Nelson Mandela (1918-2013):Rolihlahla , der "Unruhestifter"

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Zum Symbol des Widerstandes gegen die Rassentrennung wurde der Mann, der die Apartheid so zutreffend beschrieben hatte. Ein Häuptlingssohn eines Xhosa-Clans: Rolihlahla (der "Unruhestifter") Dalibunga Mandela.

Mandela wurde am 18. Juli 1918 in einem winzigen Dorf in der heutigen Transkei geboren. Auf einer Missionsschule gab man ihm den Vornamen Nelson, denn die Weißen weigerten sich, einen afrikanischen Namen auszusprechen. Nach der Schulzeit studierte Nelson Mandela Jura an der einzigen Hochschule für Farbige. Dann ging er nach Johannesburg und erwarb einen Abschluss, durch den er als Rechtsanwalt tätig werden konnte. Anfang der fünfziger Jahre eröffnete er gemeinsam mit Oliver Tambo in Johannesburg Südafrikas erstes farbiges Anwaltsbüro.

1942 wurde Mandela Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), der seit 1912 gewaltlos für die Rechte der Afrikaner eintrat. Vorbild Mandelas und des ANC wurde der friedliche Protest des indischen Freiheitshelden Mohandas Karamchand "Mahatma" Gandhi. Als junger Anwalt hat Gandhi selbst unter dem Rassismus in Südafrika gelitten.

Doch auf Gandhis pazifistischen Wegen wollte der junge Mandela zunächst nicht lange wandeln. Schnell war er unzufrieden mit dieser gemäßigten Politik des ANC und gründete mit seinen Weggefährten Walter Sisulu und Tambo eine radikalere ANC-Jugendorganisation. An einem Grundsatz des ANC hielten sie jedoch ein Leben lang fest: "Südafrika gehört allen, die in diesem Land leben, Schwarzen und Weißen."

Am 21. März 1960 erreichte der Widerstand einen ersten blutigen Höhepunkt, der ähnlich verlief wie 16 Jahre später in Soweto. Tausende von Schwarzen protestierten in Sharpeville unbewaffnet vor einer Polizeistation gegen ein Passgesetz, das ihre Bewegungsfreiheit noch weiter eingeschränken sollte. Die weißen Beamten eröffneten das Feuer. Sie schossen noch weiter, als die Demonstranten bereits in Panik flohen. 69 Männer, Frauen und Kinder starben. Die Regierung rief den Notstand aus und setzte Soldaten ein. Der ANC wurde verboten.

Mit 43 Jahren nahm er die Waffe in die Hand

Viele ANC-Politiker landeten im Gefängnis, andere gingen ins Exil, manche in den Untergrund. Mandela nahm mit 43 Jahren die Waffe in Hand. Der lausige Schütze gründete den militanten ANC-Flügel "Umkhonto We Sizwe" (Speer der Nation). Er war ihr erster Kommandeur und befehligte Sabotageanschläge gegen Stützpunkte der Armee, Kraftwerke und Telefonverbindungen. 1962 reiste er heimlich ins Ausland. Dort warb er um Gelder für die militärische Ausbildung seiner Guerillakämpfer. Nach seiner Rückkehr wurde er schnell gefasst. Der Apartheid-Staat hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine Ahnung von seiner wirklichen Rolle im Widerstand. Er wurde wegen der Aufwiegelung zum Streik und unrechtmäßigem Verlassen des Landes vor Gericht gestellt.

Statt in Anzug und Krawatte erschien Mandela im traditionellen Leopardenfell seines Stammes vor dem Richter. Er verzichtete auf seine Verteidigung im juristischen Sinne. Stattdessen erklärte er: "Ich habe keinen Zweifel, dass die Nachwelt verkünden wird, dass ich unschuldig war und dass die Verbrecher, die man vor dieses Gericht hätte stellen sollen, die Mitglieder dieser Regierung sind." Zehn Minuten später wurde das Urteil verkündet: Fünf Jahre Haft ohne Bewährung.

