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Österreich-Kolumne:Viel passiert

Der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Wahlkampf 2020.

(Foto: Bearbeitung SZ/imago)

Strache, FPÖ, Kurz: Warum es nach dem Finale der Podcast-Serie "Going to Ibiza" eine Update-Folge gibt.

Von Vinzent-Vitus Leitgeb

Mein Großvater in Wien hat gerade seinen 78. Geburtstag gefeiert, nur wenige Tage zuvor ist meine Großmutter 80 geworden - zwei ausgezeichnete Anlässe, um sich zumindest kurz zu hören in diesen seltsamen Zeiten, in denen jedes Treffen Schwierigkeiten und Risiken bringt. Zu meiner Freude sagte mein Großvater, dass er mich zuletzt öfter gehört hatte, ohne dass ich angerufen hätte: im Podcast "Going to Ibiza", den ich mit meiner Kollegin Leila Al-Serori produziert habe.

Als wir für die Podcast-Serie im Sommer 2020 in Wien recherchierten, war ich zum bislang letzten Mal bei meinen Großeltern zu Besuch. Mehrmals hatte ich mich für ein paar Tage bei ihnen einquartiert. Trotz niedriger Inzidenzwerte haben wir uns meistens nur im Garten zusammengesetzt, mit Abstand, bei Palatschinken habe ich von den Interviews für die acht Podcast-Episoden erzählt. Einmal sind wir sogar essen gegangen, weil die Stadt Wien jedem Haushalt einen "Schnitzelgutschein" geschenkt hatte - offiziell, um die Wirtshäuser nach dem ersten Lockdown zu unterstützen. Aber fast genauso offiziell, um bei der damals anstehenden Landtags- und Gemeinderatswahl zu punkten.

Es war also kein schlechter Zeitpunkt, um in Wien zu sein. Und auch wenn der Wahlkampf damals nur bedingt etwas mit der Ibiza-Affäre zu tun hatte, war er für die Audio-Serie interessant. Wir schlagen ja in den acht Podcast-Folgen einen weiten Bogen: von der Zeit, als Jörg Haider den Rechtspopulismus prägte über Heinz-Christian Straches Aufstieg zum Vizekanzler, bis zu seinem Sturz über das Ibiza-Video und die Spesenaffäre. Am Ende wollten wir auch wissen, wieso er bei der Wiener Wahl Anfang Oktober ein Comeback versucht hatte- ohne den Rückhalt seiner früheren Partei, der FPÖ, die immer eine Art Familie für ihn war.

Ich will hier nicht viel mehr zum Inhalt der Folge 8 sagen, die wir nun als Finale der Serie veröffentlicht haben, aber ich verspreche: Es lohnt sich, die Episode zu hören; selbst wenn Sie wissen, wie die Wahl für Strache ausgegangen ist.

Seit der Aufzeichnung ist etwas Zeit vergangen. Aber in Österreich passiert ja immer so viel - also haben wir vor wenigen Tagen eine Zusatzfolge aufgenommen. Mit Cathrin Kahlweit, unserer Korrespondentin in Wien, sprechen wir in Folge 9 über Sebastian Kurz, die Korruptionsvorwürfe gegen die ÖVP und deren Corona-Politik. Außerdem geht es um die FPÖ ohne Strache, die eine Heimat für alle sogenannten Querdenker sein will. Und deren Spitzenpersonal, das zum Teil offenbar kein Problem damit hat, neben Rechtsextremen und bekannten Neonazis zu demonstrieren - wie am vergangenen Wochenende deutlich wurde.

Alles sehr österreichisch. Und vermutlich hat mein Großvater deshalb kurz geseufzt, als ich ihm beim Glückwunsch-Telefonat die Update-Folge ankündigt habe. Wirklich verübeln kann ich ihm diese Reaktion nicht. Über manche Dinge will man sich am 78. Geburtstag vermutlich wirklich keine Gedanken machen.

Diese Kolumne ist am 12. März 2021 auch im Österreich-Newsletter erschienen.

© SZ
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