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Obama, Iran und die Atommacht Israel:Israel und sein nukleares Faustpfand

Obama verheißt den Menschen eine atomwaffenfreie Welt, doch dazu würde natürlich auch ein atomwaffenfreier Naher Osten gehören, in dem nicht nur Iran auf die Bombe verzichtet, sondern Israel seine Atomsprengköpfe vernichtet.

Das klingt gut, ist aber derzeit zutiefst unrealistisch. Denn erstens wird Israel sein nukleares Faustpfand in absehbarer Zeit nicht aufgeben, und zweitens läge das auch gar nicht im US-Interesse, weil dies die Balancen im Nahen Osten drastisch zu Lasten des Verbündeten verschieben würde.

Unter dem Strich ist also der Aufruf an Israel zur Unterzeichnung des Sperrvertrags nicht mehr als ein Versuch Obamas, sich über eine unübersehbar gewordene Glaubwürdigkeitslücke hinwegzuhangeln. Er will ein wenig Druck aus dem Kessel lassen.

Doch der Widerspruch bleibt - und er lässt sich auch nicht einfach dadurch auflösen, dass man die Gleichung zwischen Teheran und Jerusalem herstellt. Denn platt gesagt: Bombe ist nicht gleich Bombe.

Gelernt, mit der Bombe zu leben

Israels geheime Nuklearsprengköpfe, für die vor allem der spätere Friedensnobelpreis-Träger und heutige Präsident Schimon Peres verantwortlich zeichnet, gehören zur Realität des Nahen Ostens seit den sechziger Jahren.

Was immer man gegen die Politik der Jerusalemer Regierungen seither sagen kann - es bleibt festzuhalten, dass das Land in mehr als vier kriegerischen Jahrzehnten letztlich niemals der Versuchung erlag, die ultimative Waffe einzusetzen.

Einem Wüterich wie dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, der Israel notorisch mit Vernichtung droht, darf man wohl weniger nukleare Vernunft zutrauen.

Israel und mit ihm die Region haben gelernt, mit der Bombe zu leben.

In einem seit der Staatsgründung vor 62 Jahren permanent feindlichen Umfeld ist das Atomprogramm zur Rückversicherung eines Staates geworden, in dem heute sechs Millionen Juden mit der Erinnerung an die Vernichtung von sechs Millionen Juden leben.

Weil dabei das Psychologische alles Politische überlagert, würden sich die Israelis auch niemals mit einer amerikanischen Beistandsgarantie zufriedengeben, wie sie zum Beispiel Deutschland im Kalten Krieg genoss.

Wenn irgendwann Teheran über Atombomben verfügt, will Israel zumindest aus eigener Kraft ein Gleichgewicht des Schreckens schaffen können.

Das ist gewiss keine rosige, aber eine realistische Perspektive.

Erst wenn Israels Existenzrecht von allen seinen Nachbarn anerkannt wird und der jüdische Staat sich nicht mehr von Feinden, sondern von Freunden umringt sieht, kann die Vision von einer atomwaffenfreien Welt auch in Nahost ehrliche Verfechter finden.