Kurze Zeit später wurde er erneut vor Gericht gestellt. Diesmal wog die Anklage weit schwerer: Verschwörung. Mandela sollte verantwortlich sein für mehr als 150 Sabotageakte. Für den Burenstaat war er ein "kommunistischer Terrorist" und Staatsfeind Nummer eins. Ihm drohte die Todesstrafe. Trotzdem ließ er sich nicht davon abbringen, die Verhandlung in eine Anklage gegen seine Ankläger zu verwandeln. Seine Verteidigungsrede wurde zum Manifest gegen das Apartheidregime.

Nachdem Mandela vier Stunden lang seine Erklärung über den Freiheitskampf vorgelesen hatte, sprach er die letzten Worte frei: "Ich habe das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft hochgehalten, in der alle Menschen friedlich und mit gleichen Möglichkeiten zusammenleben. Diesem Ideal habe ich mein Leben geweiht, in der Hoffnung, es einst zu erreichen. Aber wenn es sein muss, bin ich bereit für dieses Ideal auch zu sterben." 1964 wurden Mandela und sieben weitere Angeklagte zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt.

Mandela, Sisulu und die anderen politischen Häftlingen wurden auf die berüchtigte Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt gebracht und mussten im Kalk-Steinbruch arbeiten. Fortan durfte Mandela in Südafrika weder zitiert, noch durfte ein Foto von ihm veröffentlicht werden. Zunächst schien der Häftling mit der Nummer 466/64 in Vergessenheit zu geraten.

"Free Mandela!"

Doch im Sommer 1976 lebte der Widerstand durch das Blutbad von Soweto wieder auf. Ein Jahr später wurde der schwarze Bürgerrechtler Steve Biko ermordet. Immer mehr Schwarze folgten dem Aufruf des ANC, das Land unregierbar zu machen. Die Massen waren in Aufruhr. Obwohl die Weißen immer größere Brutalität an den Tag legten, breitete sich der Freiheitskampf der Schwarzen in Südafrika immer weiter aus.

1980 erschien in Soweto eine Zeitung mit der Schlagzeile "Free Mandela!" - "Befreit Mandela!". Obwohl ihn kaum noch jemand von den jungen Schwarzen kannte, erhoben auch sie ihn zu ihrem Symbol im Kampf gegen die Unterdrückung. Gleichzeitig verübte der "Speer der Nation" immer mehr Anschläge, die diesmal auch Menschenleben forderten.

1981 wurde Mandela von Robben Island in ein anderes Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Nachdem er an Tuberkulose erkrankte, kam er in eine dritte Haftanstalt. Hier konnten Regierungsvertreter mit ihm ungestört Geheimgespräche führen, die seit 1985 stattfanden. Der Apartheidstaat stand unter Druck: Neben kaum noch einzudämmenden Unruhen der Schwarzen wirkten die Wirtschaftssanktionen und das Land wurde weltweit immer stärker isoliert.

Im Juli 1987 durfte Mandela erstmals länger als eine halbe Stunde seine Frau, Kinder und Enkel treffen - und sie nach Jahrzehnten wieder umarmen. Mandela hatte in den vierziger Jahren Evelyn Mase geheiratet und mit ihr vier Kinder gezeugt. Doch dann stellte sie ihn vor die Entscheidung: die Familie oder der ANC. Evelyn zog aus. 1958 heiratete Mandela erneut. Seine zweite Frau wurde die Sozialarbeiterin Winnie Madikizela. Mit ihr hat er zwei Töchter, doch mit Winnie verbrachte er gerade einmal vier Jahre in Freiheit. Dann wurde sie seine Sprecherin in der Außenwelt und musste dafür selbst mit Gefängnis und Verbannung bezahlen.

In den langen Jahren der Haft ihres Mannes nahm sie immer herrischere Züge an. So gestattete sie einer Gruppe junger Männer, als ihre Leibwächter tätig zu werden. Doch dieser "Mandela Club", offiziell ein Fußballverein, machte bald Jagd auf andere Schwarze, denen sie Verrat vorwarfen. Mehrere Jugendliche verschwanden unter rätselhaften Umständen. Winnie wurde später wegen der Beteiligung an Entführungen und Folterungen rechtskräftig verurteilt. Bitter enttäuscht trennte sich ihr Mann nach seiner Freilassung von ihr.

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