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Ökumene:Die schwierige Annäherung von Katholiken und Protestanten

Ökumene - Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx

Ökumenisches Miteinander: Heinrich Bedford-Strohm (rechts) mit Kardinal Reinhard Marx.

(Foto: Corinna Kern/dpa)
  • Zum ersten Mal haben sich deutsche Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche beim Papst getroffen.
  • Obwohl das ein Zeichen der Annäherung ist, sind sich die beiden Kirchen in vielen Bereichen weiterhin uneins.

Premieren wohnt ja meist ein besonderer Zauber inne, selbst wenn sie nicht gelingen. In diesem Fall aber, beim ersten gemeinsamen Treffen von Spitzenvertretern der evangelischen und der katholischen Kirche Deutschlands beim Papst in Rom, so versicherten danach alle Teilnehmer, waren "Freude und Herzlichkeit" so üppig vorhanden, dass man von einem Gelingen ausgehen muss. "Das ging weit über die formellen Reden hinaus", sagte Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, nach der Begegnung vor den Medien.

Man hoffe nun, dass der Papst bald Deutschland besuchen werde. Eingeladen habe man ihn, die Wahl des Zeitpunkts liege natürlich ganz bei Franziskus. "Der Papst lächelte wohlwollend", sagte der evangelische Bischof. "Eine Antwort aber gab er keine", präzisierte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der gewissermaßen als Gast der evangelischen Delegation an der Privataudienz teilnahm. Es sei aber doch bemerkenswert, fand Marx, dass die evangelische Kirche den Papst nach Deutschland einlade - und das im 500. Jahr nach Martin Luthers Thesenaushang, dem Beginn der Reformation.

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Annäherung: ja, Anerkennung: nein

Das Jubiläumsjahr diente als Anlass und Rahmen für die Audienz. Franziskus hatte im vergangenen Oktober am Eröffnungsgottesdienst für das Gedenkjahr im schwedischen Lund teilgenommen. Auch das war eine Premiere. Noch nie hatte ein Papst an so einem evangelischen Großevent teilgenommen. Man könnte also denken, dass die Ökumene gerade große Schritte voran macht. Doch ganz so linear ist die Annäherung zwischen den beiden Kirchen und trotz allen lächelnden Wohlwollens nicht.

Das beginnt schon damit, dass Papst Franziskus wie schon seine beiden Vorgänger, Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die evangelische Kirche nicht als vollwertig ansieht, wie das den Protestanten lieb wäre, sondern nur als "kirchliche Gemeinschaft". In der Sache also, bei den theologischen Differenzen, hat sich auch unter diesem Papst noch nicht viel geändert.

So ist man noch immer weit davon entfernt, Einheit "sichtbar" zu machen. Ein Beispiel dafür wäre das gemeinsame Abendmahl von Ehepaaren mit gemischten Konfessionen. Die evangelische Kirche wünscht sich eine Öffnung, die Gespräche in den verschiedenen Gremien laufen, der theologische Prozess ist angeschoben.

Doch die katholische Kirche hat es da nicht eilig. Kardinal Marx sagte, man sei nicht zusammengekommen, um über konkrete Ergebnisse zu reden. Doch die Entscheidungsfindung sei komplex - gemeint war damit vor allem das verästelte Netzwerk von Instanzen auf der evangelischen Seite. Man wolle "dem Ganzen" aber einen neuen Schwung geben. "Am Ende dieses Jahres", sagte Marx, "soll kein Punkt stehen, sondern ein Doppelpunkt."

Gegner der Ökumene

In der Zwischenzeit arbeitet man nun daran, das Gemeinsame zu betonen, noch mehr Versöhnung zu schaffen. In dieser Hinsicht trage Deutschland, wo die Trennung der Kirchen damals ihren Lauf nahm, eine besondere Verantwortung. Der Papst sagte in seiner Rede, die Christen dürften nicht "mit Groll" auf die Vergangenheit schauen.

Allzu lange hätten sich Protestanten und Katholiken in Kämpfe verbissen, die durch politische Interessen und durch Machtstreben genährt worden seien. Seit einigen Jahrzehnten tue sich aber etwas bei der Ökumene. Darum könne man heute das Versagen der Einheit auch gemeinsam beklagen. Die Rede war von einem "geteilten Schmerz über die Trennung".

Doch nicht alle Gläubigen leiden an der Trennung der beiden Kirchen. Manche fürchten gar, dass mehr Ökumene zu einem Verlust der eigenen Traditionen führen könnte. Die Sorge ist in der kleineren evangelischen Kirche natürlich präsenter als in der größeren katholischen.

Unter Protestanten ist deshalb umstritten, dass ihre Spitzenvertreter ausgerechnet in diesem Jubiläumsjahr so aktiv die Nähe zur katholischen Kirche suchen. "Niemand muss Angst haben", sagte Bedford-Strohm, "sichtbare Einigung heißt nicht, dass alles in eine große Suppe gemischt wird." In diesem Zusammenhang fiel wieder einmal der Begriff der "versöhnten Verschiedenheit". Mehr als ein Schlagwort, fast schon ein Programm.

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