein Studium. Das muss reichen als Auskunft.

Die Grande Dame der österreichischen Presse, Anneliese Rohrer, rät dem jungen Mann in einem Kommentar dennoch, für eine Weile aus der Politik auszusteigen, er sei sonst bald verschlissen. "Kurz würde sich selbst einen Dienst erweisen, wenn er die nächsten Jahre zur Festigung von Sachkompetenz, Studienabschluss und Erweiterung des Horizonts über die Türen eines Parteilokals hinaus nützen würde. Er hatte es in den letzten Jahren richtig bequem, konnte sein Kommunikationstalent nützen und musste nichts durchsetzen."

Er selbst sagt, zurück im Innenministerium, er könne sich gut vorstellen, in zehn Jahren etwas anderes zu tun. "Es geht mir um mein Anliegen, nicht um den Kult drum herum."

Sehr wahrscheinlich ist das nicht, wenn es weiter so gut für ihn läuft.

Diese Seite Drei ist zuerst am 28./29. September 2013 in der Süddeutschen Zeitung erschienen. In der Serie "Die Ära Kurz" blicken wir auf die Karriere von Sebastian Kurz - mit Originaltexten von 2013 bis heute. Lesen Sie hier Teil zwei.

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