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Obama, Iran und die Atommacht Israel:Das israelische Tabu

Israels geheime Atomwaffen sind die schwache Flanke von US-Präsident Obama im Kampf gegen Irans Bombe. Warum soll Jerusalem geduldet werden, was Teheran verboten ist?

Ein Tabu ist ein Gebot zur Heimlichkeit, dessen Verletzung schlimme Folgen hat. So glauben es jedenfalls viele Völker, die heutzutage eher als Wilde gelten.

Doch auch in den höheren Gefilden der Weltpolitik, wo den Akteuren ansonsten wenig heilig ist, gibt es Tabus: gefährliche Dinge, die am besten nicht angetastet werden. Ein solches Tabu sind - zumindest in Israel und im befreundeten Westen - auch die israelischen Atomwaffen. Jeder weiß, dass es sie gibt, aber keiner darf darüber reden. Nicht einmal der mächtigste Mann der Welt.

Obama macht es fast wie seine Vorgänger

So machte US-Präsident Barack Obama auch nicht gerade eine souveräne Figur, als er zum Abschluss seines anti-atomaren Weihefestes in Washington von einem Journalisten nach dem Unsagbaren gefragt wurde, nach Israels Nuklearprogramm. "Lassen Sie uns über die USA reden", beschied er den Fragesteller, "denn ich werde mich zu deren Programm nicht äußern."

Türen zu, Klappen dicht - genau so haben es immer auch alle Vorgänger Obamas gemacht. Doch am Ende seiner Ceterum-censeo-Ausführungen zur amerikanischen Abrüstungsverpflichtung kam Obama dann doch noch einmal auf Israel zu sprechen, ganz freiwillig.

Er rief die Regierung in Jerusalem zur Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags auf. Und er nannte das Land in einem Atemzug mit den anderen spätgeborenen Atommächten Indien, Pakistan und Nordkorea, die alle stolz zur Bombe stehen und deshalb dem von 189 Staaten unterschriebenen Abkommen bislang ferngeblieben sind.

Man könnte daraus ableiten, dass dieser US-Präsident eben anders ist alle seine Vorgänger. Das mag sein. Vor allem aber sind die Zeiten anders - und das bedeutet, dass Obama gar nicht mehr daran vorbeikommt, an das Tabu zu rühren.

Ironischerweise haben nämlich gerade die USA und Israel selbst das Atomthema wieder auf die Tagesordnung gebracht, auf dem Umweg über Teheran. Denn Israels Bombe ist die schwache Flanke in dem von beiden Staaten angeführten Kampf gegen Irans Bombe.

Tiefe Kluft zwischen Vision und Wirklichkeit

Je größer der Druck auf Präsident Mahmud Ahmadinedschad wird, desto lauter wird gefragt: Warum soll in Jerusalem erlaubt oder zumindest geduldet sein, was in Teheran verboten ist?

Die Frage liegt nahe, doch Israelis wie Amerikaner haben sich bislang vor einer Antwort gedrückt. Denn diese Antwort führt tief hinein in die Widersprüche der Weltpolitik, und sie zeigt besonders deutlich, welch tiefe Kluft sich auftut zwischen den visionären Postulaten des US-Präsidenten und der rauen Wirklichkeit.