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Nuklearexperte Sailer zur Atomkraft:"Die Konzerne entscheiden, wo sie den Strom herholen"

SZ: Das Schicksal der sieben ältesten Anlagen scheint schon besiegelt zu sein. Wird Deutschland ohne sie sicherer?

Atom-Experte Michael Sailer

Michael Sailer, Chef des Öko-Instituts in Freiburg, ist überzeugt, dass Deutschland auch ohne Kernenergie auskommen kann.

(Foto: dpa)

Sailer: Dazu sage ich jetzt nichts, ich will unserer Prüfung nicht vorgreifen. Aber es gibt in der Fachwelt schon den Eindruck, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen den verschiedenen Generationen von Kraftwerken gibt.

SZ: Etwa beim Schutz vor Terror.

Sailer: Auch das werden wir genauer erst wissen, wenn es ein Ergebnis gibt.

SZ: Und wenn dann Kernkraftwerke abgeschaltet werden, kommt der Atomstrom aus Frankreich und Tschechien.

Sailer: Wir können genug Strom im eigenen Land erzeugen. Die Energiekonzerne entscheiden, wo sie den Strom herholen. Knapp wird er jedenfalls nicht.

SZ: Bis wann wäre ein Atomausstieg denn zu schaffen?

Sailer: Insgesamt sicher bis 2020. Dazu müssen wir aber auch neue Leitungen und Speicher bauen, um regenerativen Strom dahin zu bekommen, wo er verbraucht wird.

SZ: Andere Staaten bauen Reaktoren.

Sailer: Ja, leider. Eine ganze Reihe davon soll sogar in stark erdbebengefährdeten Zonen gebaut werden. Oder in Ländern, in denen massive andere Einwirkungen drohen. Nehmen Sie nur die Staaten in Nordafrika. Wäre da ein Kernkraftwerk in Betrieb gewesen, dann wären die letzten Wochen extrem riskant gewesen.