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Nahostkonflikt:Hamas wählt Hardliner zum neuen Anführer

Yahya Sinwar (rechts), und der Chef des militärischen Arms der Hamas feiern 2011 die Freilassung palästinensischer Gefangener.

(Foto: AFP)
  • Sicherheitsanalysten sehen in der Wahl eine Stärkung des militärischen Arms der Hamas.
  • Yahya Sinwar gilt selbst innerhalb der Terrororganisation als Extremist. Mit seiner Wahl zeichnet sich eine neue Eskalation im israelisch-palästinensischen Konflikt ab.

Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat einen Hardliner zu ihrem neuen Anführer im Gazastreifen gewählt. Yahya Sinwar wird neuer Chef der Terrororganisation im Gazastreifen, wie Vertreter der Hamas am Montag mitteilten.

Israelische Sicherheitsanalysten sehen in der Wahl von Yahya Sinwar eine Stärkung des militärischen Arms der Hamas. Der hat mit den sogenannten Qassam-Brigaden schon jetzt einen enormen Einfluss im Gazastreifen und Experten fürchten, dass sein Einfluss unter dem neuen Chef weiter wachsen und einen israelisch-palästinensischen Dialog unmöglich machen werde.

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Yahya Sinwar ist den israelischen Behörden kein Unbekannter. Der heute 55-Jährige wurde schon 1988 von Israel wegen terroristischer Aktivitäten verhaftet und zu viermal lebenslänglicher Haft verurteilt. Er gilt als einer der radikalsten Gegner einer politischen Annäherung an Israel.

Nach seinem Studium baute Sinwar die Majd-Brigaden auf, die als eine Art Inlandsgeheimdienst der Hamas funktionieren und sich vor allem gegen Palästinenser richten, denen Kollaboration mit Israel vorgeworfen wird. Als Anführer der Majd-Brigaden soll Sinwar eigenhändig Dutzende Palästinenser ermordet haben. Seit 2015 steht er auch auf der Liste der "internationalen Terroristen" der USA.

Nach 22 Jahren im Gefängnis kam Sinwar 2011 im Tausch gegen Gilad Schalit frei. Der israelische Soldat war von der Hamas entführt und fünf Jahre lang gefangen gehalten worden. Im Rahmen des Gefangenenaustauschs kamen neben Yahya Sinwar noch 1026 weitere Palästinenser frei.

Annäherung an den "Islamischen Staat"

Besonders besorgniserregend für Israel: Beobachter gehen davon aus, dass Sinwar einen Schulterschluss mit ägyptischen Terrorgruppen anstrebt, die sich dem sogenannten Islamischen Staat angeschlossen haben.

Mit Sinwar an der Spitze der Hamas im Gazastreifen wird eine neue Eskalation im israelisch-palästinensischen Konflikt wahrscheinlicher. Denn auch auf israelischer Seite dominieren die Hardliner. Die Hamas könnte den verstärkten Siedlungsbau der Israelis als Anlass für neue Angriffe nehmen. Noch vor wenigen Tagen veröffentlichte die Terrororganisation ein Video, in dem die Hamas den Tod der israelischen Besatzer besingt. "Zionisten, in Gaza werdet ihr vernichtet", heißt es in dem Video.

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